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Classic Open Air 2017

Weltstars und Nachwuchskünstler verwandeln den Gendarmenmarkt wieder in Berlins schönste Bühne

Impressionen vom 25. Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt 2016. Zum Finale wird das Schauspielhaus stimmungsvoll illuminiert DAVIDS/SVEN DARMER (2)

Nach der Silberhochzeit ist bei manchen Ehen die Luft raus. Doch der Festival- Klassiker Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt bietet auch im Jahr nach dem 25. Jubiläum ein Programm mit Weltstars, hochklassigen Orchestern und viel Abwechslung. Die Festival-Macher Gerhard Kämpfe und Mario Hempel müssen ihr Erfolgsmodell jedes Jahr neu erfinden und sind überzeugt, das auch dieses Jahr wieder geschafft zu haben. „Die Zuhörer erwarten von Classic Open Air neben der einmaligen Atmosphäre Stars und populäre Stücke aber auch musikalische Entdeckungen“, sagt Gerhard Kämpfe. „Wenn sie sich unser Programm ansehen, werden sie diese Mischung auch finden.“

Der Eröffnungsabend am 20. Juli bietet bekannte Highlights aus Film und Musical. Wieder einmal gestaltet das Deutsche Filmorchester Babelsberg diese „First Night“, die mit Klassikern wie „Somewhere Over The Rainbow“ aufwartet. Die Schauspielerin Senta Berger wird moderieren, Angelika Milster, Eva Lind, Katharine Mehrling, Ella Endlich und Tom Gaebel gehören zu den Solisten. Und natürlich Opern-Weltstar René Kollo.

Weltstars und Nachwuchskünstler verwandeln den Gendarmenmarkt wieder in Berlins schönste Bühne Image 1
René Kollo wird im November 80, im Juli singt er auf dem Gendarmenmarkt

Der Sänger wird im November 80 Jahre alt und hat in seiner langen Karriere neben seinen großen Wagner-Partien stets auch die leichte Muse gepflegt. Auf dem Gendarmenmarkt haben seine Fans die Gelegenheit, ihm für seine einzigartige Karriere zu danken. Als stilistischer Kontrast und Vertreter einer jüngeren Generation wird The Dark Tenor an diesem Abend erscheinen. Der in Dresden ausgebildete Sänger im dunklen Gewand will mit seinen düsteren Crossover-Kompositionen Teenager an die Klassik heranführen.

Lucia Aliberti, die Königin des Belcanto, präsentiert den zweiten Abend am 21. Juli. Sie präsentiert die Gassenhauer des 19. Jahrhunderts von Donizetti, Bellini und Rossini. „Hoffentlich muss ich auf der Bühne nicht weinen, es wird ein sehr emotionaler Abend“, verriet die Sopranistin auf der Pressekonferenz. Sie feiert mit dem Konzert nicht nur ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum, sondern wird auf der Bühne auch mit der Auszeichnung Bellini d’oro geehrt.

Auch der Sonnabend ist italienischer Klassik gewidmet: Opera Italiana in Licht und Feuer. Zu Lichtspielen, Laser-Installationen und Pyrotechnik präsentiert das Philharmonische Orchester Vorpommern Melodien großer italienischer Komponisten wie Verdi, Puccini und Rossini. „Das ist zugegebenermaßen ein Programmpunkt, wie wir ihn in ähnlicher Weise auch früher schon hatten“, sagt Festival-Direktor Gerhard Kämpfe. „Ich höre oft den Einwand, das könne man doch nicht jedes Jahr machen. Aber die Menschen lieben die italienische Oper. Und wenn die Wiener Philharmoniker ihr Neujahrskonzert geben, beschwert sich ja auch niemand, dass jedes Jahr Strauß gespielt wird.“


,,Hoffentlich muss ich auf der Bühne nicht weinen, es wird ein sehr emotionaler Abend."

