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Wohnen & Gestalten

Berlins Einrichter Hauser stellt LadenBüro vor und gibt Tipps

Kleine Wohnungen müssen sich nicht klein anfühlen. Kreative Lösungen sorgen für Stauraum und ein großzügigeres Ambiente

Ein Hochbett lässt den Raum darunter frei, zum Beispiel für ein gemütliches Sofa. FOTO: ISTOCK/BUNPOHT BAIMIDEN

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„Wir haben kein Problem mit zu hohen Mieten, sondern ein Problem mit zu großen Wohnungen“, sagt Maurice Hauser. Solche Aussagen sind Zündstoff in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten, sozialer Verdrängung und akuter Wohnungsnot. Hauser will die derzeitige Wohnungskrise jedoch nicht relativieren. Ihm geht es vielmehr um ein Einstellungsproblem. Berliner, so meint er, seien verwöhnt. In der Nollendorfstraße etwa, in der der Inneneinrichter sein „LadenBüro“ hat, böten die Gründerzeitbauten Drei-Raum-Wohnungen mit mehr als 100 Quadratmetern Fläche. „Purer Luxus“, wie Hauser sagt. In anderen Ländern, vor allem in deren Metropolen, müssten die Menschen häufig mit der Hälfte auskommen, wenn überhaupt. Hauptstädter hingegen haben Bedenken gegen diese Entwicklung. Schließlich war massig Raum vor wenigen Jahren noch für viele von ihnen erschwinglich, fast schon „billig“.

Kleinere Neubauten

Doch auch das Gros der Berliner wird sich an kleinere Wohnungen gewöhnen müssen, gerade wenn es um den Bezug eines Neubaus geht. Allein von 2012 zu 2015 verzeichnete das Statistische Landesamt in Berlin einen Rückgang von durchschnittlich 13 Quadratmetern Fläche bei neu gebauten Wohnungen, auch wenn diese zuletzt im Schnitt noch 86 Quadratmeter maßen. Diese Zahl allerdings täuscht. Gerade im Innenstadtbereich wird Bauland immer wertvoller. Um überhaupt noch bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, fallen die Wohnungen dort im Vergleich zu den Randbezirken deutlich kleiner aus, zumindest im vergleichsweise günstigen Segment.

„Eine schöne Wohnung muss nicht teuer, aber gut durchdacht sein.“

Maurice Hauser, Inneneinrichter

Wer weniger Raum zur Verfügung hat, muss ihn besser nutzen. „Das Grundproblem besteht darin, dass die Menschen zu viel besitzen“, sagt Hauser, der seit 2012 selbstständig und seit 2017 in der Nollendorfstraße ansässig ist. Im ersten Schritt empfiehlt der Experte, ordentlich auszumisten. Das erinnert an Marie Kondo, deren Methode des reduzierten Lebens derzeit überall in der Welt Nachahmer findet. „Zudem sollte man beim Einrichten des Raumes darauf achten, die Höhe der einzelnen Räume voll auszunutzen.“ Entsprechende Möbelstücke würden auch die etablierten Händler und großen Möbelhäuser seit einigen Jahren anbieten. Ebenso wie praktische Stauraumlösungen, etwa Ober- und Unterschränke und mobile, teils verschließbare Boxen.

Darüber hinaus empfiehlt Hauser, Möbel an die räumlichen Gegebenheiten anzupassen. „Manchmal ist es besser, in ein maßgefertigtes Stück zu investieren, das sich in die Wohnung einfügt, statt eins zu nutzen, das viel Raum einnimmt, aber wenig Mehrwehrt bietet.“ Maßgefertigt hieße nicht automatisch teuer. „Oft reicht es auch schon, die vorhandenen Möbel umzubauen. Mit kleinen Details kann man selbst günstigen Möbelstücken schon individuellen Glanz verleihen.“

Werden Räume für mehrere Zwecke genutzt, ist es zudem wichtig, klare Trennlinien zu ziehen. Wer etwa Schlaf- und Arbeitszimmer in einem hat, findet womöglich angesichts des Schreibtischs, der dem Bett gegenüber platziert ist, keinen ruhigen Schlaf. „Zuklappen, Zuschieben oder Verstecken hilft“, so Hauser.
Das Multifunktionsmöbel vereint die Funktionen „Bett“ und „Kommode“. FOTO: ISTOCK/PAUL CAMPBELL
Das Multifunktionsmöbel vereint die Funktionen „Bett“ und „Kommode“. FOTO: ISTOCK/PAUL CAMPBELL
In seinem „LadenBüro“ experimentiert der Experte mit verschiedenen Tricks und Kniffen, mit deren Hilfe auch kleine Wohnungen groß wirken. „Wer etwa einen schmalen Raum hat, sollte die Stirnwand dunkel streichen, das lässt ihn breiter erscheinen“, sagt Hauser. „Bodentiefe Vorhänge lassen Räume zudem größer wirken“, verrät der Experte.

Hauser hat die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen beim Einrichten ihrer Wohnung überfordert sind. „Nur die wenigsten holen sich Hilfe“, sagt er. Sein „LadenBüro“ ist eigentlich seine Experimentierfläche mit großem Lager. Manchmal stellt er die Flächen auch Kunden zur Verfügung. „Gerade am Anfang ist es einigen Klienten lieber, sich an einem neutralen Ort zu treffen statt in den eigenen vier Wänden.“

Verschiedene Lösungen

Maurice Hauser betont, dass Inneneinrichter wie er nicht in Tine-Wittler-Manier über Wohnungen herfallen, sondern der „Einsatz in 4 Wänden“ vielmehr vorsieht, Lösungen gemeinsam zu erarbeiten. „Manchmal helfe ich nur beim Arrangieren der Möbel. Wer mag, kann aber auch das Komplettpaket bekommen.“ Das beinhaltet etwa ein Farbkonzept, das Anpassen beziehungsweise Organisieren neuer Möbel sowie die Dekoration.

„Häufig ist es schwierig, die Menschen von ihren fertigen Vorstellungen zu befreien“, sagt Hauser und prangert damit auch die Instagram-Kultur an. Auf der sozialen Plattform werden meist nur luxuriöse Häuser und deren Einrichtungen zelebriert, was nicht der Lebensrealität des Otto Normalverbrauchers entspricht. „Dabei sind Großzügigkeit und Gemütlichkeit keine Frage der Größe, sondern der Einrichtung“, sagt Hauser. „Eine schöne Wohnung muss nicht teuer, aber gut durchdacht sein.“
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