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Shalom Berlin

„Gott lacht mit seinen Geschöpfen, nicht über seine Geschöpfe“

Im Renaissance-Theater findet die Neuauflage von „Lerne lachen, ohne zu weinen“ statt – eine Hommage an den jüdischen Humor

Sängerin Sharon Brauner UNBEKANNT

Der jüdische Humor ist legendär, aber was zeichnet ihn eigentlich aus? „Dieser Humor ist schlau, selbstironisch und ohne Aggression. „Gott lacht mit seinen Geschöpfen, nicht über seine Geschöpfe“, steht bereits im Talmud.

Manchmal hat er einen melancholischen Unterton, denn es geht auch um das Auflehnen gegen Schmach und Unmenschlichkeit“, erzählt die Schweizer Schauspielerin und Regisseurin Nadine Schori, die sich seit zwei Jahren intensiv mit dem Thema auseinandersetzt. „Es gibt die ganze Bandbreite vom Schenkelklopfer bis zu hintergründigen Pointen, die uns hart schlucken lassen.“

In Deutschland ist die Auseinandersetzung mit dem Judentum stark von der Verfolgung und dem Holocaust geprägt. Deshalb ist es den Jüdischen Kulturtagen besonders wichtig, mit einem heiteren Programm einen Kontrapunkt dazu zu setzen. Schon zum dritten Mal gestaltet Nadine Schori einen humoristisch- musikalischen Abend unter dem Tucholsky-Motto „Lerne lachen, ohne zu weinen“. Die Abende waren bisher immer ausverkauft, deshalb wird das Programm im Renaissance-Theater in diesem Jahr zweimal gespielt.

Germania

Nadine Schori hat neue Texte, Lieder, Spielszenen und teilweise auch neue Künstler versammelt. Sharon Brauner und Karsten Troyke sorgen für den musikalischen Teil. Nach Katharina und Anna Thalbach ist diesmal der jüngste Spross der Schauspieler-Familie dabei: Nelli Thalbach. Nadine Schori wünscht sie, dass sie einen Text des jüdischen Dichters Thomas Brasch liest, mit dem ihre Großmutter liiert war.

Der Schauspieler Boris Aljinovic hat ein kurzes Stück von Woody Allen ins Deutsche übersetzt, das erstmals szenisch aufgeführt wird. In „Dracula und die Sonnenfinsternis“ ist der Vampir auf Reisen und findet Zuflucht bei einer Bäckerfamilie. Nadine Schori hat Texte von Scholem Alejchem, Heinrich Heine, Mascha Kaléko, Lena Gorelik und vielen anderen Schriftstellern herausgesucht.
Regisseurin Nadine Schori  URBAN RUTHS BERLIN
Regisseurin Nadine Schori URBAN RUTHS BERLIN
Die jüdische Kultur hat die Schweizerin schon früh interessiert. Als Jugendliche war sie fasziniert vom Tagebuch der Anne Frank und von der Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger. „Ich konnte alle ihre Gedichte auswendig. Der Schmerz und die Liebe zum Leben darin berührten mich sehr“, erinnert sie sich. „Ich habe dann viel über die Geschichte der Juden gelesen, das Thema hat mich auf merkwürdige Art und Weise an die Hand genommen.“

Inzwischen ist sie mit Gerhard Kämpfe verheiratet, der Sohn einer jüdischen Mutter und Intendant der Jüdischen Kulturtage ist. Sonst steht das Ehepaar niemals gemeinsam auf der Bühne, aber genau dazu hat Schori ihren Mann überredet. Vor der ersten Ausgabe des Programms „Lerne lachen, ohne zu weinen“ dachte sie: „Jetzt habe ich fast alles zusammen, aber es fehlen noch die jüdischen Witze“.

Von ihrem Mann kannte sie viele herrliche Kabinettstückchen, denn Gerhard Kämpfe ist ein begnadeter Witzerzähler. Er wollte sich auf keinen Fall auf die Bühne stellen, also dachte sich die Regisseurin etwas anderes aus: Kämpfe sitzt in der Loge wie in der Muppet-Show, zieht ab und zu den Vorhang auf, streckt den Kopf heraus und erzählt einen Witz. Die kleinen Auftritte sind längst zum Running Gag des Programms geworden. Inzwischen lacht das Publikum schon, wenn der kleine Vorhang in der Seitenloge aufgeht. „Das erste Mal musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten“, meint Schori. „Jetzt macht er es richtig gern.“

Termine

Renaissance-Theater
Knesebeckstraße 100/Ecke Hardenbergstraße, Charlottenburg
Tel.: 030/ 312 42 02
www.renaissance-theater.de

Lerne lachen, ohne zu weinen III
Mo., 5.+ Di., 6.11., 20 Uhr

Grußwort

der Veranstalter
Als wir uns 2016 für das Motto „Shalom Berlin“ für die Jüdischen Kulturtage entschieden, konnten wir noch nicht absehen, dass der Wunsch nach Frieden, Integration und gegenseitigem Verständnis in seiner Wichtigkeit immer mehr zunimmt. Angriffe auf Kippa-Träger und ein zunehmender, ethnisch geprägter Nationalismus zeigen uns, wie wichtig es ist, gemeinsam dagegenzuhalten. Eine dieser Möglichkeiten ist die Vorstellung der jüdischen Kultur. Sie kann und soll eine Brücke zum gegenseitigen Verständnis und zur gegenseitigen Achtung sein.

Einer der Schwerpunkte der diesjährigen Jüdischen Kulturtage ist das Jubiläum der Staatsgründung Israels vor 70 Jahren. Wir freuen uns daher, dass wir dem Berliner Publikum so großartige Künstler aus Israel wie zum Beispiel Ester Rada, David Broza oder Avishai Cohen vorstellen können. Aus der Berliner Kulturszene konnten wir unter anderem die großartige Dagmar Manzel, den Weltklasse-Countertenor Jochen Kowalski und Ilja Richter einladen. Natürlich spielt auch der jüdische Humor wieder eine große Rolle. So spielen wir dieses Jahr „Lerne lachen, ohne zu weinen III“ gleich zweimal im Renaissance-Theater Berlin, weil dieser Abend in den letzten Jahren jeweils komplett ausverkauft war.

Wir heißen Sie herzlich willkommen bei den 31. Jüdischen Kulturtagen und rufen Ihnen zu: Shalom Berlin!

Dr. Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Sara Nachama, Kulturdezernentin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Gerhard Kämpfe, Intendant der Jüdischen Kulturtage Berlin
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