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Themenwelten Berliner Morgenpost
Wohnen & Gestalten

Wohnstile in aller Welt

Andere Länder, andere Sitten: In vielen Regionen der Erde haben sich aufgrund von klimatischen Bedingungen, Traditionen und kulturellen Werten ganz eigene Einrichtungswelten entwickelt. Ein Blick über mehrere Kontinente

Kanada

In weiten Teilen Kanadas setzt man auf rustikale Gemütlichkeit und viel Holz. FOTO: PA/PERRY MASTROVITO
In weiten Teilen Kanadas setzt man auf rustikale Gemütlichkeit und viel Holz. FOTO: PA/PERRY MASTROVITO
Kanada ist das zweitgrößte Land der Erde, aber nur dünn besiedelt. Der Einrichtungsstil ist dementsprechend ländlich geprägt und spiegelt die Nähe zur Natur sowie vielfältige kulturelle Einflüsse wider.

In ländlicheren Gegenden stößt man häufig auf traditionelle Cottages. Das sind Häuser aus heimischen Hölzern wie Ahorn oder Pinie. Im Inneren herrscht zumeist eine rustikale und gemütliche Atmosphäre im XXL-Format: freigelegte Dachbalken, ausladende Ledersessel und Schaukelstühle auf schweren Teppichen mit typischen Motiven der amerikanischen Ureinwohner. An den Wänden hängt schon mal ein Büffelkopf zwischen Sprossenfenster und den heiß geliebten Einbauschränken.

Das Zentrum des großzügigen Wohnbereichs bildet häufig ein Kamin, unverzichtbares Accessoire während der kalten Winter! Reicht das prasselnde Feuer nicht aus, zieht man sich zum Wärmen gerne einen handgefertigten Quilt, eine traditionelle Patchwork-Decke, über die Füße. (ao)

Mexiko

Bunte Farben und kleine Keramikschalen und –figürchen sieht man oft in mexikanischen Haushalten. FOTOS: IMAGO/DANITA DELIMONTIMAGO; ISTOCK/ST OCKCAM
Bunte Farben und kleine Keramikschalen und –figürchen sieht man oft in mexikanischen Haushalten. FOTOS: IMAGO/DANITA DELIMONTIMAGO; ISTOCK/ST OCKCAM
Wohnräume in Mexiko sind oft sehr farbenfroh gestaltet: Grüne Stühle vor orangen oder roten, teils gefliesten Wänden verbreiten eine belebende Atmosphäre. Damit es nicht zu viel wird, gesellen sich häufig warme Erdtöne wie Terrakotta und Umbra dazu. Alte Keramikvasen, -schalen und -skulpturen, die an die Handarbeitskunst der Ureinwohner des Landes erinnern, fügen sich perfekt in ihr Umfeld.

Und ein bisschen Folklore ist auch in vielen modern eingerichteten Wohnungen gern gesehen: zum Beispiel ein gewebter Teppich oder eine Tagesdecke mit indigenen Mustern, bunten Streifen und Dreiecken. Farbenfrohe, rustikale Kerzenständer, die neben schweren dunklen Holztischen oder Vitrinen im Kolonialstil wirken.

Diese Mischung aus mexikanischer Tradition und den Einflüssen der spanischen Kolonialherrschaft sieht man auch im Architekturstil. Die Fassaden sind zudem wie die Innenräume in den unterschiedlichsten Farbtönen gehalten. (tara)

Kuba

Stil-Mix: In Kuba trifft koloniale Strenge häufig auf kitschige Deko. FOTOS: ISTOCK/NIKADA, ARCHMERCIGOD
Stil-Mix: In Kuba trifft koloniale Strenge häufig auf kitschige Deko. FOTOS: ISTOCK/NIKADA, ARCHMERCIGOD
Kubaner legen im Allgemeinen keinen besonderen Wert auf Häuslichkeit und verbringen den Tag am liebsten im Freien. Dank des verlässlich karibischen Wetters verschwimmen auch bei der Wohnungseinrichtung die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum. Hinter den dicken Steinmauern der einst hochherrschaftlichen Prachtbauten, die man typischerweise durch hohe Flügeltüren betritt, wartet eine Mischung aus kolonialem Einrichtungsstil und bunt gemixtem Einerlei.

Auf kühlen ornamentverzierten Steinfliesen durchschreitet man imposante Korridore, vorbei an großzügigen Schlafzimmern, häufig möbliert mit antiken Himmelbetten. Weiter geht es durch bunt gestrichene Innenhöfe oder dicht bepflanzte Treppenhäuser. So gelangen die Bewohner von einem Wohnbereich in den nächsten, ohne wahrzunehmen, dass sie dabei oft mehrmals zwischen Drinnen und Draußen wechseln. Riesige Fenster, auf die Terrasse verlegte Sitzecken sowie Bilder und Spiegel an den Hauswänden lassen Besucher dann am Ende des Tages nicht selten zweifeln, ob sie ihren Mojito gerade unter freiem Himmel genießen – oder nicht. (ao)

