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Shalom Berlin

Im Wohnzimmer der Großeltern

Die Jüdischen Kulturtage sind ein guter Anlass, mal wieder gut israelisch essen zu gehen – zum Beispiel im Masel Topf

Die Inneneinrichtung des Restaurants wurde über die Jahre zusammengetragen. MASEL TOPF

Bei der Inneneinrichtung scheinen sich zahlreiche Wirte im Prenzlauer Berg abgesprochen zu haben: bloß nicht zu verspielt. Die Restaurants laden mit spartanischer Einrichtung zum kulinarischen Genuss. Davon hebt sich das Masel Topf in der Rykestraße deutlich ab. Sobald man das Restaurant betritt, fällt sofort ein großes Schwarz-Weiß-Foto auf, das ein lachendes Paar auf einer Couch zeigt. Es handelt sich um die Großeltern von Konstantin Pinski, der im Mai 2014 das Masel Topf eröffnete. „Das Design orientiert sich am Wohnzimmer meiner Großeltern in Dnjepropetrowsk“, sagt Pinski. In der Tat wirken die Holzmöbel und detailverliebten Accessoires wie alte Radios in den Ecken angenehm aus der Zeit gefallen – geradezu rustikal, was viele Jahre in der hippen Gastronomie als Schimpfwort galt. Pinski kümmerte sich jedoch wenig um Konventionen, sondern folgt seiner eigenen Vision: „Ich bin Ingenieur für Biotechnologie. Meine Leidenschaften waren schon immer das Kochen und die Gastronomie. Für diesen Beruf habe ich mich vor vier Jahren entschieden, wobei ich weiterhin nur zu Hause in der Küche stehe. Das Masel Topf ist mein erstes Restaurant, hier kümmere ich mich vor allem um die Organisation und den Service, das macht mir wirklich Spaß.“

Neues Küchenkonzept

Im vergangenen Jahr nahm Pinski einen Richtungswechsel in der Küche vor: „Ursprünglich eröffneten wir das Restaurant mit jüdischer Küche, wobei der Schwerpunkt auf der aschkenasischen Richtung lag.“ Diese ist von der österreichischen und osteuropäischen Küche beeinflusst. „Aber es gibt doch keine katholischen oder muslimischen Restaurants“, betont Pinski. „Seit letztem Jahr haben wir den Fokus auf der israelischen Küche, somit einer Region. Darunter können sich auch die Gäste leichter etwas vorstellen.“ Die Speisekarte ist überschaubar, die Gerichte bestehen vorwiegend aus regionalen und saisonalen Zutaten. „Was etwas schwieriger zu bekommen ist, wie Matzemehl, beziehen wir über einen koscheren Lebensmittelhändler“, sagt Pinski, dem man anmerkt, dass er sich mit dem Masel Topf einen Traum erfüllte. „Meinen ersten Berufswunsch hatte ich mit fünf Jahren: Koch. Ich bin passionierter Restaurantgänger“, gibt Pinski zu. „Wenn Freunde fragen, was ich mir zum Geburtstag wünsche, antworte ich stets: einen Gutschein für ein Restaurant.“

Jedoch lässt sich der Gastronom nicht nur in Berlin inspirieren, sondern reist regelmäßig nach Israel. Von dort bringt er neue Trends mit, die sich derzeit auf der Mittagskarte finden: Sabich besteht aus Pita-Brot, einer gegrillten Aubergine und einem Spiegel- oder gekochtem Ei. Ebenfalls beliebt: Shakshuka – versunkene Eier in einer delikaten Tomatensauce.

Die Abendkarte im Masel Topf enthält Klassiker wie gefillte Fisch oder den „Jerusalem Grill“: Geflügel und Rind mit Hummus und gegrilltem Gemüse. Dazu gibt es pfiffige Experimente: „Wir kombinieren Gerichte wie Kartoffelpuffer mit fernöstlichen Elementen wie Wasabimayonnaise.“

Wer mittags spontan vorbeikommt, findet im Regelfall einen freien Platz. „Wir haben zahlreiche internationale Touristen, aber im Laufe der Zeit ist der Anteil der Stammgäste deutlich gestiegen“, sagt Pinski. Eine telefonische Reservierung ist daher immer ratsam – insbesondere wenn man während der Jüdischen Kulturtage vor oder nach dem Konzertbesuch in der Synagoge direkt gegenüber einen Besuch plant.

