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Die Gebäude-Kümmerer

Das Reinigen, Warten und Bewachen ist zum einträglichen Geschäf geworden. Vor allem in Berlin wächst die Branche

Für die Pflege von Bauwerken wie der Gedächtniskirche braucht man Spezialisten wie hier Dussmann Service und Kärcher. DUSSMANN GROUP/KAY HERSCHELMANN

Böden reinigen, Staub wischen, Klos putzen – wenn in den Büros der Hauptstadt die Lichter ausgehen, rücken die Putzkolonnen an. Gebäudereinigung ist die am stärksten nachgefragte der verschiedenen Gebäudedienstleistungen. Doch Facility-Management, wie der komplette Service am Gebäude zeitgemäß genannt wird, geht inzwischen weit über Reinigung, Winterdienst, Hausmeisterservice, Gartenpflege oder technische Wartung hinaus. Es beinhaltet die Bewirtschaftung und Verwaltung von Gebäuden mit allen Einrichtungen und Anlagen zum Zweck der Funktionsfähigkeit, der Werterhaltung oder Wertsteigerung. Dabei geht es um Wohn- wie um Bürohäuser, um Sportarenen wie um Theater, um Krankenhäuser wie um Einkaufszentren. An zahlreichen Hochschulen ist Facility-Management mittlerweile ein eigener Studiengang.

Schwergewichte an der Spree

Berlin hat sich wohl zum wichtigsten Standort für Objektbetreuung in Deutschland entwickelt. Schwergewichte der Branche, die bundesweit zu den Top Ten zählen, haben an der Spree ihren Hauptsitz – wie Dussmann und Gegenbauer – oder sind wie Wisag und Piepenbrock mit Niederlassungen vertreten. „In Berlin und Brandenburg beschäftigt die Dussmann Group in allen Geschäftsbereichen – Facility-Management mit Dussmann Service, Pflege und Betreuung von Senioren mit Kursana und Handel mit Dussmann das Kulturkaufhaus – 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erläutert Michaela Mehls, Pressesprecherin der Dussmann Group. Zum Facility- Service gehören bei Dussmann auch Betriebsgastronomie und Catering. „Aktuell besonders nachgefragt sind Gebäudetechnik, Gebäudereinigungs- und Sicherheitsleistungen“, sagt Mehls. Apropos Sicherheit: Der weltgrößte Sicherheitsdienstleister Securitas gehört mit rund 6100 Beschäftigten in Berlin zu den 20 größten Arbeitgebern der Hauptstadt.

Allein die großen Player bewirtschaften in der Hauptstadt einige Tausend Objekte. Rund 2000 sind es etwa bei der Wisag, die in der Region 22 Niederlassungen betreibt und mit rund 4500 Mitarbeitern 2016 einen Umsatz von 202 Millionen Euro erzielte. Zu ihren Referenzobjekten gehören der ehemalige Flughafen Tempelhof, das Kriminalgericht Moabit, das Hilton am Gendarmenmarkt und das Willy-Brandt-Haus. „Da Kunden je nach Branche ganz unterschiedliche Anforderungen an die Bewirtschaftung ihrer Immobilie stellen, bietet die Wisag spezialisierte Dienstleistungs- und Servicepakete an. So zum Beispiel für das Gesundheits- und Sozialwesen, für Hotels, Logistik, Retail-Service, Shoppingcenter und die Wohnungswirtschaft“, erklärt Tamara Schreiber, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Wisag, die ihre Dienstleistungen zu über 90 Prozent mit eigenen Mitarbeitern erbringt.

Gegenbauer, das in der Hauptstadtregion etwa 5200 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von 210 Millionen Euro erwirtschaftet, betreut neben dem Velodrom oder dem Unfallkrankenhaus Marzahn auch 38 Berliner Kultureinrichtungen wie etwa das Deutsche Technikmuseum und die Schaubühne.

