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Berlins Top 200

Noch an der Spitze

Berlin bleibt deutsche Start-up-Hauptstadt. Europaweit wird sie nur von London getoppt. Aber: Andere Regionen holen auf

ISTOCK/MPFPHOTOGRAPHY, RAUFELD

Deutschland ist im Gründerboom. Landauf, landab bekommen Unternehmen mehr Risikokapital, im Vergleich zu 2016 stieg der Gesamtwert der Investitionen 2017 um 88 Prozent. Kenner der Szene werten als besonders positiv, dass Investoren vermehrt aus dem Ausland kommen. Berlin ist dabei für Experten der unangefochtene Hotspot der deutschen Start-up-Landschaft. Erst im März eröffnete der High-Tech Gründerfonds ein Büro in Berlin – um endlich im Epizentrum der deutschen Startup-Szene präsent zu sein.

Nicht nur die Zahl der Gründungen ist hier höher als anderswo. Laut dem aktuellen „Startup-Barometer“ der Beratungsgesellschaft Ernst & Young gingen 69 Prozent des in Deutschland investierten Kapitals an Berliner Start-ups, knapp drei von fast 4,3 Milliarden Euro. Betrachtet man die Zahl der Unternehmen, die 2017 Risikokapital einsammeln konnten, sitzen 44 Prozent an der Spree. Ein Grund für diese Differenz ist, dass in der Hauptstadt vor allem sehr hohe Summen ausgegeben wurden. Ferner kann Berlin auf Internationalität bauen: Eine Untersuchung des Bundesverbandes Deutsche Start-ups ergab, dass mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter aus dem Ausland kommen. Deutschlandweit sind es nur 27 Prozent.

Selbst relativ bedeutende Start-up-Ökosysteme wie München oder Hamburg können „Berlin nicht das Wasser reichen“, sagt Sascha Schubert, einer der Vorsitzenden des Bundesverbandes Deutsche Start-ups. Aber: Andere holen auf. Schubert zufolge vor allem Köln, Karlsruhe und Städte im Südwesten Deutschlands. Frankfurt am Main entwickelt sich gut, außerdem Leipzig. Gemessen an den Kapitalzuflüssen konnten Baden-Württemberg, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen stark zulegen. Laut Schubert verläuft diese Entwicklung zudem schneller als in Berlin. „Auf einer Skala von eins bis zehn bleibt Berlin bei sieben, die anderen sind währenddessen von null auf drei aufgestiegen.“ Gründer würden anderswo mehr Unterstützung von der Politik erfahren. „Das sehe ich als Gefahr für die Zukunft des Standortes Berlin.“

Kapital kennt schließlich keine Grenzen, Berlin muss sich auch international messen. Und da steht Deutschland europaweit nur auf Platz zwei hinter Großbritannien. Dort erhielten Gründer 2017 fast doppelt so viel Wagniskapital wie in Deutschland. Auf Platz drei rangiert Frankreich. Weltweit liegen die USA und Israel vorne. In die USA floss im vergangenen Jahr mehr als sechs Mal so viel Wagniskapital wie nach Deutschland. Israel führt laut Schubert bei den Investitionen pro Kopf.

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