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Wohnen & Gestalten

Der schöne Schein

Strahler, Stehlampe oder Leselampe? Bei der Wahl der passenden Beleuchtung spielen der Zweck und der Ort die größte Rolle

FOTO: ISTOCK/ONURDONGEL

Sylvia Chybiak

Treppe rauf, Schlüssel rein, Wohnungstür auf. Rechter Hand der Lichtschalter. Durch den schummrig beleuchteten Flur bis zum Schalter der Küche vortasten. Die zuckend anspringende Leuchtstoffröhre versprüht augenblicklich den Charme eines OP-Saals. Schnell weiter ins Wohnzimmer, linker Hand der Schalter. Die Deckenlampe taucht den Raum in ein Licht mit der Gemütlichkeit einer zugigen Bahnhofshalle. Fiat lux - Es werde Licht?

Längst sind derart trostlose Zeiten vorbei – heute gehört das Licht zu den wichtigsten innenarchitektonischen Elementen für die Gestaltung in den eigenen vier Wänden. Es bestimmt, ob man sich wohlfühlt, denn es schafft eine eigene Raumatmosphäre und bringt Wand- und Möbelfarben zum Leuchten. Höhe, Breite und Tiefe eines Zimmers können erweitert oder begrenzt werden, je nachdem, wie geschickt durch Einsatz verschiedener Leuchtmittel kaschiert oder konturiert wird. Mit Lichtinseln lässt sich eine harmonische Atmosphäre schaffen, als Zauberformel gilt hier der Mix aus drei verschiedenen Lichtquellen.

Verschiedene Ebenen

Arbeiten? Lesen? Kochen? Jede Zone benötigt ein anderes Licht. Wer arbeitet, braucht ein Licht, das belebt und wach macht. Im Lesesessel dagegen möchte man im begrenzten Schein einer Lampe eher ungestört sein. Über der Kücheninsel wird Licht bevorzugt, das einen guten Blick in die Töpfe und auf das Schneidebrett ermöglicht.
Über den Esstisch passt am besten eine ganze Reihe von Lampen. FOTO: ISTOCK / SERTS
Über den Esstisch passt am besten eine ganze Reihe von Lampen. FOTO: ISTOCK / SERTS
„Wichtig ist eine gleichmäßige und dimmbare Basisbeleuchtung, die durch Lese- oder Tischleuchten oder Lichtelemente auf dem Boden ergänzt werden sollte. Modern sind besonders amorphe Formen oder spezielle Gebilde aus Metall“, sagt Lukas Wagner, Storemanager im MitteLicht Zentrum Berlin. „Wir empfehlen Lichtinseln in verschiedenen Höhen und eine schöne Mischung aus direktem und indirektem Licht.“

Über dem Essplatz als zentralem Treffpunkt für Freunde und Familie sorgt warmweißes Licht für die richtige Stimmung. Je größer der Tisch, desto mehr Leuchtquellen braucht es. Für einen rechteckigen Tisch eignen sich zum Beispiel höhenverstellbare Pendelleuchten in einer Reihe, während über einem runden Tisch die Lampen eher zentriert hängen können. Steht ein kleiner Esstisch direkt an der Wand, kann eine Wandleuchte den Platz gemütlich erhellen.

Der heimische Arbeitsplatz benötigt ein möglichst schwenkbares Funktionslicht. Um störende Spiegelungen zu vermeiden, steht die Schreibtischlampe idealerweise ein Stück hinter dem Monitor und leuchtet von schräg oben. Bei vielen LED-Lampen lässt sich die Lichtfarbe auf Knopfdruck ändern, denn nicht jeder bevorzugt zum konzentrierten Arbeiten ein Licht mit hohem Blauanteil. Am wichtigsten ist, dass man sich zu diesem Platz hingezogen fühlt. Wie auch in die Leseecke, in der punktuelles Licht den Blick in Buch oder Zeitung ermöglicht. Leselampen mit drehbarem Leuchtenkopf auf einem Board eignen sich bestens. Wer auf Omas 50er-Jahre-Stehlampe mit den drei Tüten-Schirmen neben dem Sofa nicht verzichten will, kann stromfressende Glühbirnen gegen LED-Retro-Fit-Leuchten tauschen. Ob Industrieflair, streng geometrisch oder verspielt – auch die Formen und Materialien geben den Leuchten individuellen Charakter. Silber-, gold- oder kupferfarbene Metalllampen sind ein wahrer Blickfang. Im Trend sind Lampenschirme in einer Kombination aus Papier und Federn, ebenfalls aktuell sind Glaslampen, die den Blick auf die Glühbirne erlauben. Lampenschirme aus gebogenen Holzlamellen oder Stein suggerieren ein natürliches Flair.

