Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: deGUT Berlin 2019

Wissen und Erfahrungen aus erster Hand

Auf der 35. deGUT können Interessierte wieder hinter erfolgreiche Gründergeschichten und Start-ups blicken – und sich zum Thema Selbständigkeit inspirieren lassen

Informieren und Netzwerken: Im Rahmen der diesjährigen deGUT präsentieren sich rund 130 Aussteller und Berater in der Arena. FOTO: SVEA PIETSCHMANN

Judith Jenner 

Den richtigen Arzt für eine bezahlbare Behandlung zu finden und dann auch noch einen Termin bei ihm zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Sophie Chung möchte das ändern. Die aus Österreich stammende Ärztin mit kambodschanischen Wurzeln sammelte Erfahrungen in australischen Kliniken, als Strategieberaterin in der Healthcare Practice bei McKinsey & Company in Deutschland ebenso wie beim New Yorker Start-up Zocdoc, bevor sie sich 2016 mit der Internetplattform Qunomedical selbstständig machte.

Qunomedical gibt Patienten weltweit Zugang zu erschwinglichen Behandlungen und kurzen Wartezeiten bei Spitzenmedizinern. Aktuell vermittelt die Plattform Patienten an permanent geprüfte Ärzte und Krankenhäuser in 25 verschiedenen Ländern, sei es für Behandlungen der Reproduktionsmedizin, Zahnersatz, alternative Therapieansätze, Augenoperationen oder Reha-Aufenthalte.
Sophie Chung hält heute ihre Keynote auf der deGUT. FOTO: QUNOMEDICAL
Sophie Chung hält heute ihre Keynote auf der deGUT. FOTO: QUNOMEDICAL
Wie sich Sophie Chung im umkämpften Digital-Health-Sektor durchsetzt, mit welchen Widerständen sie zu kämpfen hatte und wie sie sie überwand, darüber wird sie bei den deutschen Gründer- und Unternehmenstagen, kurz deGut, sprechen.

Ihre Keynote am heutigen Freitag, 18. Oktober um 14 Uhr ist aber nur einer von zahlreichen inspirierenden Programmpunkten der Messe für Existenzgründer, die heute und morgen in der Arena Berlin von der Investitionsbank Berlin (IBB) und der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) veranstaltet wird.

Im Messebereich präsentieren sich etwa 130 Aussteller und Berater. Besucher können sich im Beraterforum individuellen Rat für das eigene Gründungsvorhaben holen, zum Beispiel für den Start in die Selbständigkeit oder den eigenen Businessplan.
  
Vom Breakdancer zum Unternehmer: Vartan Bassil. FOTO: FLYING STEPS
Vom Breakdancer zum Unternehmer: Vartan Bassil. FOTO: FLYING STEPS
Speeddating für Gründer und potenzielle Geldgeber

Begleitet wird die Messe durch ein umfassendes Seminar- und Workshopprogramm. Darin bekommen die Teilnehmer zum Beispiel Informationen aus erster Hand zu Themen wie Marktanalyse und Marketing, die Entwicklung tragfähiger Geschäftsmodelle oder den Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens. Gemeinsam mit anderen Teilnehmern kann das theoretische Wissen in den Workshops sofort angewendet werden.

Dass es nicht immer eine Neugründung sein muss, die den Start in die Selbständigkeit ermöglicht, zeigen die Programmbeiträge zum Thema Nachfolge. „Viele Unternehmer suchen jemanden, der ihr Lebenswerk übernimmt und weiterführt“, weiß Nadine Matthias, Programmverantwortliche der deGut.

In verschiedenen Vorträgen zeigen Referenten auf, wie Nachfolgebörsen funktionieren, in denen übernahmewillige Gründer und Unternehmer auf der Suche nach einem Nachfolger zusammenfinden. Referenten geben Tipps zu Kaufpreisverhandlungen und wie der Wert eines bestehenden Unternehmens richtig kalkuliert wird. Sie sprechen über die Möglichkeiten einer Finanzierung, aber auch über die Risiken, die mit einer Nachfolge verbunden sind. In einem Seminar pitchen Nachfolgekandidaten vor einer Fachjury und dem Publikum und erhalten ein vielseitiges Feedback.
  
