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Ester Rada erstmals in Berlin

Die äthiopisch-stämmige Sängerin wird als neue Soulqueen gefeiert. Ist sie die neue Amy Winehouse?

Ester Rada beendet mit ihrem Konzert die Jüdischen Kulturtage. SHERBAN LUPU

Es ist schwer vorstellbar, wie die Menschen in Kirjat Arba leben. Die heute rund 8000 Einwohner zählende Gemeinde ist eine von gut 120 jüdischen Siedlungen in der Westbank. Die Sicherheitsvorkehrungen sind sehr hoch, die persönlichen Freiheiten entsprechend niedrig. In diesem Umfeld wurde im Jahr 1985 Ester Rada geboren. Ihre Eltern kamen erst ein Jahr zuvor nach Israel. Als Angehörige der jüdisch-äthiopischen Minderheit wurden sie im Zuge der „Operation Moses“ vom israelischen Militär aus dem nach der Inthronisierung Haile Selassies in den Bürgerkrieg gestürzten Land, in dem eine schwere Hungerkrise herrschte, gerettet.

Einschnitt mit zehn

Ester Rada wuchs zwischen zwei Welten auf. Zu Hause wurde Amharisch gesprochen, in der Schule Hebräisch, wie die Nachbarn lebt auch die Familie Rada streng religiös. Wäre Ester Rada in Kirjat Arba geblieben, wäre vielleicht alles anders gekommen. Doch ihre Eltern ließen sich scheiden und die junge Ester zog, gerade zehnjährig, mit ihrer Mutter nach Netanja, einer säkulären Stadt nördlich von Tel Aviv, in der sich die Hochhäuser aneinanderreihen und zahlreiche Neu-Israelis leben, die sich nicht die hohen Mieten in Tel Aviv leisten können. „Wir lebten in einer sehr religiösen Stadt. In meiner Kindheit war ich häufig in der Synagoge. Erst als wir nach Netanja zogen, entdeckte ich, dass es eine ganze Welt gab, die ich vorher nicht kannte“, verriet Ester Rada vor einiger Zeit.

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Neue Freiheiten

Für die junge Frau eröffneten sich auf einmal ganz neue Perspektiven. Im Vergleich zum ständig überwachten Siedlerleben hatte sie nun deutlich mehr Freiheiten. In den kommenden Jahren bewegte sich Ester Rada auch nicht mehr nur in der äthiopischen Gemeinde, die in der israelischen Gesellschaft noch immer einen schweren Stand hat und noch heute in großen Teilen des Landes diskriminiert wird. Sie freundete sich zudem mit französischen Olim an – Neueinwanderern aus Europa, die ihr musikalische Horizonte jenseits des Religiösen eröffneten und Ester Rada zu Genres wie Funk und Hip-Hop führten. Für Ester Radas Karriere war das so etwas wie die Initialzündung. Allerdings dauerte es noch eine Weile, ehe sie allen Mut zusammennahm, um musikalisch durchzustarten. Zunächst probierte sie sich als Schauspielerin aus, debütierte am renommierten Habimah-Theater und spielte später mit Erfolg in israelischen TV-Serien und -Filmen mit. Während des zweijährigen Militärdienstes fand sie zurück zur Musik.

Vor fünf Jahren veröffentlichte Ester Rada schließlich mithilfe des israelischen Produktions-Duos Sabbo and Kuti, das sich Projekten von Hip-Hop über Soul bis hin zu Reggae verschrieben hat, ihre erste EP „Life happens“. Gerade einmal vier Songs umfasste dieses erste Stück Musik, doch bereits das kleine Debüt zeigte die vielfältigen musikalischen Genres, die zum Markenzeichen von Ester Rada werden sollten: Ethno-Jazz trifft auf Funk, Soul und R’n’B. Die EP wurde von den Kritikern hochgelobt, sodass Ester Rada ermutigt wurde, an ihrem ersten richtigen Album weiterzuarbeiten. Beflügelt durch die guten Kritiken erschien bereits ein Jahr später das selbstbetitelte Debütalbum, das wie schon die EP von Musikexperten wie auch Fans mehr als begeistert aufgenommen wurde. Zwei der hierauf veröffentlichten Hits stürmten bis an die Chartspitze, der Song „Nanu Nay“ schaffte es immerhin auf Platz sieben. Es war das erste Mal, dass ein in Amharisch gesungener Song es bis in die Top Ten der israelischen Charts schaffte.

Im vergangenen Jahr erschien mit „Different Eyes“ das zweite Album der mittlerweile 33-Jährigen, die mit Ehemann Gili Yalu, Sänger der israelischen Reggae-Band Zvuloon Dub System, in Jaffa lebt. Darin mixt die Sängerin einmal mehr unterschiedlichste Genres, singt mal auf Englisch, dann wieder auf Hebräisch und Amharisch. Mal singt sie voller Inbrunst, dann wieder schmettert sie die Zeilen nur so heraus, sodass Kritiker sie bereits mit Amy Winehouse oder der kürzlich verstorbenen Aretha Franklin vergleichen. Das Berliner Publikum kann sich hiervon nun selbst ein Bild machen. Im Rahmen der Jüdischen Kulturtage bestreitet die Sängerin gemeinsam mit ihrer Band das Abschlusskonzert, das auf jeden Fall fulminant werden dürfte.

Termine

Synagoge Rykestraße
Rykestraße 53, Prenzlauer Berg
www.ticketmaster.de

Ester Rada & Band
So., 11.11., 19 Uhr
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