Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Shalom Berlin

Wie es anfing

Der israelische Ausnahme-Bassist Avishai Cohen stellt im Kesselhaus der Kulturbrauerei sein neues Album „1970“ vor

Auf dem neuen Album blickt der Avishai Cohen auf seine musikalischen Anfänge zurück. ANDREAS TERLAAK

„Ich habe sehr loyale Fans in Berlin und liebe es, hierher zu kommen, da Berlin eine Stadt mit einer großen kulturellen Vielfalt ist“, sagt Avishai Cohen. Es ist eigentlich nicht verwunderlich, dass der Bassist, Sänger und Bandleader sich in der deutschen Hauptstadt, in der er in der Vergangenheit bereits mehrfach aufgetreten ist, wohlfühlt. Er selbst ist in einem multikulturellen Umfeld aufgewachsen, in einem Schmelztiegel verschiedenster Einflüsse, die sich auch in seiner Musik widerspiegeln. Es ist gewissermaßen ein Heimspiel für den gebürtigen Israeli, der nicht nur in seiner Heimat ein gefeierter Jazzstar ist, sondern weltweit dank seiner Crossover-Produktionen gefeiert wird.

Als Neunjähriger entdeckte Cohen das Klavierspielen für sich. Inspiriert von Jaco Pastorius, der in den Jahren von 1976 bis 1981 in der stilprägenden Jazz- und Fusionband Weather Report spielte, kam Cohen schließlich zum E-Bass. Später wechselte der Musiker zum Kontrabass, mit dem er auch Karriere machte. 1992 kehrte der im Kibbuz Kabri geborene Cohen seiner israelischen Heimat den Rücken, um in die Jazzmetropole New York zu ziehen, wo er sich zunächst als Möbelpacker und Straßenmusiker verdingte. In den USA entdeckte der renommierte Pianist Chick Corea vier Jahre später Cohens Talent und holte ihn in seine Band Origin.

1998 veröffentlichte Cohen schließlich sein Debütalbum, das er „Adama“ nannte. Das hebräische Wort entstammt dem biblischen Kontext und bedeutet so viel wie „Erde“.

Eine musikalische Mutter

Cohen wird nicht müde zu betonen, wie wichtig ihm seine Herkunft ist. „Ich wurde durch den Einfluss meiner Mutter zum Musiker geformt“, sagt der heute 48-Jährige. „Meine Mutter stammt von einer sephardischen Familie ab und spricht Ladino“, wie das vom Spanischen beeinflusste Pendant zum Jiddischen der aschkenasischen Juden heißt. „Ich erinnere mich, dass meine Mutter zu Hause immer sang. Ihre Stimme und die Art, wie sie Lieder interpretierte, ist dieselbe Art, wie ich musiziere. Ich habe alles von meiner Mutter Ora geerbt.“ Insbesondere auf seinem neuen Album zeigt Cohen dieses Erbe, in vielen der Lieder wie beispielsweise dem „Song of Hope“ singt der Musiker und klingt dabei äußerst feinfühlig und geerdet.

Sein neuestes Album könnte auch den Titel „Back to the Roots“ tragen. Stattdessen hat sich Cohen jedoch für den pragmatischen Titel „1970“ entschieden, seinem Geburtsjahr. Ansonsten bietet das Album aber genau das, was es andeutet: einen Rückblick, auch auf die musikalischen Anfänge. So ist Cohen seit langer Zeit erstmals wieder als E-Bassist zu hören. Stilistisch bedient er den Crossover- Sound, der ihn international populär machte. Auch außerhalb des Jazz feierte Cohen in den vergangenen Jahren zahlreiche Erfolge. So musizierte er beispielsweise gemeinsam mit der amerikanischen Soul-Königin Alicia Keys („Fallin‘“) und trat gemeinsam mit dem Israel Philharmonic Orchestra auf.

Fast zu Hause in Berlin

Im Frühjahr war Cohen schon einmal zu Gast in Deutschland, mit seiner eigenen Band gastierte der Musiker, der mittlerweile wieder in seiner israelischen Heimat lebt, in der Hamburger Elbphilharmonie. „Für mich ist das Setting, der Vibe wichtiger, als der Rahmen eines Konzerts“, sagt Cohen. „Ich mag es, in großen Hallen aufzutreten, aber auch in kleineren Clubs, jeder Ort hat eine andere Atmosphäre, die ihn sehr interessant macht.“

Gleichwohl freut sich der Jazzmusiker, zu den Jüdischen Kulturtagen eingeladen worden zu sein. „Es ist immer wieder schön nach Berlin zu kommen“, betont Cohen noch einmal und fügt hinzu: „Es ist toll zu sehen, dass die jüdische Kultur hier so lebendig in die Öffentlichkeit getragen wird.“

