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Berlins Top 200

Kaiser’s verschwindet. Die Arbeitsplätze bleiben

Umstrukturierung im Einzelhandel: Die Mitarbeiter der Supermarktkette wechseln zu Edeka und Rewe 

Bio Company GmbH
Nach der Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka und Rewe präsentieren sich fast alle Berliner Märkte in neuem Gewand. Mal eben noch schnell zu Kaiser’s rüber, um ein Päckchen Butter zu kaufen – wer dieses Ansinnen hegt, muss sich beeilen. Nicht, dass Butter plötzlich knapp geworden wäre. Es gibt schlichtweg bald keine Kaiser’s-Filialen mehr. Bis Ende Mai sollen alle Kaiser’s-Märkte in Edeka umfirmiert sein. All die Geschäfte, die von Rewe übernommen wurden, tragen bereits das neue Logo: rot-weiß ist es auch, die lachende Kaffeekanne indes fehlt.

Es war ein unschönes Hin und Her, und es zog sich über Jahre: Im Oktober 2014 kündigte Karl-Evian Haub an, seine defizitäre Lebensmittelkette Kaiser’s Tengelmann an den Marktführer Edeka zu verkaufen. Das Bundeskartellamt untersagte die Übernahme, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erteilte aber eine Ministererlaubnis. Dagegen klagte wiederum Konkurrent Rewe. Es drohte die Zerschlagung von Kaiser’s, 8000 Mitarbeiter fürchteten um ihre Jobs. Also ging der Tanz weiter, mit Altkanzler Gerhard Schröder kam ein Schlichter an Bord. Schließlich kam es zu einer Einigung: Edeka durfte die Kaiser’s Geschäfte übernehmen, unter der Bedingung, einen Teil davon an Rewe abzugeben und allen Beschäftigten eine Jobgarantie zu geben. Das war Ende letzten Jahres.
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Mittlerweile sind die Umbauarbeiten fast abgeschlossen, sichtbar für jeden Konsumenten. An den Fassaden wurden die Logos ausgetauscht, drinnen in den Märkten werden Kaiser’s-Artikel abverkauft, neue Produkte in die Regale geräumt. Die Mitarbeiter müssen sich neue Kassensysteme aneignen, neue Artikel kennenlernen, sich mit der ab jetzt gültigen IT und Infrastruktur vertraut machen, sich ihre neuen Kittel überstreifen – und verinnerlichen, dass sie die Kunden ab sofort nach ihrer Payback-Karte fragen müssen. Letzteres gilt zumindest für die auf Rewe umgerüsteten Läden. Ob die Mitarbeiter diesen schnellen Wandel gut finden, interessiert in den Firmenzentralen kaum jemanden. Aber immerhin bemühen sich die Chefs darum, ihre Angestellten bei der Umorientierung zu unterstützen. So genannte „Integrationshelfer“ begleiten den Übergang in die „Rewe-Welt“, eine Welt, die moderner anmutet als die der Kaiser’s Filialen. Eine dickbauchige Kanne ist nicht mehr zeitgemäß.

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Bis Ende Mai will Edeka die letzten Kaiser’s- Märkte mit seinem Logo versehen haben. Konkurrent Rewe hat seinen 60 übernommenen Kaiser’s-Filialen bereits ein neues Outfit verpasst. Für die Mitarbeiter gibt es auch abseits der fünfjährigen Beschäftigungsgarantie keinen Grund zur Sorge, denn insgesamt steht der Lebensmittelhandel noch besser da, als der sonstige Einzelhandel PA/ULRICH BAUMGARTEN; PA/KAI-UWE HEINRICH; PA ROBERT SCHLESINGER; PA/PAUL ZINKEN 
Rund 121 Kaiser’s Geschäfte mit 5300 Mitarbeitern gab es zuletzt in Berlin. 61 Filialen gingen an Edeka. Der Handelsriese beschäftigte Ende 2016 laut der „Top 200“ Liste der Berliner Morgenpost mit allen Tochterunternehmen 5900 Menschen in der Stadt. 60 Filialen gingen an den Rivalen Rewe, der vor der Übernahme rund 5000 Mitarbeiter in Berlin hatte. Im laufenden Jahr werden die beiden im Arbeitgeber-Ranking daher nach oben rücken.

