Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Arbeitgeber Öffentlicher Dienst & Non Profit

Berliner Venro-Geschäftsführerin Heike Spielmans zu NGOs: Nichtregierungsorganisationen

Wer in einer Nichtregierungsorganisation arbeitet, ist oft motivierter und kreativer, weil er den Sinn der Arbeit erkennt – dafür nehmen viele auch weniger Gehalt in Kauf

NGOs haben nicht nur Auslandseinsätze, sondern auch einen großen Backoffice-Bereich. BRAZZO; FRANCKREPORTER / ISTOCKPHOTO

Berliner Feuerwehr
Simone Jacobius  

Nichtregierungsorganisationen oder Non-governmental organizations, kurz NGOs genannt, tun in der Regel nicht nur Gutes, sondern bieten zudem auch spannende Jobs. Egal ob es um den Schutz von Meerestieren oder der Wildnis geht, ob um medizinische Hilfe in Krisengebieten oder um Menschenrechte weltweit: Vor allem Wirtschaftswissenschaftler haben im Non-Profit-Sektor gute Chancen durchzustarten.

Die Großen wie Greenpeace, Amnesty International, den Nabu oder Ärzte ohne Grenzen kennt fast jeder. Doch in Wirklichkeit gibt es mehrere Tausend NGOs in Deutschland. Sie kennzeichnet, dass sie weder von staatlichen Stellen getragen werden noch auf Gewinn ausgerichtet sind. Die meisten NGOs befinden sich in privater, kirchlicher oder auch politischer Trägerschaft, wobei das Themenspektrum von der Entwicklungspolitik über Menschenrechte, Flüchtlingshilfe und Armutsbekämpfung bis zu Verbraucher- und Umweltschutz reicht.

Heutzutage zählt Professionalität mehr als purer Aktionismus. „Leidenschaft für die Sache ist gut und wichtig – aber ohne fachliche Kompetenz geht es auch nicht mehr“, sagt Heike Spielmans, Geschäftsführerin beim Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen e. V. (Venro).

"Leidenschaft für die Sache ist gut und wichtig – aber ohne fachliche Kompetenz geht es heute auch nicht mehr."

Heike Spielmans, Venro-Geschäftsführerin

Hinter den Kulissen

Neben den Hilfseinsätzen, die meist im Fokus der Öffentlichkeit stehen, hat auch jede NGO einen großen Backoffice-Bereich: Für Vertrieb, Fundraising, Marketing und Personal müssen gut ausgebildete Fachkräfte her. Das reicht von der Assistentin über IT-Spezialisten bis zu Ingenieuren, Naturwissenschaftlern und Wirtschaftsabsolventen. „Der Arbeitsmarkt ist ohne Zweifel groß“, sagt Spielmans, „vor allem für Fundraising und Kommunikation, aber auch für die Evaluierung werden Mitarbeiter gesucht – gerne auch als Quereinsteiger.“ Aber auch wer keinen Studienabschluss hat, wird in NGOs gerne genommen. Im Servicebereich, in der Buchhaltung oder der Assistenz werden ebenfalls Mitarbeiter gesucht. Und das sei die wirkliche Herausforderung, weiß auch Hilke Posor von Heldenrat e. V., einem Verein der sich die Beratung von NGOs zur Aufgabe gemacht hat.


Arbeiten für den guten Zweck Image 1
Viele kommen zuerst über ein Praktikum oder einen ehrenamtlichen Job mit der gemeinnützigen Arbeit in Kontakt. Wer dauerhaft bei einer NGO bleiben möchte, sollte vor allem über Kommunikationsstärke, Toleranz und Teamfähigkeit verfügen. Bei kleineren Organisationen wird auch der Flexibilität viel abverlangt, denn dort müssen oft unterschiedliche Bereiche von einer Person geführt und kostengünstige Lösungen gesucht werden. „Viele Stellen ähneln der Arbeit eines Projektmanagers“, sagt Hilke Posor. Viele entscheiden sich bereits in jungen Jahren, direkt nach der Ausbildung, gegen einen Job in der freien Wirtschaft und für die Arbeit bei einer NGO. „Aber es wechseln auch viele Menschen in den 50ern die Seiten, wenn sie beschließen, aus dem Hamsterrad auszubrechen und etwas Sinnstiftendes zu machen“, ergänzt Spielmans.

Viel Einsatz, kleines Geld

Der große Unterschied zur freien Wirtschaft: Die Arbeit bei einer NGO ist missionsgetrieben, jeder steht dahinter und weiß, wofür er es macht. Außerdem stünden die Mitarbeiter nicht ständig unter großem Zeitdruck, wodurch viel mehr Kreativität und Motivation frei würden, meint Hilke Posor. Doch was nach einem erfüllenden Job klingt, hat auch einen Haken. Denn die finanziellen Ressourcen sind überschaubar. Da sich NGOs in erster Linie aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanzieren, werden meist deutlich kleinere Gehälter als in der Wirtschaft gezahlt. Dafür kann man aber, vor allem in kleineren Organisationen, rasch Verantwortung übernehmen und sich hocharbeiten. Nur die großen Organisationen orientieren sich an Tarifverträgen. Generell werden großes Engagement und hohe Einsatzbereitschaft erwartet.

Wer sich bei einer NGO bewerben möchte, sollte vor allem seine Identifikation mit den Idealen und Zielen der Organisation im Anschreiben erläutern und im Lebenslauf jede ehrenamtliche Arbeit und jeden Job, der mit Menschen zu tun hatte, erwähnen. Auch Auslandserfahrung ist in den meisten Fällen ein Pluspunkt. Apropos Ausland: NGOs sind meistens global vernetzt und arbeiten an internationalen Projekten. Deswegen werden in der Regel sehr gute Englischkenntnisse vorausgesetzt. Oft wird sogar noch eine zweite Fremdsprache gewünscht. Mitarbeiter werden oft auf internationalen Stellenportalen gesucht, daher müssen schon die Bewerbungen auf Englisch verfasst sein. Auch die Bewerbungsgespräche finden zumindest in Teilen in der Fremdsprache statt. Schummeln ist also zwecklos.
Weitere Artikel