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„Musik ist ein großartiges Werkzeug“

Der israelische Jazz-Musiker und Friedensaktivist David Broza spielt in der Synagoge Rykestraße

Der Musiker David Broza setzt sich für Aussöhnung und Verständigung ein. ILANBESOR.

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Musik kann politische und gesellschaftliche Turbulenzen reflektieren und zugleich reagieren: zu Solidarität aufrufen und Hoffnung für die Zukunft wecken. Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Konzert des Musikers und Aktivisten David Broza im Rahmen der diesjährigen Jüdischen Kulturtage einen Höhepunkt darstellt. Weltweit werden Rassismus und Antisemitismus wieder sichtbarer. Allein im ersten Halbjahr 2018 meldete die Polizei in Berlin 80 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund. Auch im israelischen Alltag ist latenter Antisemitismus spürbar. David Broza nimmt das nicht hin. Er setzt sich unermüdlich für die kulturelle Vermittlung und Aussöhnung zwischen Juden, Arabern und Palästinensern ein.

Unterschiede überwinden

„Meine Musik ist aber kein politisches Instrument,“ sagt David Broza, und fügt bescheiden hinzu: „Ich bin nur ein Musiker, Sänger und Entertainer. Ich unterstütze jedoch Projekte, die Menschen wie Israelis und Palästinenser zusammenbringen. Musik ist ein großartiges Werkzeug dafür. Wenn Leute zusammen singen und spielen, müssen sie in Harmonie spielen. Ungeachtet ihrer Unterschiede. Musik ist die grundlegende Sprache, die ehrlich und effektiv kommuniziert.“

Viele seiner Songs berühren Themen wie Liebe und Sehnsucht. Vor allem aber sticht dabei immer wieder die Sehnsucht nach Frieden heraus. Bemerkenswert sind seine Stücke allein deshalb, weil Broza die Texte in Englisch, Hebräisch und Spanisch verfasst und stilistisch die Bandbreite von Country-Rock, poppigen Balladen bis hin zu feinfühligen Songs, die von seinem kraftvollen Gitarrenspiel getragen werden, abdeckt. Sein Stil lehnt sich stark an das Flamenco-artige Fingerpicking an. Eine Spielart, die er in Spanien lernte, nachdem sein Vater mit seiner Familie nach Madrid gezogen war, als Broza zwölf Jahre alt war.

Geboren in Israel, aufgewachsen in England und Spanien experimentierte David Broza in seiner Karriere mit vielen Musik-Stilen. „Gerade in Israel ist die Vielfalt der Kulturen so umfassend und einzigartig, das hat von jeher meine Neugier geweckt“, sagt der Musiker über seine Wurzeln. „Ich verbrachte 17 Jahre damit, zu touren und Musik zu schreiben und sie in New York und überall in den USA aufzunehmen. Ich habe mit Künstlern gearbeitet, die Rock’n’Roll, Jazz, Country-Musik spielen. Das Gleiche habe ich in Spanien mit Schriftstellern und Musikern, mit Flamenco-Künstlern wie Niño Josele, Manzanita, dem Produzenten Javier Limon und Paco de Lucias Band gemacht. Diese Zusammenarbeiten haben meinen Horizont geöffnet. Sie halfen mir, ein weitaus gelehrterer und inspirierterer Künstler zu werden.“

Broza ist während seiner Karriere viele ungewöhnliche Musikkooperationen eingegangen. Die texanische Country-Folk-Ikone Townes Van Zandt hinterließ Broza eine Schuhschachtel unveröffentlichter Gedichte und Texte. Daraus schuf er 2010, nachdem er jahrelang darüber nachgedacht hatte, was er damit anfangen sollte, das eindringliche Album „Night Dawn: The Unpublished Poetry Of Townes Van Zandt“. Broza bringt hier seine ganze Bandbreite von Einflüssen mit ein, vermischt authentisch Jazz mit spanischem und israelischem Folk.

Als Friedensaktivist wirken

Der renommierte US-amerikanische Singer-Songwriter Steve Earle koproduzierte Brozas Album „East Jerusalem / West Jerusalem“ (2014). Gerade dieses Album bringt Brozas Schaffenskraft auf den Punkt. Er erforscht darauf die komplizierte Koexistenz von Israelis und Palästinensern in Israel. Der gleichnamige Dokumentarfilm unter der Regie von Henrique Cymerman und Erez Miller zeigt, wie David Broza das Album mit jüdischen und palästinensischen Musikern in einem kleinen Studio auf der arabischen Seite Jerusalems aufgenommen hat.

David Broza ist über seine musikalischen Erfolge hinaus vor allem in Israel für sein humanitäres Engagement bekannt, insbesondere für seinen unermüdlichen Einsatz im israelisch-palästinensischen Konflikt. Sein Lied „Yihye Tov“ wurde in den 70er-Jahren zur Hymne des Friedensprozesses zwischen Israel und Ägypten. Broza ist unter anderem in der Organisation Peace Now aktiv, einer außerparlamentarischen Friedensbewegung in Tel Aviv-Jaffa, die es sich zum Ziel gesetzt hat, eine Versöhnung zwischen dem jüdischen und palästinensischen Volk sowie den arabischen Nachbarn zu erreichen. Die Bewegung ist in mehreren israelischen Städten aktiv und organisiert dort regelmäßige Mahnwachen und Demonstrationen.

Kunst ist Reflexion

„Für mich besteht gar kein Zweifel, dass Musik eine bedeutungsvolle und bereichernde Erfahrung ist. Vor allem vor dem Internetzeitalter konnte Musik Menschen auf die Straße bringen. Heute sind es mehr die sozialen Medien, die die Musik präsentieren und effektiv machen. Ich denke, dass Musik die Menschen in vielerlei Hinsicht beeinflussen kann. Sinnvolle Texte können Botschaften der Hoffnung und Reflexion bringen.“, erklärt Broza. Um dann aber hinzuzufügen: „Musik wird jedoch keine Revolution auslösen. Ich denke, das ist ein Mythos aus der Vergangenheit. Musik ist ein Teil der Veränderung, die wir in der Welt sehen. Sie reagiert auf die Gegenwart. Alle Kunst ist verbunden und ein Ergebnis der heutigen Zeit. Sie ist eine Reflexion.“

Termine

Synagoge Rykestraße
Rykestraße 53, Prenzlauer Berg
www.ticketmaster.de

David Broza Quartett
Sbd., 10.11., 20 Uhr
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