In spätestens zwei Jahren können Fans dann mit einem neuerlichen Auftritt ihres Jazz-Idols rechnen. „Im Jahr 2020 werde ich meinen 50. Geburtstag feiern. Wir bereiten bereits in diesem Jahr die große Tour in 50 verschiedene Länder vor.“ Sicherlich wird dann auch wieder Berlin auf dem Tourplan stehen. Doch zuvor spielt der Bassist erst einmal im Kesselhaus, wo er den Klang des sephardischen Israels, den ihn seine Mutter in die Wiege gelegt hat, mit Jazz und populärmusikalischen Einflüssen zu einem Sound verschmelzen lässt, dem er sich seit vielen, vielen Jahren treu ist.Damit beginnt das Lied von Friedrich Hollaender „Wenn ich mir was wünschen dürfte“, „Menschenskind“ ist ein Berliner Ausdruck für „nun mach nicht so viel Fisimatenten“, aber die Schreibweise soll auch aufzeigen, dass das Wort noch eine zweite Bedeutung hat, nämlich dass wir alle Menschenkinder sind.

Termine

Kesselhaus der Kulturbrauerei
Knaackstraße 97, Prenzlauer Berg
www.ticketmaster.de

Avishai Cohen
Mo., 5.11., 20 Uhr

Kumpel, Könner, Komponist

Das Programm „Felix – der glückliche Mendelssohn“ bringt jungen Zuschauern das Leben und Wirken des vielseitigen Komponisten näher
TANJA SZEKESSY
TANJA SZEKESSY
Martina Helmig

Er brillierte als vielsprachiger Universalgelehrter, erstaunlicher Virtuose, weitgereister Dirigent, gefeierter, vielseitiger Komponist, aber auch als begabter Zeichner, Altphilologe und Gesprächspartner der geistigen Elite seiner Zeit. Felix Mendelssohn Bartholdy wurde zu Lebzeiten verehrt wie kaum ein zweiter Musiker. „Felix – der glückliche Mendelssohn“ hat Andreas Peer Kähler sein Kinderproramm genannt, das den großen Musiker vorstellt.

„Er ist ein Sympathieträger, den die Kinder schnell ins Herz schließen“, meint Kähler. Der Dirigent, Komponist und Musikpädagoge hat biografische Informationen in Theaterszenen verpackt. Er selbst spielt Mendelssohns Vater, der voller Stolz seine begabten Kinder vorstellt, und den alten Goethe, der von Felix’ Fähigkeiten ganz begeistert ist. „Ein wichtiges Nebenthema ist die Beziehung zu seiner Schwester Fanny. Es geht um die Schwierigkeiten, die eine Frau damals hatte, als Künstlerin anerkannt zu werden.“

Die beiden Geschwister bekamen die gleiche fundierte Ausbildung. Beide studierten Komposition und Klavier bei den renommiertesten Lehrern. Doch ganz anders als Felix durfte Fanny die Musik nicht zumBeruf zu machen und öffentlich auftreten. Ihre musikalischen Aktivitäten hatten sich auf die häusliche Sphäre zu beschränken. Andreas Peer Kähler hat oft erlebt, dass Besucher seines Programms fragen, warum Fanny nicht dieselben Möglichkeiten hatte wie Felix. „Es ist interessant, dass Kinder und Jugendliche heute sehr stark auf dieses Thema reagieren. Das ist uns ganz wichtig“, sagt er.

Vor vielen Jahren hat sich Andreas Peer Kähler mit seinem Kammerorchester Unter den Linden auf Kinderkonzerte spezialisiert. Etw t a 100 Familienkonzerte im Jahr gibt er im Kammermusiksaal der Philharmonie, der Urania, dem Fontanehaus, in Berliner Schulen, aber auch in ganz Deutschland. „Das Wichtigste ist, dass man authentisch, spontan und warmherzig ist“, findet der Künstler, der auch die jährlich stattfindende Deutsch-Skandinavische Orchesterwoche initiiert hat. „Man darf nie seinen Text herunterbeten, sondern muss zuhören und wahrnehmen, was von den Kindern kommt. Wir sind daher immer darauf eingestellt, Texte spontan zu kürzen oder zu ändern.“

Termine

Urania
An der Urania 17, Schöneberg
Tel.: 030/211 03 98
www.urania.de

Felix – der glückliche Mendelssohn
Sbd., 10.11., 18 Uhr
Weitere Artikel