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Shalom Berlin

Die Völkerverständigung rocken

Das Projekt „A Bridge Of Friendship“ führte schon dreimal deutsche Musiker nach Israel. Jetzt spielen sie in Berlin

Die Berliner Formation Engerling spielte 2016 in Israel. ANNA WITZEL

MFP Mönning Feser Partner Rechtsanwälte Insolvenzverwalter
Musik verbindet. Dem würde niemand widersprechen. Deshalb finden seit Jahren regelmäßig Orchesterreisen statt, die der Völkerverständigung dienen. Doch warum muss es stets klassische Musik sein? Elmar Werner saß mit Freunden in einer Bar in Tel Aviv, als ihm die Idee kam, deutsche Rockbands in Israel auf Tour zu schicken. Das gab es bisher noch nicht. Werner ist ein Mann, der gern ungewöhnliche Wege geht. Er studierte Theologie, lernte danach den Beruf des Kochs und gründete Mitte der 90er-Jahre eine Agentur, die unter anderem deutsch-israelische Austauschprogramme betreut. Parallel arbeitete er als Musikmanager. Einer der von ihm vertretenen Künstler war Reinhard Fißler, ehemaliger Frontmann der Rockband Stern-Combo Meißen. Als Werner ihn fragte, ob er in Israel spielen würde, sagte Fißler sofort zu. Auch Dirk Zöllner war sofort mit an Bord. Zusammen mit Musikern wie Reini Petereit (Rockhaus), Robert Gläser, Matze Mantzke (beide Six) und André Gensicke (Die Zöllner) ging es im November 2003 erstmals nach Israel. Für alle Beteiligten war es eine Herzensangelegenheit, nichts womit sich eine schnelle Mark machen ließ. „Es gab zwar Unterstützung durch das Auswärtige Amt und durch die israelische Botschaft“, erinnert sich Werner. „Den Großteil der Kosten habe ich von privaten Sponsoren akquiriert.“

Neuland betreten

Die Künstler mussten sich an andere Abläufe gewöhnen: „Beim ersten Konzert, das eigentlich um 21 Uhr beginnen sollte, verirrten sich bis halb neun gerade mal zwölf Besucher“, schmunzelt Werner. „Wir wurden ziemlich nervös, aber der Wirt beruhigte uns, dass frühestens in drei Stunden Gäste kommen. Dann war der Laden rappelvoll. Es war ein umjubeltes Konzert.“

Die Tour erforderte viel Improvisationstalent. Neben den Clubs gab es auch Konzerte an anderen Orten, wie der Schmidt-Schule in Ostjerusalem, die christliche und muslimische Mädchen besuchen. „Den Direktor kannte ich gut durch andere Projekte. Ich versprach ihm, dass die Band eine Stunde in den Musikunterricht kommt und über deutschen Rock und Pop spricht“, sagt Werner. Stattdessen: „Sämtliche Schülerinnen ab der fünften Klasse warteten in der Aula auf ein Konzert. Die hatten eine kleine Anlage und ein paar Instrumente bereitgestellt. Wir hatten ja nichts dabei. Es gab einen kurzen Soundcheck und dann wurde vor vollem Haus das Programm improvisiert.“

Heikle Sicherheitslage

Die Tour erhielt positive Resonanz und für Werner zeigte sich wieder einmal, dass es sich lohnt, für einen Traum zu kämpfen. So ließ er sich sechs Jahre später überreden, das Projekt zu wiederholen. Reinhard Fißler war inzwischen erkrankt, Andreas Bayless (Söhne Mannheims) spielte die Gitarre. Vor zwei Jahren reiste der Manager ein drittes Mal mit einer deutschen Band nach Nahost. An Bord waren diesmal die Blueser Engerling. „Wir hatten das Pech, dass jedes Mal, wenn wir nach Israel kamen, die politische Lage äußerst heikel war“, sagt Werner. „Engerling sollten Konzerte in Jerusalem spielen. Am ersten Abend war die Innenstadt wie leer gefegt – aus Angst vor Anschlägen. Es kamen immerhin neun Besucher und das Konzert fand statt. Ein paar Tage später wurden wir an einer Straßenbahnhaltestelle Zeugen eines Attentats. Ich habe dann die Band gefragt, ob wir die Tour trotzdem fortsetzen. Für Engerling stand das überhaupt nicht zur Diskussion.“

Termine

Wabe
Danziger Straße 105, Prenzlauer Berg
www.ticketteer.com

A Bridge of Friendship
Mit Engerling, Dirk Zöllner, Andreas Bayless, Michael Herberger, Shir-Ran Yinon
8. Nov., 20 Uhr

Feiern unter Freunden

Die Party „Move together – Stand together“ im The Pearl feiert Offenheit und Toleranz
Max Müller

Es ist ein paar Jahre her, dass Berlin eine eigene jüdische Party hatte, die allerdings „nicht ganz koscher“ war: Wer eine der „Meschugge“- Nächte miterlebt hat, fand sich in einem israelischen Fahnenmeer wieder, in dem vor allem junge, schwule Juden, Araber und Christen feierten. Irgendwann verließ der Organisator aber Berlin.

Mit der Partynacht im The Pearl, unweit des Zoologischen Gartens, könnte vielleicht eine neue jüdische Partyreihe entstehen. Zumindest wird in dem Club im Rahmen der Jüdischen Kulturtage unter dem Motto „Move together – Stand together“ eine multikulturelle Party gefeiert, die die Offenheit und Vielseitigkeit Berlins zelebriert und Menschen unabhängig von ihrer Herkunft eine Plattform zum ausgelassenen Feiern bieten will.

Bereits im letzten Jahr lud der Charlottenburger Club mit DJs aus Tel Aviv zum ausgiebigen Dancefloor-Vergnügen.

Doch die eigene Herkunft spielt bei „Move together – Stand together“ ebenso wie die Religionszugehörigkeit eine untergeordnete Rolle. In erster Linie geht es darum, sich gemeinsam zu amüsieren, ausgelassen zu feiern, Spaß zu haben und gemeinsam rechten Ressentiments die Stirn zu bieten. Und wer weiß, vielleicht entsteht so langfristig wieder ein Ort, an dem die ehemaligen „Meschugge“- Partygänger sich ebenso wohlfühlen wie in dem Rahmen, der ihnen dereinst geboten wurde. Zu hoffen wäre es ja.

Termin

The Pearl
Fasanenstraße 81, Charlottenburg
Tickets an der Abendkasse

Move together – Stand together
Sbd. 10.11., 23 Uhr
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