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Wohnen & Gestalten

Von Hand gemacht

Klar kann man fast alles kaufen, was man braucht. Warum es trotzdem mehr Spaß macht, Nützliches selbst herzustellen – und Unnützes auch

Tischlern, Polstern, Umlackieren: Insbesondere im Internet zieht der DIY-Trend weite Kreise. FOTOS: ISTOCK/MIXETTO, SARASANG, FOTOSTORM

Simone Jacobius

Es sind nur drei unscheinbare Buchstaben, doch sie stehen für eine Lebensphilosophie, die in den vergangenen Jahren immer mehr Anhänger fand: DIY – do it yourself! Und dabei geht es um ein bisschen mehr als um das, was man früher salopp als Selbermachen bezeichnet hat. Denn oft entstehen beim DIY nicht nur nützliche, sondern auch hübsche Dinge, die unsere Vorfahren noch aus purer Notwendigkeit selbst hergestellt haben – im industriellen Zeitalter jedoch längst im Überfluss vorhanden sind. Gerade das, was man eigentlich nicht machen müsste, aber kann, übt inzwischen auf viele einen besonderen Reiz aus. Speziell auf jene, die ihre Tage hinter dem Schreibtisch verbringen: „DIY ist ein befriedigender Ausgleich zum Berufsalltag“, sagt Antje N. „Wir hetzen von einem Termin zum anderen und können kaum eine Aufgabe ungestört zu Ende bringen.“ Als sie sich mit ihrem Mann den Traum vom eigenen Häuschen in Hellersdorf erfüllte, ließ sie ihrer Fantasie einfach freien Lauf. Als Ausgleich zu ihrem stressigen Büroalltag als Beraterin strich sie zu Hause Fliesen und Küchenschränke. „Es ist die totale Entspannung für mich, wenn ich Hammer und Pinsel schwingen kann. Es macht mir einfach Spaß. Außerdem erfüllt es mich mit Stolz und Befriedigung, wenn die Sachen hinterher dastehen und meistens sehr chic aussehen“, sagt sie. Eben erst hat sie aus Europaletten eine Sitzecke gebaut. Und das nächste Projekt, ein Sideboard für die Terrasse, ist in Planung. „Der Frühling kann also kommen.“

Recycling und Macherstolz
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Eine aktuelle Studie von YouGov und Statista zeigt die häufigsten Motive der Deutschen für Do-it-yourself. Für die meisten ist vor allem der Spaß an der handwerklichen Arbeit (53 Prozent) der Hauptgrund. Gut die Hälfte der Befragten gibt an, dass DIY für sie ein Hobby ist, mit dem sie sich die Zeit vertreiben (48 Prozent). Für 47 Prozent der Befragten sind es einfach originelle Geschenke für ihre Lieben und 43 Prozent wollen mit Selbstgebasteltem ihr eigenes Heim individuell gestalten. Für viele hat der Basteltrend darüber hinaus praktische Gründe: 34 Prozent wollen auf diese Weise Geld sparen, zum Beispiel für Möbel oder Dekoartikel. Aber auch Nachhaltigkeit spielt für einige der Befragten eine Rolle. Warum wegschmeißen, wenn man daraus noch etwas Neues herstellen kann? „Reuse“, also das Wiederverwerten von Materialien, die ihren aktuellen Nutzen verloren haben, liegt stark im Trend. Milchflaschen erleben so ein zweites Leben als Kronleuchter, und aus einem alten Holzfensterrahmen lässt sich mit nur wenig Geschick ein origineller Bilderrahmen basteln.

Ideen für das Selbermachen zu finden, ist kein Problem. Das Internet ist voller Tipps und Gebrauchsanleitungen für Anfänger wie auch geübte Handwerker. Während Stricken, Häkeln, Töpfern, selbst gemachte Marmeladen oder die Herstellung kunstvoller Torten schon seit einer gefühlten Ewigkeit zu den DIY-Spitzenreitern gehören, ist die Herstellung von Möbeln ein noch relativ junger Trend.

„Es ist die totale Entspannung für mich, wenn ich Hammer und Pinsel schwingen kann. Es macht mir einfach Spaß.“

Antje N., Heimwerkerin

Wie viel Unterstützung man dabei benötigt, hängt von der eigenen Erfahrung und Geschicklichkeit ab. Für manche reicht ein einfaches Bild, andere schauen sich lieber ein Video mit Schritt-für-Schritt-Anleitung an. Je nach Neigung eignen sich daher Portale wie Pinterest oder Instagram, um sich von den hübsch bebilderten Ergebnissen anderer inspirieren zu lassen – die passende Anleitung kann man später ja immer noch online recherchieren. Oder aber man abonniert lieber gleich einen einschlägigen Handwerkerkanal auf Youtube und erhält in regelmäßigen Abständen automatisch neue Projektvorschläge. Bonus hier: Die meisten Kanalbetreiber widmen sich auch der Material- und Werkzeugkunde mit eigenen Videobeiträgen.      
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Denn darin liegt oft die Krux: Passendes Material und Werkzeug für das eigene Projekt aufzutreiben, ist nicht immer leicht. Wie gut, dass das Internet auch hierauf eine Antwort liefert: Über Portale wie Nebenan.de oder Berlin.fairleihen.de leisten Nachbarn aktive Hilfe, indem sie ihren Bohrschlaghammer oder Winkelschleifer für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

Wichtig ist der richtige Schnitt

Was man auf diesen Plattformen jedoch nicht borgen kann, sind Sägen, die wirklich lange, gerade Schnitte machen. Ohne die geht allerdings gerade beim DIY-Möbelbau so gut wie nichts. Am besten ist es deshalb, man nutzt gleich beim Einkauf von Konstruktionshölzern und Tischlerplatten den Zuschnittservice des jeweiligen Baumarkts. In der Regel können die jedoch „nur“ gerade und lang. Für speziellere Zuschnitte haben zumindest Berliner die Möglichkeit, sich an www.plattenladen-berlin.de zu wenden. Die können auch Winkel, Ecken und Löcher. Den Rest muss – oder sollte – man dann allerdings immer noch selbst machen. Denn das ist ja gerade der Spaß!
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