Japan

Unter der Decke eines Kotatsu, einem niedrigen Tisch mit eingebauter Elektro-Heizung, ist es mollig warm. Das gleicht aus, dass andere Räume nicht beheizt werden. FOTOS: ISTOCK/SMOKEDSALMON; IRIGRI8
Unter der Decke eines Kotatsu, einem niedrigen Tisch mit eingebauter Elektro-Heizung, ist es mollig warm. Das gleicht aus, dass andere Räume nicht beheizt werden. FOTOS: ISTOCK/SMOKEDSALMON; IRIGRI8
Beim Betreten eines typisch japanischen Wohnhauses überwinden Besucher zunächst eine kleine Stufe. Sie erinnert daran: Bitte die Schuhe ausziehen!

In der Theorie sind die Wohnräume schlicht gehalten, dominieren klare Linien und Formen. Die Realität sieht allerdings häufig anders aus: Denn da in den Großstädten Wohnraum teuer ist, sind Wohnungen klein und ziemlich vollgestopft. Plastik, Bambus- und Holzimitat dominieren.

Aber zurück zum Ideal: Traditionell werden die verschiedenen Wohnbereiche durch bewegliche Reispapierwände abgetrennt. Der Fußboden ist mit Tatami bedeckt; Reisstrohmatten, auf denen abends der Futon für die Nacht ausgelegt wird. Tagsüber steht hier der Saizu, ein niedriger Tisch mit Bodenstühlen. Diese traditionell multifunktionale Nutzung von Räumen erklärt, warum viele japanische Möbel mit Rollen oder Handgriffen versehen sind. So wie der Kotatsu, ein niedriger Tisch, unter dessen Platte eine Elektro-Heizung eingebaut ist. Eine darüber ausgebreitete große Decke sorgt dafür, dass es im Winter alle schön warm haben. (kage)

Marokko

Kräftige Farben prägen das Ambiente eines marokkanischen Riads. FOTOS: PA/TIPS IMAGES; ISTOCK/NAZAR YARISH
Kräftige Farben prägen das Ambiente eines marokkanischen Riads. FOTOS: PA/TIPS IMAGES; ISTOCK/NAZAR YARISH
Von außen wirken sie wie Festungen. Fensterlose, ockerfarbene Fassaden lassen nicht erahnen, was sich dahinter verbirgt. Die Riads, traditionelle marokkanische Wohnhäuser, offenbaren ihre Schönheit erst im Innern. Durch steinerne Torbögen gelangt man in einen quadratischen Hof, in dessen Mitte ein Brunnen sprudelt. In diesem Hof verbringen marokkanische Familien so viel Zeit wie möglich.

Oft leben bis zu 20 Personen aus drei oder vier Generationen unter einem Dach und teilen sich die Schlafzimmer. In den gemeinschaftlich genutzten Räumen soll es in jeder Beziehung harmonisch zugehen. So fügt sich das Mobiliar in Farbe und Form immer in die Umgebung ein. Niedrige Teetische und metallene Leuchten und Tabletts gehören ebenso zur Wohnoase wie Teekannen und zeltartig drapierte Tücher. Die Stoffe von Polstern, Kissen und Decken auf den Diwanen strahlen in kräftigen Farben. Und weder Gold noch Silber dürfen in einem Riad fehlen – ganz wie in 1001 Nacht. (ami)

Tibet

Zum Straßenbild in der Altstadt von Gyantse gehören Kühe, deren Dung die Menschen zum Heizen nutzen. FOTO: PA/CHRISTOPH MOHR
Zum Straßenbild in der Altstadt von Gyantse gehören Kühe, deren Dung die Menschen zum Heizen nutzen. FOTO: PA/CHRISTOPH MOHR
Gyantse in Tibet ist eine Festungsstadt mit langer Geschichte. Das Leben in dem Städtchen, das auf 4000 Metern über dem Meeresspiegel liegt, ist heute sehr beschaulich. Auf den kaum befestigten Straßen laufen Menschen und Kühe friedlich nebeneinander. Hin und wieder vernimmt man das Rattern eines Traktormotors.

Die insgesamt rund 10.000 Menschen, die in Gyantse zu Hause sind, leben in einfachen Häusern aus Stein und Holz, die meistens zweistöckig, aber kaum höher als zweieinhalb Meter sind. Von vielen Dächern wehen Gebetsfahnen in verschiedenen Farben, die Vordächer und Fensterläden jener Häuschen sind kunstvoll verziert.

Im Innern bringen bunte Stoffe und Möbel aus Holz Farbe und Wärme in den Wohnraum. Teppiche, oft mit Blumen und Tieren verziert, schmücken viele Fußböden. Sie sind in ganz Tibet beliebt.

Dem kühlen Höhenklima trotzen die Bewohner Gyantses mit einer besonders ökologischen Form der Wärmegewinnung: Sie schichten ganz einfach Kuhdung zum Trocknen an den Außenwänden der Häuser auf, den sie später zum Heizen verwenden. (anna)
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