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Berlins Top 200

Top 200 der Berliner Wirtschaft: Berlin wächst doppelt so schnell

Fachkräftemangel und Konjunktureintrübung zum Trotz: Die großen Unternehmen aus der Hauptstadt und dem Umland stellen weiterhin mehr Mitarbeiter ein und steigern ihre Zahl um 1,9 Prozent

Dienstleistungen boomen in der Stadt. FOTO: BOJAN89 / ISTOCK

Michael Gneuss 

Seit Jahren wächst die Berliner Wirtschaft – und damit die Zahl der Beschäftigten in der Hauptstadt sowie den angrenzenden Kreisen. Ein Ende des Booms ist nicht absehbar. Das zeigt auch das Ranking der Berliner Morgenpost „Die Top 200 der Berliner Wirtschaft“. Zum neunten Mal in Folge stockten die nach Anzahl der Beschäftigten sortierten 200 größten Unternehmen der Region ihre Belegschaften 2018 auf. Allerdings erreichte der Anstieg im vergangenen Jahr nicht mehr das Wachstumstempo aus dem Vorjahr. Mit einem Plus von 1,9 Prozent lag der Personalaufbau ein Prozent unter den Ergebnissen der Jahre 2017 und 2016, als der Anstieg der Beschäftigung in den Top 200 jeweils 2,9 Prozent betrug. Im Jahr 2015 waren es zwei Prozent.

Zuletzt gab es im Rezessionsjahr 2009 ein kleines Minus, und zwar von 0,3 Prozent. Im vergangenen Jahr ist zudem die Zahl der Unternehmen, die ihr Personal besonders stark erhöht haben, gestiegen: 51 Unternehmen aus den Top 200 haben ihre Belegschaft um mehr als fünf Prozent gesteigert, 24 davon um einen zweistelligen Prozentsatz. Das ist deutlich mehr als 2017: Damals waren es 43 Unternehmen mit mehr als fünf Prozent und 19, die zweistellig wuchsen.
Berliner Sparkasse
GRAFIK: ISTOCK/AKINDO, KATSIARYNA PLESHAKOVA
GRAFIK: ISTOCK/AKINDO, KATSIARYNA PLESHAKOVA
Das liegt auch daran, dass Berlin im Vergleich mit den anderen Bundesländern weiterhin sehr gut dasteht. „Berlin bleibt auf der Überholspur“, erklärt Sarah Kopp. Im vergangenen Jahr war das Berliner BIP-Wachstum mit 3,1 Prozent mehr als doppelt so hoch wie der Anstieg im gesamten Bundesgebiet von 1,4 Prozent. In diesem Jahr rechnet die IBB mit einem Plus von knapp 2,0 Prozent, das weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen wird.

Und das spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider. So steigt die Zahl der offenen Stellen in Berlin immer weiter an. Im März waren 32.000 freie Arbeitsplätze gemeldet, das sind 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ein weiteres Indiz für den Berliner Beschäftigungsboom: Im Januar wurden in Berlin 1,5 Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs verzeichnet – das sind 50.000 mehr als vor einem Jahr. Auch in diesem Jahr rechnet die IBB mit 45.000 neuen Jobs in Berlin. In den vergangenen drei Jahren sind insgesamt 167.000 neue Stellen in der Hauptstadt entstanden. In keinem anderen Bundesland ist der prozentuale Anstieg der Beschäftigung so hoch wie in Berlin, wo sie 2018 um 2,4 Prozent anstieg.

Steigendes Bruttolohnniveau

Ein Grund dafür ist auch der florierende Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologien in Berlin. Jeder fünfte neue Job entsteht in dieser Branche. „Digitalisierung ist das Aushängeschild der Berliner Wirtschaft“, sagt IBB-Volkswirtin Sarah Kopp. Oft werden in dieser Branche anspruchsvolle und gut bezahlte Tätigkeiten geschaffen, die zum Anstieg des durchschnittlichen Bruttolohns in Berlin beitragen, erklärt Sarah Kopp. Unter anderem deshalb kletterte das Bruttolohnniveau im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent auf 36.146 Euro. Das ist im zweiten Jahr in Folge der stärkste Anstieg der Arbeitnehmereinkommen aller Bundesländer. Im bundesdeutschen Durchschnitt stiegen die Bruttolöhne 2018 um 3,2 Prozent.
BVG
Einher geht diese Entwicklung mit einer sinkenden Arbeitslosenquote. In Berlin ist sie im März auf 7,8 Prozent gesunken. Sie ist zwar immer noch deutlich höher als im Bund (5,1 Prozent). Doch der Abstand schmilzt, vom Höchststand von acht Prozentpunkten im Mai 2003 auf zuletzt 2,7 Punkte. Sarah Kopp glaubt aber nicht, dass Berlin trotz weiter sinkender Arbeitslosenquote in absehbarer Zeit ganz das Bundesniveau erreichen kann. „Dafür ist die Sockelarbeitslosigkeit in Berlin zu hoch.“

Und noch einen weiteren Aspekt hebt Sarah Kopp heraus: „Berlin ist auch die Hauptstadt der Sozialunternehmen. Sie spielen eine wichtige Rolle beim sozialen Zusammenhalt in der Stadt.“ Ohnehin habe Berlin eine gute und spannende Mischung an Unternehmen, meint die IBB-Volkswirtin.
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