Digital und nachhaltig

„Es gibt bei unseren Auftraggebern ein steigendes Qualitätsbewusstsein und den Wunsch nach ganzheitlichen Immobilienleistungen mit möglichst wenig Schnittstellen – alle Dienstleistungen aus einer Hand“, erläutert Gunther Thiele, Leiter Marketing und Kommunikation bei Gegenbauer. Zudem würden die Anforderungen an IT-gestützte Prozesse, insbesondere zur Dokumentation der erbrachten Leistungen, immer höher. Der Umweltaspekt gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Nachhaltigkeit wird in der Branche immer mehr zum Thema. „Ziel ist es, bis 2020 überwiegend ökologische Verfahren und Produkte einzusetzen und in unseren Märkten Vorreiter für den Umweltschutz zu sein“, betont Tamara Schreiber. Das gilt für die Dienstleister auch in Sachen Digitalisierung. „Ein Beispiel sind intelligente Bezahlsysteme im Catering“, sagt Dussmann-Sprecherin Mehls.

Über Geld spricht man nicht …

Neue Statistiken geben Aufschluss über das Tabuthema. Warum es sich in Berlin vergleichsweise gut lebt und welche Berufsgruppe Spitzengehälter einstreicht

Simone Jacobius 

Früher wurde Berlin als Armenhaus der deutschen Großstädte wahrgenommen, arm aber sexy, wie schon der Ex-Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit kundtat. Aktuelle Fakten zeigen aber kein so schlechtes Bild.

Wenn der Bundesdurchschnittsverdienst 100 Prozent beträgt, liegt Berlin mit 93,6 Prozent knapp darunter. In anderen Bundesländern ist die Diskrepanz größer: Mit nur 73,5 Prozent bildet Mecklenburg-Vorpommern das Schlusslicht. Insgesamt steht der Osten Deutschlands sehr viel schlechter da als der Westen. „Das liegt auch daran, dass in den neuen Bundesländern vor allem kleine bis mittelgroße Unternehmen ihren Sitz haben. Dax-Unternehmen – und damit finanzstarke Firmen – sind ausschließlich in den alten Bundesländern vertreten“, sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer des Vergleichsportals Gehalt.de. 750.848 Beschäftigte wurden zu ihrem Gehalt und variablen Bestandteilen wie Provisionen, Tantiemen oder Boni befragt. Ergebnis: Das Bundesland mit dem höchsten Lohnniveau ist Hessen (112,7 Prozent). Berufseinsteiger verdienen dagegen in Stuttgart am besten.

„Wenn der Bundesdurchschnittsverdienst 100 Prozent beträgt, liegt Berlin mit 93,6 Prozent knapp darunter“

Gehaltsatlas 2018

Auch beim Vergleich der Landeshauptstädte hat Stuttgart die Nase vorn (127,6 Prozent). Auf dem letzten Platz landet Schwerin (76,1 Prozent). Andere Hauptstädte der neuen Bundesländer liegen ebenfalls hinten, Potsdam erreicht 80,6 Prozent. Eine Ausnahme bildet Berlin, mit seinen 93,6 Prozent liegt es im Mittelfeld.

An der Spitze der Berliner Gehaltsskala stehen laut aktuellen Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit mit durchschnittlich 5382 Euro brutto pro Monat Human- und Zahnmediziner. Eher überraschend: Ihnen dicht auf den Fersen sind Musiker und Dirigenten (5368 Euro monatlich). Auch Pharmazeuten und Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung halten mit.

Am Ende der Tabelle rangieren nach wie vor die Beschäftigten im Bereich Körperpflege (1466 Euro/Monat), Verkäufer in der Lebensmittelbranche (1636 Euro/Monat), und Mitarbeiter in der Gastronomie (1708 Euro/Monat). „Beschäftigte aus Gastronomie und Pflege erhalten in der gesamten Bundesrepublik ein verhältnismäßig geringes Einkommen. Allerdings dürfen sich Gastronomiemitarbeiter in sehr touristischen Regionen meist über ein höheres Trinkgeld freuen“, meint Nina Schnoor, Junior-PR-Managerin bei Gehalt.de.

Bei so vielen Vergleichszahlen stellt sich die Frage, ob Geld überall den gleichen Wert hat. Dazu hat Financescout24 Lebenshaltungskosten im Städtevergleich untersucht. Wer in Berlin 50.000 Euro im Jahr verdient, bräuchte in Hamburg 56.151 Euro, um den Lebensstandard zu halten. Die wichtigsten Preistreiber sind Lebensmittel (zehn Prozent teurer), Miete (13 Prozent), Transport (27 Prozent) und Sport/Freizeit (vier Prozent). Am meisten bekommt man für sein Geld in Bremerhaven. Die Hafenstadt ist ganze 22,6 Prozent preiswerter als der Durchschnitt.

Gehalt.de
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