Repräsentanten auf der deGUT: Die Gründerinnen des Himbeer Verlags. FOTO: CLAUDIA CASAGRANDE
Repräsentanten auf der deGUT: Die Gründerinnen des Himbeer Verlags. FOTO: CLAUDIA CASAGRANDE
Neben Vorträgen mit zahlreichen Tipps zu Steuern, Versicherungen, Gewinnmaximierung und Work-Life-Balance möchte die deGut aber auch inspirieren, zum Beispiel durch Vorträge und Seminare mit erfolgreichen Gründern. Rin Vorbild können Vartan Bassil und Timm Zolpys von den Flying Steps sein. Von der Straße tanzten sich die Breakdancer hinauf auf die Bühnen des Kunst- und Kulturbetriebs und begeisterten mit „Flying Bach“, „Flying Illusion“ und „Flying Pictures“ bereits Millionen Zuschauer. Aber auch Delia und Patrick Großmann von die Espressonisten sowie Anja Ihlenfeld, Esther Bauer und Claudia Steigleder, Gründerinnen des Himbeer Verlags, berichten aus ihrer unternehmerischen Praxis und geben persönliche Tipps. Die Sieger des KfW-Awards Gründen präsentieren ihre Unternehmen ebenfalls auf der deGut als Best-Practice-Beispiele.

Dass nicht jede Gründungsidee zum Erfolg führt, soll auf der deGut nicht verschwiegen werden. In dem Seminar „Gescheiter[t] – Von Misserfolgen lernen“ sprechen Unternehmerinnen und Unternehmer über gescheiterte Projekte und was sie daraus gelernt haben.

Überzeugungsarbeit leisten Gründer beim Speed Dating mit sogenannten Business Angels. Auf der Suche nach Unterstützern ihres Gründungsvorhabens dürfen sie Mitgliedern des Business Angels Club Berlin-Brandenburg e. V. und dem Messepublikum ihr Gründungsvorhaben vorstellen. Wer überzeugt, erhält ein Coaching der ehrenamtlichen Mentoren zur Weiterentwicklung seines Unternehmens.
  

Deutsche Gründer- und Unternehmertage deGUT

Wann: 18. und 19. Oktober 2019 10.00 bis 18.00 Uhr
Wo: Arena Berlin (Treptow) Eichenstr. 4, 12435 Berlin
Eintritt: Tagesticket 20 Euro, Zwei-Tagesticket 30 Euro
Weitere Infos unter: www.degut.de

„Man muss so flexibel sein, seine Idee auch zu hinterfragen“

Auf der deGUT wird auch der Bundessieger des KfW-Gründerpreises ausgezeichnet. Ein Gespräch mit dem Landessieger Berlin über die Vision von sauberem Trinkwasser
Anwärter auf den Bundessieg beim KfW-Gründerpreis: Hamed Beheshti und Ali Al-Hakim (r.) von „Boreal Light“. FOTO: THORSTEN FUTH / THORSTEN FUTH
Anwärter auf den Bundessieg beim KfW-Gründerpreis: Hamed Beheshti und Ali Al-Hakim (r.) von „Boreal Light“. FOTO: THORSTEN FUTH / THORSTEN FUTH
Judith Jenner

2014 gründete Ali Al-Hakim mit seinem Geschäftspartner Hamed Beheshti die Boreal Light GmbH. Mit den selbstentwickelten solarbetriebenen Wasserentsalzungsanlagen möchten die Gründer den ärmsten Menschen der Welt kostengünstig Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen.

Berliner Morgenpost: Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung als Landessieger Berlin im Unternehmenswettbewerb KfW Award Gründen 2019! Was hat die Jury Ihrer Meinung nach überzeugt?

Ali Al-Hakim: Wir haben uns bereits zum vierten Mal beworben und in diesem Jahr hat es endlich geklappt. Ausschlaggebend dafür war wahrscheinlich, dass sich unser Produkt inzwischen am Markt bewährt hat und dass wir auch an Mitarbeitern gewachsen sind. In Deutschland haben wir jetzt sieben, in Afrika mehr als 15 Angestellte.

Wie kamen Sie darauf, Boreal Light zu gründen?

Ich habe an der tu Berlin Maschinenbau studiert und 2012 abgeschlossen. Anschließend war ich als Abteilungsleiter und Produktmanager fünf Jahre lang für ein Medizintechnik-Unternehmen tätig, um erst einmal Erfahrungen zu sammeln. Nebenbei habe ich mich mit der Entwicklung von Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien selbstständig gemacht. Als erstes habe ich eine Windturbine entwickelt, dann aber schnell gesehen, dass überall, wo man Strom braucht, in der Regel auch Wasser benötigt wird. Strom kann man leicht mit Solarpanels herstellen. Deutschlandweit gibt es aber keine Firma, die Wasser mit Solarkraft entsalzen kann und das auch noch so günstig, dass es sich die Menschen in Afrika leisten können. Wenn man ein paar Mal in Afrika gewesen ist und sieht, wie sie dort unter der Wasserknappheit leiden, liegt es Nahe, so etwas zu entwickeln.

