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Themenwelten Berliner Morgenpost
Weihnachten genießen 2019

Geschichte - Wie Jesus zu seinem Geburtstag kam

Das historisch einwandfreie Datum von Jesu Geburt lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Dass heute am 25. Dezember Weihnachten gefeiert wird, ist der christlichen Symbolik geschuldet. Eine kurze Betrachtung zur Entstehung des Festes

Foto: Adobe Stock/lukbar

Max Müller 

Alle Jahre wieder feiern Millionen Christen auf der ganzen Welt die Geburt Jesu, die meisten von ihnen am 25. Dezember. Das war nicht immer so. Die frühen Gläubigen kannten noch kein einheitliches Datum. In den ersten Jahrhunderten nach Jesu Tod wurde zu unterschiedlichen Zeitpunkten gefeiert. So berichtet der griechische Theologe Clemens von Alexandria (150–215), dass allein in Ägypten an mehreren unterschiedlichen Terminen Festlichkeiten stattfanden. Einige frühorientalische Kirchen begingen Jesu Menschwerdung – heute unvorstellbar – gar im Frühsommer.

Dass die frühen Christen uneins über die Empfängnis waren, lag auch an der bereits zur damaligen Zeit schwierigen Quellenlage. Die beiden Evangelisten Lukas und Matthäus, die die Geburt in ihren biblischen Zeugnissen schildern, geben jedenfalls keine konkreten Hinweise. In Ermangelung historisch exakter Überlieferung – ganz von der Tatsache abgesehen, dass Geschichtsschreibung in der Antike ohnehin anders verstanden wurde als heute – mussten sich die frühen Christen auf andere Art weiterhelfen, und suchten folglich nach einer passenden Symbolik.
So leiteten führende Theologen schließlich das Geburts- vom Sterbedatum ab. Im Johannesevangelium fällt die Kreuzigung auf den Tag vor Pessach. Der Kirchenschriftsteller Tertullian, der ein Zeitgenosse von Clemens von Alexandria war, setzte diesen Tag später mit dem 25. März des römischen Kalenders gleich. Zu diesem Tag wurde die neunmonatige Schwangerschaft Marias hinzugerechnet, heraus kam der 25. Dezember als Tag der Geburt. Bedeutende Theologen des 19. und 20. Jahrhunderts wie Louis Duchesne, Hieronymus Engberding, Leonhard Fendt und August Strobel sehen diese Herleitung, die der jüdischen Vorstellung vom Leben und Sterben großer Patriarchen entsprach, denn auch als ausschlaggebenden Grund, warum Weihnachten nunmehr auf den 25. Dezember gelegt wurde. Deutlich bekannter ist allerdings die These, wonach das christliche Fest den römischen Kult ersetzen sollte – sowohl die Saturnalien als römische Variante des Weihnachtsfestes wie auch den Geburtstag des römischen Reichsgottes „Sol Invictus“. Es war Hippolyt von Rom (170–235), der wollte, dass das Fest seines Herren über dem des heidnischen Sonnengottes strahlte. Dazu passte auch die einsetzende Überzeugung, dass Jesus von Nazareth der wahre Sieger über den Tod sei, also das wahre „Licht der Welt“. Der Übergang vom Sol- zum Christus-Kult jedenfalls fällt auf die Regierungszeit Konstantins (272–337), des bekanntlich ersten christlichen Kaisers. Unter seiner Herrschaft wurde das Weihnachtsdatum auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 bestätigt. Später wurde es gar zum Dogma.
Leichter zu ergründen als Jesu Geburtstag sind die heute vielfach geliebten Weihnachtsbräuche – vom Christbaum bis zur Krippe. Auch wenn es so ausschaut, als seien unsere Bräuche jahrhundertealt, so stimmt das nicht: Weihnachten in seiner heutigen Form wird erst seit 150 Jahren gefeiert. So ist der Vorläufer des Weihnachtsbaumes wohl der Paradiesbaum gewesen, der in mittelalterlichen Paradiesspielen aufgestellt wurde, in denen die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Garten Eden aufgeführt wurde. Erst ab 1800 waren Weihnachtsbäume im bürgerlichen Milieu der Städte angesagt.
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