LED kann auch warmes Licht
FOTO: TOCK/ANDREYPOPOV
FOTO: TOCK/ANDREYPOPOV
Die gute alte Glühbirne hat fast ausgedient, inzwischen sind jedoch genügend interessante Alternativen auf dem Markt. Längst hat sich LED mit bis zu 90 Prozent weniger Stromverbrauch vom einstigen Nischenprodukt zum Standard gemausert. LEDs enthalten kein Quecksilber und sind damit umweltfreundlicher. Sie sind heller als Energiesparlampen und erstrahlen sofort nach dem Anschalten. „Ganz aktuell ist derzeit die Funktion ,dim to warm‘“, sagt Lichtexperte Lukas Wagner. „Das bedeutet, dass die LED beim Dimmen der gelb-warmen Lichtcharakteristik einer gedimmten Glühbirne gleichkommt.“

Auch wenn der Anschaffungspreis für LED-Leuchten vergleichsweise hoch erscheint, amortisieren sich die Kosten durch die lange Lebensdauer. Mit ihrer geringen Größe inspirieren die LEDs Lichtkonstrukteure zu ausgefallenem Leuchten-Design und der Besuch im Lampenladen wird zu einer fantastischen Reise durch die Welt des Lichtes. Hier helfen Experten bei der Planung von Lichtkonzepten, denn niemand will heutzutage noch lästige Verlängerungskabel mitten im Zimmer liegen haben. Schon vor der Renovierung sollten also Plätze für Steckdosen, Stromanschlüsse oder gar ein komplettes Smart- Home-System eingeplant werden.

Home smart home

Diese sind inzwischen schon weitverbreitet. Für die smarten Lösungen braucht es spezielle LED-Lampen, die sich vernetzen lassen und per App, Fernsteuerung oder Sprachbefehle drahtlos steuerbar sind. „Wer zum Beispiel alle Lichter im Raum gleichzeitig herunterdirigieren möchte, verwendet Plug-and-play-Bluetooth-Lösungen. Die Steuerung erfolgt über eine kostenfreie App“, empfiehlt Lukas Wagner. Mit farbigen Varianten lassen sich ganze Lichtstimmungen erzeugen. Treppe hoch, Smartphone raus, App aufrufen, Wohnungstür auf. Und es ward Licht!
            

Für jedes Zimmer die passende LED

Helligkeit

Die Helligkeit von Leuchtmitteln wird im Allgemeinen in Lumen gemessen. Dadurch lassen sich LED-Lampen leicht ins Verhältnis zur gewohnten Watt-Zahl einer Glühlampe setzen: Multipliziert mit 10 ergibt sie ungefähr die Lumen-Zahl einer LED. So entspricht eine Glühlampe mit 60 Watt 600 Lumen. Oder zurückgerechnet, entspricht das also einer LED mit 5 bis 7 Watt.

Farbtemperatur

Die Anmutung des Lichts wird in Kelvin gemessen. Die Skala reicht von gemütlich bei 2700 (Schlafzimmer) über neutral bei 3300 (Bad) bis tageslichtweißen 5300 Kelvin (Büro).

Viel Licht und wenig Schatten

Bodentiefe Fenster sind Standard im Neubau. Manchmal ist das zu viel
Lichtspiel durch Rollos. FOTO: JALOUCITY
Lichtspiel durch Rollos. FOTO: JALOUCITY
Christoph Heitz

Balkon mit Südlage ist in vielen Wohnungsanzeigen ein Argument für eine Wohnung. Doch spätestens wenn im Hochsommer die Sonne direkt durch die Balkonfenster scheint und den Raum dahinter aufheizt, ist es an der Zeit, sich über Verschattung Gedanken zu machen.

Die Lösungen dafür beginnen zunächst außen. Mit einer Markise bekommen der Balkon und zugleich der angrenzende Innenraum Schatten. Das Anbringen einer Markise stellt allerdings eine bauliche Veränderung dar. Für Besitzer eines Einfamilienhauses ist das unproblematisch, andere Eigentümer benötigen dafür jedoch die Zustimmung der Miteigentümer. Und Mieter bedürfen der Erlaubnis ihres Vermieters, der wiederum die Miteigentümer befragen muss – sofern ihm nicht das ganze Gebäude gehört.

Fenster verschatten

Da ist es oft einfacher, andere Lösungen zu suchen. Gardinen und Vorhänge sind klassische Wege, die Wohnung vor den Blicken Fremder und der Sonne zu schützen. Dabei muss man nicht schwere Stoffe wählen, die die Wohnung zu stark verdunkeln. Feinere Stoffe lassen viel Tageslicht durch. Allerdings haben Gardinen zwei große Nachteile: Ihre Länge ist nicht variabel, und sie brauchen Platz. Denn auch wenn sie nicht zugezogen sind, hängen sie gebündelt seitlich der Fenster.

Für diese Probleme gibt es Lösungen: Rollos, Jalousien und Plissees bedecken die Fenster nur in der gewünschten Höhe. Rollos lassen weniger Licht durch, brauchen dafür mehr Platz im aufgerollten Zustand. Jalousie und Plissee dagegen sind platzsparend, vor allem in der etwas teuereren Maßanfertigung. Ihre Lamellen lassen sich unterschiedlich neigen, wodurch das gestreifte Tageslicht zum gestalterischen Element der Inneneinrichtung wird.
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