Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: deGUT Berlin 2019

Professor Jan Kratzer an der TU Berlin zu Auslandserfahrung

Mindestens genauso wichtig seien Schlüsselkompetenzen wie Marketingwissen, Innovationsmanagement und interkulturelles Verständnis, meint Jan Kratzer von der Technischen Universität

Die Start-up-Szene in Deutschland ist international, ein Studienaufenthalt im Ausland gilt deshalb häufig als obligatorisch. FOTO: SKYNESHER / ISTOCK

Max Müller 

Ein betriebswirtschaftlicher Background ist auf den Führungsebenen erfolgreicher deutscher Start-ups besonders beliebt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Berlin School of Business and Innovation (BSBI), die die Studiengänge und -orte von insgesamt 112 Topmanagern und Unternehmern untersucht hat. Rund 60 Prozent der Befragten haben demnach einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre (BWL), Business Administration oder auch Fächern wie Computer Sciences oder Economics. Was auffällt: 75 Prozent der Befragten gaben an, während des Studiums Auslandserfahrung gesammelt zu haben. Es scheint, als wäre die Kombination aus betriebswirtschaftlichem Studium und Auslandserfahrung der Schlüssel, um erfolgreich in der Start-up-Szene durchzustarten, sei es in bestehenden Unternehmen oder auch bei einer Neugründung.

BWL allein macht noch lange keinen erfolgreichen Gründer Image 1
"Unsere Studenten sind verpflichtet, ein Auslandssemester einzulegen. An Partnerinstitutionen ist es sogar möglich, einen Doppelabschluss zu machen."

Jan Kratzer, Professor vom Centre for Entrepreneurship an der TU Berlin

Dem kann Professor Jan Kratzer vom Centre for Entrepreneurship (CfE) der Technischen Universität (TU) Berlin nur bedingt zustimmen. „Ich halte ein BWL-Studium im Bachelor für sinnvoll, etwa wenn im Anschluss ein Trainee-Programm bei einer Unternehmensberatung oder mit einem Master in Volkswirtschaftslehre eine Karriere im Bankenwesen angestrebt wird“, sagt der studierte Soziologe, der das Fachgebiet für Entrepreneurship und Innovationsmanagement an der TU Berlin leitet. „Anders sieht es da im Master aus, da entpuppt sich BWL oft als ein breitgefächertes Fach, dem entscheidende Merkmale fehlen, um angehenden Gründern zu helfen, sich später mit ihren Ideen erfolgreich am Markt zu etablieren“. Dazu gehören etwa Marketingwissen, aber auch ein ausgeprägtes Innovationsmanagement. Beides, so der Experte, seien Schlüsselkompetenzen, um sich am nicht nur in der deutschen Hauptstadt hart umkämpften Start-up-Markt durchzusetzen.

Interkulturelle Kompetenz ist sehr wichtig für junge Gründer

Dieses Wissen will Kratzer im Master-Studiengang „Innovation Management Entrepreneurship and Sustainability“ vermitteln, der zum CfE gehört und Gründern das nötige Rüstzeug für die Start-up-Welt vermitteln will. Das Konzept kommt an: Das Studienangebot ist eines der beliebtesten an der TU Berlin.

Kratzer glaubt, dass allgemeinbildende BWL-Master nicht zukunftsfähig sind. Für umso wichtiger hält er die zweite Erkenntnis der eingangs angeführten Studienergebnisse: Auslanderfahrung. Die bekommen seine Studierenden bereits während der Ausbildung. Ins Ausland zu gehen, ist dabei nicht nur Angebot, sondern obligatorischer Bestandteil des Curriculums. „Unsere Studenten sind verpflichtet, ein Auslandssemester einzulegen. An Partnerinstitutionen ist es für engagierte Studierende sogar möglich, einen Doppelabschluss zu machen. Doch auch wer es ruhiger angehen mag, bekommt etwas Wichtiges vermittelt: interkulturelle Kompetenz“, so Kratzer. In Zeiten immer stärker werdender Internationalisierung, auch und gerade im Gründer- und Start-up-Bereich, sei es unumgänglich, sich mit den Gewohnheiten und Gepflogenheiten anderer Kulturen auseinanderzusetzen – schließlich beschäftigen auch die meisten deutschen Start-ups mittlerweile Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Ländern.

Akademiker aus 82 Nationen bewerben sich für das Studium

Die Internationalisierung hat auch vor dem Studieren selbst nicht Halt gemacht, auf dem vom CfE angebotenen Master bewarben sich 2015 Akademiker aus 82 Ländern. „Zu uns kommen Absolventen, die einen Bachelor in Informatik oder Ingenieurwissenschaften haben. Für diese Berufsgruppen war früher schnell das Ende der Karriereleiter erreicht. Heute sieht das anders aus, auch weil sich die Absolventen entsprechendes Wissen in der Unternehmensgründung angeeignet haben“, so Kratzer. Das wird sich seiner Meinung nach auch bald auf die Führungsetagen der Unternehmen auswirken. Dann dürfte sich auch die Dominanz der betriebswirtschaftlichen Backgrounds ändern, zugunsten anderer wichtiger Kompetenzen.

Hilfestellung

Berlin: Die Hauptstadt wurde 2018 von Nordrhein-Westfalen vom Gründerthron gestoßen. Vielleicht hilft bei der Titel-Rückgewinnung der Start-up-Lotse, den die Gesellschaft Deutsche Start-ups zusammengestellt hat: deutschestartups.de/startup-lotse-berlin/

Tipps: Der Lotse enthält hinweise zu Förderungen, Netzwerken, Inkubatoren, Business Angels, Events und Risikokapitalgebern.

Arbeitsplätze: Die Start-ups beschäftigten 2018 durchschnittlich 12,3 Mitarbeiter und hatten für das laufende Jahr durchschnittlich 6,5 Neueinstellungen geplant, geht aus dem aktuellsten Deutschen Start-up-Monitor hervor. Mehr fakten gibt es im internet unter deutscherstartupmonitor.de
Weitere Artikel