Lucia Aliberti, Opernsängerin

Ein ungewöhnliches Format erwartet die Besucher am 23. Juli: Die Show „Vier Pianisten – Ein Konzert“, die im vergangenen Jahr in Hamburg viel Lob bekam: „Das Publikum ist völlig aus dem Häuschen“, schrieb das Hamburger Abendblatt über die Premiere. Joja Wendt, Sebastian Knauer, Axel Zwingenberger und Martin Tingvall schlagen Brücken zwischen Klassik, Jazz, Boogie Woogie und Blues. „Die Mischung verschiedener Genres ist Teil unseres Festival-Konzeptes, daher passen diese vier Virtuosen bestens auf den Gendarmenmarkt“, betont Mario Hempel.

Zum Abschluss am 24. Juli tritt der Jazz-Trompeter Till Brönner an, erstmals mit seinem eigenen Orchester. Für Festival-Direktor Gerhad Kämpfe, der das Till Brönner Orchestra auf der Tour von der Nordsee bis an die Alpen begleitet hat, ein besonderes Highlight: „Es gab jeden Abend Standing Ovations.“ Brönner und seine 20 Musiker – Streicher, Blech- und Holzbläser, sowie Perkussionisten – präsentieren einen bunten Mix aus Welthits der Filmmusik, karibischen Klängen und Jazzklassikern. Als special guests treten Sängerin Helen Schneider und Jazzmusiker Peter Fessler auf.

Aber Classic Open Air war schon immer mehr als eine Aneinanderreihung musikalischer Highlights. Die Atmosphäre auf dem schönsten Platz Berlins, die klassizistische Architektur, Sommerluft und die stimmungsvollen Licht- und Pyro-Effekte machen das Festival zu einem besonderen Ereignis. Wer hätte vor 26 Jahren, als Startenor José Carreras das erste Festival auf der Großbaustelle Gendarmenmarkt eröffnete, gedacht, dass es noch heute tausende Zuschauer begeistern würde. Den Zauber des Anfangs verspürt Gerhard Kämpfe noch immer. „Ich habe immer noch ein Gefühl von Schmetterlingen im Bauch, wenn die First Night beginnt und das Orchester zum ersten Takt ansetzt.“

„Ich habe eine Botschaft an junge Leute: Klassik ist geil!“

The Dark Tenor mixt klassische Klänge mit Pop und Elektro. Vor allem bei jungen Hörern kommt das an
The Dark Tenor tritt am 20. Juli bei Classic Open Air auf A. M, SIRA
The Dark Tenor tritt am 20. Juli bei Classic Open Air auf A. M, SIRA
ALEXANDER VISSER

Berliner Morgenpost: The Dark Tenor gibt es seit 2014. Damals sind Sie erstmals mit dunklem Umhang und Maske aufgetreten und haben Ihren Crossover Mix aus Klassik, Pop und düsteren elektronischen Klängen auf die Bühne gebracht. Die Maske haben Sie abgelegt, Ihren bürgerlichen Namen verraten Sie nach wie vor nicht. Warum benutzen Sie eine Kunstfigur, um Ihre Musik zu spielen?

Dark Tenor: Ich komme aus der Klassik. Ich habe aber das Gefühl, dass sie heute meistens nicht so präsentiert wird, dass sie junge Leute anspricht. Das wollte ich ändern. Zusammen mit meinem Produzenten Bernd Wendlandt habe ich die Idee entwickelt, eine Figur zu schaffen, die Kinder und Jugendliche in der Welt abholt, in der sie sich bewegen, um sie mit klassischer Musik in Verbindung zu bringen. Die Figur würde in die Fernsehserie Game of Thrones passen oder könnte aus dem Computerspiel Assassin’s Creed stammen, das ich selber gerne spiele. Offenbar finden viele Kids das cool. Übrigens nicht nur Kids, The Dark Tenor hat Fans im Alter von neun bis 90 Jahren.

Warum, glauben Sie, ist die Hürde zu klassischer Musik für viele junge Menschen offenbar so hoch?

