Berlin. Gerade mal zwei Minuten dauerte der Auftritt von Santiano in der Uber Arena. Dann ist es zunächst still auf der Bühne. Was passiert war.

Nach ganzen zwei Minuten ist alles vorbei beim Konzert von Santiano. Stromausfall. Nichts geht mehr auf der Bühne. Gerade noch war die ausverkaufte Uber Arena in maritimes Blau getaucht, und man schien die steife Brise vom Meer förmlich zu spüren bei den Klängen von „Es klingt nach Freiheit“. Plötzlich aber ist kein Ton mehr zu hören. Die Musiker stehen fassungslos vor ihren stummen Mikrofonen, gehen schließlich von der Bühne ab. Die Berliner nehmen es mit Humor und rufen „Zugabe”.

Lesen Sie auch: Santiano im Interview: „Lieder vom Meer sind eine Verheißung“

Auf den Videowalls ist nach dem Schriftzug „Stromausfall” die Vermutung „Vielleicht ein Marder” zu lesen, dann „Wasserschaden?” Eine Durchsage macht Hoffnung, dass das Problem in einigen Minuten gelöst sein könnte. Aber es heißt erstmal warten. Zum Glück wird es nicht das kürzeste Konzert aller Zeiten. Nach 20 Minuten geht es weiter. Riesen-Erleichterung allerseits. Björn Borh rätselt, ob es daran lag, dass die Arena von Mercedes-Benz in Uber umbenannt wurde. Wer weiß es schon.

Santiano treten wieder als Quartett auf

Dabei stand ja bekanntlich sogar die gesamte Hallentour auf Messers Schneide, weil es Arne Wiegand und Hans-Timm „Timsen“ Hinrichsen übel erwischt hatte. Magen-Darm-Infekt. Es ging sogar ins Krankenhaus. In der Uber Arena sind die beiden Musiker aber wieder fit wie eh und je.

Wie gewohnt treten unser aller Lieblings-Shanty-Rocker nicht als Quintett, sondern Quartett auf, da Gitarrist Andreas Fahnert nach mehreren Hörstürzen auf ärztlichen Rat bei Konzerten nicht mehr dabei ist. Mit dabei für den charakteristischen rockig folkigen Sound sind noch drei weitere Live-Musiker.

Die aktuelle Konzertreise der rockenden Nordmänner heißt „Auf nach Doggerland“ und ist nach ihrem 2023er-Album „Doggerland“ benannt, mit dem es Santiano innerhalb von elf Jahren zum achten Mal bis an die Spitze der Deutschen Album-Charts schafften. Keiner anderen deutschen Band ist dieses Kunststück zuvor je gelungen.

Santiano erkunden musikalisch das Doggerland

Natürlich gibt es neben zahlreichen Hits auch viele Songs aus “Doggerland” mitsamt der Geschichte, das als grünblaue unterseeische Fantasielandschaft auf den Screens wieder aufersteht. Somit ist der Abend auch eine musikalische Erkundungsfahrt in Richtung des sagenumwobenen Doggerlands. Eine Region im südlichen Teil der Nordsee, die während der letzten Kaltzeit trocken lag, heute aber vom Meer bedeckt ist.

Musikalisch springt der Funke von der ersten Sekunde an über. Gefühlt geht es in so ziemlich jedem Song um Freiheit und das Meer. Oft verbunden mit der Message, rücksichtsvoll mit unserer Umwelt umzugehen. Wer gern über die Meere schippert, sollte sich auch für diesen Lebensraum einsetzen und schützen. Wie Santiano.

Die Fans feiern die authentischen Musiker

Die Botschaft kommt an, denn da vorn auf der Bühne stehen authentische Musiker, denen die Menschen vertrauen. Nicht nur dafür feiern ihre Fans sie beim Song „Blauer Planet”, sondern vor allem auch für Hits wie „Gott muss ein Seemann sein”, „Zu alt, um jung zu sterben” und „Wenn die Kälte kommt.”

Auch sonst wissen Santiano, wie man sein Publikum bei bester Laune hält. Zum Beispiel mit reichlich Pyrotechnik und einer perfekten Lightshow mit eindrucksvollen Visuals vom Meeresgrund bis zum Firmament. Und natürlich mit einer Setlist voller Songs, die Herz und Seele berühren. Mit anderen Worten: ein Wahnsinnskonzert! Die Berliner sind definitiv ganz verzaubert und mitgerissen von den phänomenalen Seemännern. Ahoi Santiano – und hoffentlich auf bald beim nächsten Mal an der Spree.