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Themenwelten Berliner Morgenpost
Weihnachten genießen 2018

Geben und Nehmen

Das Schenken und Beschenktwerden gehört zu den größten Freuden der Weihnachtszeit – wenn es nicht in Stress ausartet

FOTO: ISTOCKPHOTO / SLAVICA STAJIC

Shen Yun
Bei Weihnachtsfeiern hat das „Schrottwichteln“ Tradition. Das Ziel dabei: möglichst unterirdische Geschenke zu machen. Der eigentliche Sinn des Schenkens wird hier ad absurdum geführt. Dabei ist die Gabe ein wesentlicher Bestandteil unserer menschlichen Kultur und ein sozialer Akt. Wir geben und nehmen. Wenn wir schenken, erwarten wir dafür aber keine Gegenleistung. Geschenke, die von Herzen kommen, sind bedingungslos. So weit die Theorie. In Wirklichkeit sind Geschenke oft nicht ganz uneigennützig, etwa um sich andere gewogen zu machen oder als Entschuldigung. Der Soziologe Pierre Bourdieu nennt das die „doppelte Wahrheit der Gabe“. Wir möchten gerne ohne Eigennutz schenken und glauben auch, dies zu tun. Doch tatsächlich erwarten wir uns von unseren Gaben auch Vorteile. Zum Akt des Schenkens gehört aber dazu, dass genau dies nicht offensichtlich wird und die Freude des Schenkens im Vordergrund steht. Das Schenken ist schon kompliziert. Geschenke zu besorgen umso mehr. Früher ging man einfach in das Geschäft seiner Wahl – heute lockt das Internet. Auf der Suche nach Schnäppchen gilt es unzählige Preise zu vergleichen. Das digitale Stöbern nach Geschenken ist viel profaner als das analoge Einkaufserlebnis, kann aber entlastend sein: Schwere Gegenstände werden etwa direkt nach Hause geliefert. Es betreiben inzwischen auch viele kleine Läden einen Onlineshop. Wer dort bestellt, unterstützt also weiterhin die lokalen Geschäfte.

Was ist das perfekte Geschenk?

Auch bei perfekten Geschenken bleibt ein Restrisiko: Wird die extravagante Idee gefallen? Kennt der Beschenkte das Buch vielleicht schon? Ein Forscherteam der Indiana University hat herausgefunden, dass wir beim Schenken eines oft nicht beachten: die Perspektive der zu Beschenkenden. Diese freuen sich nämlich meist mehr über Präsente mit nachhaltigem Nutzen als über ausgefallene Überraschungen. Für besonders viel Freude sorgen erfüllte Geschenkwünsche, die nur nebenbei geäußert und längst wieder vergessen wurden.

Stellt sich noch die Frage, welche Art Geschenk es sein soll. Mit einem gekauften Präsent erhält der Beschenkte etwas Handfestes. Hier kommt es darauf an, ob der jeweilige Geschmack getroffen wurde. Selbstgemachtes wiederum hat von Haus aus einen Sympathiebonus, denn wir wissen: Da hat sich jemand richtig Mühe gemacht. Schwieriger wird es bei Gutscheinen, sie wirken schnell beliebig. Ausgewählte Gutscheine aber, die genau zu den Wünschen des Beschenkten passen und ihm helfen Geld zu sparen, können viel Freude bringen.

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