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Wohnen & Gestalten

Der Charme der guten alten Zeit

Original-Möbel und Wohnaccessoires aus den 1920er- bis 1970er- Jahren sind beliebt. Und nichts für Schnäppchenjäger

Klassiker gut zu kombinieren, ist eine Kunst. Im Zweifel setzt man besser auf Einzelstücke. FOTO: ISTOCK/KATARZYNABIALASIEWICZ

Kirsten Niemann

Der Sessel ist 50 Jahre alt und hat schon ein paar Schrammen. Seiner Schönheit tut das keinen Abbruch. Alte Möbel sind populär wie nie. Sie machen eine Einrichtung einzigartig und sorgen für Atmosphäre. „Möbel aus vergangenen Jahrzehnten erzählen uns eine Geschichte“, sagt Peter Althammer, Inhaber von „Vintage Living“, einem Möbelgeschäft in Kreuzberg, das sich auf Raritäten von 1910 bis 1980 spezialisiert hat. „Sie stehen für Charme, Individualität und Qualität.“ Gemeinsam mit seiner Schwester Eva hat der Berliner Händler und Restaurator die meisten Stücke in seinem Laden selbst zusammengetragen und liebevoll wiederhergerichtet.

Vintage bedeutet so viel wie alt oder altmodisch. Ursprünglich kommt der Begriff aus der Weinlese. In den 70er-Jahren tauchte er zum ersten Mal im Kontext von Mode auf, im London der PunkÄra. Bei Möbeln und Einrichtungsaccessoires spricht man erst seit den 2000er-Jahren von Vintage und denkt dabei vor allem an Stücke der 20er- bis 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Weil es meistens um Mobiliar aus den 40er- bis 70er-Jahren geht, bezeichnet man den Stil auch als Mid- Century. Ob Verner Pantons „Moon Lamp“, Arne Jacobsens „Ameise“ oder Gianni Songias Schlafsofa „Daybed“ – allen ist gemein, dass sie keine Massenware sind. Schon ihre erste Auflage war hochwertig verarbeitet und entsprechend teuer.
markilux
Besonders beliebt sind Möbel und Wohnaccessoires im Bauhaus- Stil, etwa von Marcel Breuer oder Ludwig Mies van der Rohe. Auch skandinavische Designer wie die Finnen Alvar Aalto und Eero Saarinen sind begehrt. Wer heute im Besitz eines dieser außergewöhnlichen Möbel ist, der darf sich glücklich schätzen. Die Sammlerstücke sind nicht leicht zu finden. Schnäppchen sind nur noch möglich, wenn kein namhafter Designer hinter den Entwürfen steckt.

Vintage-Möbel kaufen

Wer sich auskennt, kann durchaus noch auf dem Flohmarkt fündig werden. „Weil diese Möbel oder Accessoires grundsätzlich gebraucht sind, sollte man beim Kauf genau hinschauen“, rät der Experte. Riecht es im Schrank muffig? Kommt ein Polstermöbel aus einem Raucherhaushalt? Das kann die Freude an dem Stück beeinträchtigen. Wer eine Lampe kauft, sollte aus Sicherheitsgründen auf eine neue Verkabelung achten.
Stücke mit Geschichte liegen bei Einrichtung und Mode im Trend. FOTO: BRETZ
Stücke mit Geschichte liegen bei Einrichtung und Mode im Trend. FOTO: BRETZ
Da Vintage so beliebt ist, spülen immer mehr Möbel auf den Markt, die diesen Stil aufgreifen. Manche Stücke werden einfach neu aufgelegt. In dem Fall spricht man von Retro. „Echte Vintage-Möbel sind immer gebraucht und tragen Spuren. Retro-Möbel sind neu und auf alt getrimmt. Häufig stecken Billigproduzenten aus China oder Indien dahinter“, sagt Peter Althammer.

Einrichten im Vintage-Stil

Als Einzelstücke fügen sich Design-Klassiker sehr gut in ein zeitgenössisch eingerichtetes Wohnzimmer. Accessoires aus Buntglas oder Kupfer passen zum Beispiel gut zu Holz. Manchmal reichen schon kleine Accessoires, wie ein Kerzenleuchter oder eine Vase vom Flohmarkt, um den Hauch des Besonderen ins Wohnzimmer zu zaubern. Ein minimalistisch eingerichteter Raum kann mit einem alten Holzschrank als Blickfang an Atmosphäre gewinnen. Umgekehrt funktioniert das nicht so gut. „Beim Kombinieren ist grundsätzlich erlaubt, was gefällt“, sagt Peter Althammer. „Oft ist weniger jedoch mehr.“ Denn bereits bei zwei besonderen Stücken kann es passieren, dass sie sich gegenseitig die Schau stehlen.
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