Das liegt nicht in der Musik selbst begründet, sondern in ihrer Vermittlung. Vielen wird der Zugang zur klassischen Musik durch das erzwungene Erlernen eines Instruments verbaut. Und wer das erste Mal mit klassischer Musik bei einer fünfstündigen Aufführung des Parsifal in Kontakt kommt, kehrt wahrscheinlich auch nicht ins Opernhaus zurück. Dabei hören viele Kids gerne moderne Klassik, wie sie zum Beispiel in Computerspielen eingesetzt wird, oder als Filmmusik. Wenn man den Jugendlichen erzählt, dass Komponisten wie Mozart die Punks ihrer Zeit waren, finden die das spannend.

Finden Ihre Fans über The Dark Tenor denn auch zu den klassischen Komponisten?

Sicher nicht alle. Aber in Online-Foren wird schon mal gefragt: Welches klassische Stück hört man bei The Dark Tenor, etwa im Track „Love is Light?“ Wenn sie dann erfahren, das ist Mozarts 40., denke ich schon, dass sich einige Fans dann auch mal das Original reinziehen.

Wie sind Sie selbst zur Klassik gekommen?

Meine Eltern sind Amerikaner und beide aus Liebe zur Klassik nach Europa gekommen, um hier an der Oper zu arbeiten. Zunächst waren wir in Hannover, dann sind wir nach Dresden gezogen. Wir kamen kurz nach dem Mauerfall und die Stadt sah noch ganz anders aus als heute. Ich war dort acht Jahre im Kreuzchor, danach habe ich noch zwei Jahre als Tenor an der Semperoper gesungen. Es war eine tolle Zeit, in der ich viel gelernt habe. Aber dann kam bei mir das Gefühl auf, fast schon alles gesungen zu haben, und die Art der Darbietung wurde mir etwas langweilig. So kam bei mir der Wunsch auf, mein eigenes Ding zu machen.

Wie passt Ihr Auftritt zu Classic Open Air?

Ganz hervorragend, finde ich. Ich habe mich lange mit Gerhard Kämpfe und dem Team von Classic Open Air unterhalten und es geht ihnen ja darum, auch Menschen zu erreichen, die vielleicht nur selten in die Oper oder die Philharmonie gehen. Die tolle Kulisse des Gendarmenmarktes spricht alle an, hier können die Zuhörer Klassik mal in einem anderen Rahmen genießen.

In Ihren Live-Shows singen Sie oft gemeinsam mit dem Publikum Schuberts „Heidenröslein“. Hören wir das auch in Berlin?

Ja, das ist für mich immer ein Highlight. Überraschend für mich ist immer wieder, wie viele Leute den Text mitsingen können. Die Älteren kennen ihn noch aus ihrer Kindheit, die Jüngeren zum Teil nur von meinem ersten Album Symphony of Light. Wenn die alle gemeinsam mitsingen, ist das doch ein tolles Beispiel dafür, wie Klassik auch heute für alle Generationen funktionieren kann.

Welche Rolle spielt der Musikunterricht in der Schule, um Kinder an die Klassik heranzuführen?

Eine ganz wichtige natürlich. Leider gelingt es der Schule nicht immer, die Begeisterung für die Klassik zu wecken, weil sie den Kids nicht cool genug ist. Ich bin gerade dabei, mit meinem Keyboarder Eric Krüger das Programm #klassikistgeil zu entwickeln. Damit planen wir auch, in Schulen zu gehen, um sie dabei zu unterstützen, Schüler für Klassik zu interessieren. Die Botschaft ist einfach: Klassik ist geil!

Sie leben heute in Berlin. Treten Sie außer bei Classic Open Air bald nochmal hier auf?

Ganz in der Nähe, bei der 700-Jahrfeier von Werder an der Havel trete ich am 15. Juli auf. Außerdem arbeite ich an neuen Stücken, mit denen ich im Herbst oder Winter auf Tour gehen will. Dann stehe ich sicher auch wieder in Berlin auf der Bühne.

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