"Wir wollen bis 2022 mehr als eine halbe Million menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen"

Ali Al-Hakim, Gründer von Boreal Light

Was zeichnet Ihre Produkte aus?

Wir wollten etwas produzieren, was sehr einfach und wartungsarm ist, damit es auch von den Leuten vor Ort repariert werden kann. Die meisten Entsalzungsanlagen, die mit Solarkraft funktionieren, sind deshalb so teuer, weil sie einen Gleichstrommotor eingebaut haben. Wir wollten eine Lösung finden, wie wir unsere Anlagen mit dreiphasigen Wechselstrommotoren betreiben können, am besten batteriefrei. Dafür haben wir eine Lösung entwickelt, die wir bereits zum Patent angemeldet haben. Unsere Anlagen funktionieren sogar bei regen oder bewölktem himmel. Die Pumpen arbeiten dann langsamer, aber immer noch zuverlässig. Darüber hinaus laufen die Maschinen auch mit Strom aus der Steckdose.

Ist Ihr Produkt nur für Regionen geeignet, die sich am Meer befinden?

Überhaupt nicht. In Nairobi betreiben wir eine Station, die 800 Kilometer von der Küste entfernt liegt und in der das Brunnenwasser immer noch salzhaltig ist. Unsere Maschinen können aber nicht nur Salz, sondern auch Kalk, Nitrat oder sogar Cholera-Erreger aus dem Wasser filtern. Wir machen immer vor Ort eine Wasseranalyse, damit wir wissen, wie sie genau beschaffen sein muss.

Wer sind Ihre Partner?

Mit Unterstützung der Außenhandelskammer haben wir in Kenia selbst eine Firma gegründet und Leute vor Ort geschult. Ende September zum Beispiel haben wir in Nord-Kenia eine Anlage eröffnet, die pro Tag 30.000 Liter Wasser entsalzt. Sie wurde in Deutschland gebaut, dann verschifft und durch unsere Mitarbeiter vor Ort in Betrieb genommen. In anderen Ländern sind unsere Kunden NGOs, Schulen oder gewerbliche Einrichtungen wie Hotels oder Unternehmen. Wir haben aber auch festgestellt, dass viele Orte Wasser benötigen, sich die Anlage aber nicht leisten können.

Deshalb entwickelten wir den WaterKiosk, der für 50 Cent 1000 Liter sauberes Wasser produziert. Damit liegt der Preis bei einem Viertel, in abgelegenen Siedlungen sogar bei einem Zehntel des üblichen Marktpreises. Wir finanzieren die Anlage vor, verschicken sie dann nach Afrika und vertreiben das Wasser für einen deutlich günstigeren Preis als große Unternehmen.

Wie haben Sie Ihr Start-up finanziert?

Wir mussten unsere Forschung und Entwicklung komplett selbst finanzieren. Weil die Banken keine Erfahrung mit Wasseraufbereitung für Afrika haben, bekamen wir keinen Kredit. Über Crowdfunding haben wir dann 127.000 Euro für die Installation der ersten beiden Anlagen zusammenbekommen. Erst dann gab es Folgeaufträge und die Banken haben uns Kredite gewährt.

Welche Tipps geben Sie anderen jungen Gründern?

Man braucht einen langen Atem und muss so flexibel sein, seine idee auch zu hinterfragen. Neben technischem Verständnis ist auch ökonomisches Wissen gefragt. Am wichtigsten ist es aber, sich wirklich zu trauen, eigene Ideen umzusetzen – und sie dann schnell zum Patent anzumelden. Mir hat es außerdem geholfen, dass ich Anfangs noch mit einer Festanstellung ein zweites Standbein hatte. Denn es dauert, bis man sich sein erstes Gehalt auszahlen kann.

Welche Pläne haben Sie, wenn Sie als Bundessieger aus dem Unternehmenswettbewerb KfW Award Gründen 2019 hervorgehen?

Wir haben uns 2018, als wir auf den Markt gegangen sind, vorgenommen, dass wir bis ende 2022 mehr als eine halbe Million Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen. Bisher sind es 50.000. Wenn wir unser Unternehmen jetzt weiter vergrößern können, ist es realistisch, dieses Ziel zu erreichen.
Weitere Artikel