Termine

Masel Topf
Rykestraße 2, Prenzlauer Berg
Tel.: 030/44 31 75 25
www.restaurant-maseltopf.de
ÖZ: tgl. 12–24 Uhr

Koschere Küche im Umbruch

Max Müller

Jüdische Restaurants, die koschere Küche servieren, gibt es in Berlin noch immer sehr wenige, zumal in den vergangenen Jahren einige Institutionen schließen mussten. Noch heute hat sich kein Nachmieter für das Kadima am Fuß der Neuen Synagoge gefunden und auch das Gabriel’s, das älteste koschere Restaurant der Stadt, in der Charlottenburger Fasanenstraße ist mittlerweile Geschichte.

Zugleich haben neue Adressen geöffnet und sich mittlerweile etabliert. Zu den besten koscheren Gaststätten der Stadt zählt etwa das Hummus & Friends, das unweit der Neuen Synagoge liegt und sich auf Kichererbsen-Gerichte spezialisiert hat. In Israel zählen Hummusspeisen zu den Klassikern schlechthin, oftmals werden zum Kichererbsenbrei gekochte Eier, Sesampaste, gebratene Aubergine oder Blumenkohl serviert. Auch im Hummus & Friends ist es nicht anders, zu jeder Tageszeit finden sich in dem veganen Restaurant viele hungrige Besucher, die ihr Pita-Brot in den leckeren Hummus dippen.

Während im Hummus & Friends Streetfood serviert wird, setzt das Feinberg’s auf eine authentische, koschere Fine-Dining-Erfahrung mit einem Schwerpunkt auf sephardischen Gerichten. Klassiker der aschkenasischen Küche wiederum finden sich im Bleibergs, hier gibt es auch den Klassiker schlechthin: Gefillte Fisch. Ziemlich ruhig geht es im Beth Café zu, das zur Gemeinde Adass Jisroel gehört und im Sommer zum Verweilen im idyllischen Hof der Tucholskystraße einlädt.

All diese Restaurants werden jeweils von einem Rabbiner überwacht, der darauf achtet, dass die in der Bibel festgehaltenen Speisevorschriften penibel eingehalten werden. Die bekannteste Regel besagt, dass Milchiges nicht mit Fleischigem vermischt werden darf. Zudem ist nicht jedes Tier koscher, also rein. Beim Schlachten wird geschächtet, das sorgt dafür, dass kein Blut mehr am Fleisch haftet. Auch andere Lebensmittel benötigen eine Zertifizierung, das System ist äußerst komplex.

Wem das Kaschrut-Zertifikat nicht so wichtig ist, der hat hingegen deutlich mehr Auswahl und findet in den israelischen Restaurants Berlins zudem eine Spitzenqualität vor. Zu den angesagtesten Adressen gehören das Kanaan, das sich wie das Hummus & Friends auf Kichererbsen-Spezialitäten eingeschworen hat, das MontRaw, das erst seit ein paar Monaten gehobene Küche mitten in Prenzlauer Berg serviert, das Neni im obersten Stockwerk des 25hours Hotels am Zoologischen Garten sowie das Yafo in der Gormannstraße, das Gerichte aus Tel Aviv auf der Speisekarte führt.

Adressen

Beth Café
Tucholskystraße 40, Mitte
Tel.: 030/281 31 35
www.adassjisroel.de/beth-cafe
ÖZ: So.–Do., 12–20 Uhr

Bleibergs
Nürnberger Straße 45a, Wilmersdorf
Tel.: 030/21 91 36 24
www.bleibergs.de
ÖZ: Mo.–Do., 10–21 Uhr, Fr., 9–13 Uhr, So., 11–19 Uhr

Feinberg’s
Fuggerstraße 35, Schöneberg
Tel.: 030/91 55 34 62
www.feinbergs.de
ÖZ: Di.–So., 12–23 Uhr

Hummus & Friends
Oranienburger Straße 27, Mitte
Tel.: 030/55 47 14 54
www.hummus-and-friends.com
ÖZ: tgl. 11–24 Uhr

MontRaw
Straßburger Straße 33, Prenzlauer Berg
Tel.: 030/25 78 27 07
www.montraw.com

Neni
Budapester Straße 40, Charlottenburg
Tel.: 030/120 22 12 00
www.neniberlin.de
ÖZ: Mo.–Fr., 12–23 Uhr,
Sbd. + So., 12.30–23 Uhr

Yafo Berlin
Gormannstraße 17b, Mitte
Tel.: 030/92 35 02 50
www.yafoberlin.com
ÖZ: Di.–So., ab 12 Uhr
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