Natürlich ist der eine oder andere ehemalige Kaiser’s-Mitarbeiter wehmütig. Aber im Grunde hat niemand ernsthaften Grund zur Sorge. Zumindest fünf Jahre lang ist für sie die Weiterbeschäftigung sicher. So lange gilt die ausgehandelte Beschäftigungsgarantie. Was danach kommt, ist allerdings nicht sicher. Und zwar in jeder Hinsicht.

Fakt ist, dass der Lebensmitteleinzelhandel besser dasteht als der Einzelhandel in Gänze. Das liegt vor allem daran, dass die Kunden zwar massenhaft Bücher, Kleidung oder Spielzeug im Netz bestellen, aber kaum Nahrungsmittel. „Der Online-Handel ist in diesem Segment noch nicht der große Konkurrent zum stationären Handel“, sagt Günter Päts, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin Brandenburg. Aber: Der Verdrängungswettbewerb werde immer härter. Erstens holen die Versender auf. Erste Anzeichen, unter anderem das Vordringen von Amazon Prime, sprechen dafür.

Zweitens machen sich die neu geschaffenen Märkte von nun an untereinander Konkurrenz. Plötzlich finden sich mehrere Rewe- oder Edeka-Märkte auf wenigen Quadratkilometern. Hinzu kommen die Discount-Töchter der beiden, Netto (Edeka) und Penny (Rewe). Sie verdichten das, was man zumindest als Quasi-Monopolstellung beschreiben könnte. Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, dass die Konzerne prüfen werden, „ob möglicherweise zu viele Läden in unmittelbarer Nähe sind und ob der eine oder andere vielleicht nicht rentabel ist“, wie Päts sagt. Und wenn dem so sein sollte, ist es ein betriebswirtschaftliches Gebot, diese Märkte zu schließen.

Die Kunden müssen sich dann darauf einstellen, dass „ihr“ Laden um die Ecke nicht mehr existiert. Aber: Ein paar Meter weiter ist gewiss der nächste.

Das Engagement geht weiter  

Firmen helfen bei der Integration von Flüchtlingen  
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Bei dem Programm „German now“ sprang der Berliner BMW-Standort ein, um Sprachkurse für Flüchtlinge zu ermöglichen PR
Die Stadt boomt, viele Firmen machen gute Umsätze und die Arbeitslosigkeit sinkt. Zugleich kommen nach wie vor viele Flüchtlinge in die Stadt, die hier ein neues Leben anfangen wollen. Viele Berliner, aber auch viele Unternehmen der Stadt, engagieren sich, um ihnen zu helfen. Zum Beispiel in der von der Wirtschaftsförderung Berlin Partner unterstützten Initiative „Alle helfen jetzt“, die wir in der vorjährigen Ausgabe der Top 200 vorgestellt haben.

Mittlerweile sind mehr als 20 der Projekte mit Flüchtlingen abgeschlossen, etliche laufen noch und neue Vorhaben sind in Vorbereitung. Einer, der sich spontan zum Helfen entschloss, ist Emil Weisner, Geschäftsführer der Berliner Allround Autovermietung in Tempelhof. „Ich habe mir gesagt, dass die Integration von Flüchtlingen nur funktionieren kann, wenn man ihnen auch eine Chance gibt“, sagt Weisner.

Er unterstützte eines der Projekte auf der Website der Organisation, das Flüchtlinge zu Basketball-Schiedsrichtern ausgebildet hat und stellte den Helfern von „Moabit hilft“ eines seiner Mietautos kostenlos zur Verfügung. Darüber hinaus stellte er einen Iraker ein. „Das ist der beste Azubi, den ich je hatte“, sagt Weisner, „fleißig, treu, geschickt.“

Flüchtlingsprojekte, Unternehmen und freiwillige Helfer können sich über die Website der Plattform vernetzen:

www.alle-helfen-jetzt.de
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