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Mercedes-Benz-Werk Marienfelde in Berlin-Brandenburg

Autos werden an der Spree zwar nicht gebaut. Aber diverse Unternehmen produzieren hier wichtige Teile, mit denen sie die Autohersteller beliefern – mit steigenden Mitarbeiterzahlen

Die Summe seiner Teile: Zahlreiche Ausstattungsteile für Autos werden aus Berlin an die Fabriken geliefert.          FOTO: DENIS_PROF / ISTOCK

Uwe Lehmann 

Berlin ist nicht Wolfsburg, Ingolstadt oder Sindelfingen. Dennoch ist die Hauptstadt ein wichtiger Standort für die Autoindustrie – auch wenn an der Spree keine Autos produziert werden. Das Mercedes-Benz-Werk Marienfelde ist mit mehr als 2500 Mitarbeitern beispielsweise einer der größten industriellen Arbeitgeber in der Region Berlin-Brandenburg. Das 1902 gegründete Werk ist Hightech-Standort für die Fertigung von Komponenten, die zur Verminderung von CO2-Emissionen beitragen, und das älteste noch produzierende Werk im Daimler-Konzern. Aber der Standort ist nicht nur als Arbeitgeber, sondern zugleich auch als Ausbildungsbetrieb ein Schwergewicht. So werden dort neben Kraftfahrzeugmechatronikern in System- und Hochvolt-Technik auch Kaufleute sowie Logistik-Fachkräfte ausgebildet.

Familienunternehmen mit Know-how

Auch bekannte Zulieferer wie Brose, ein Hersteller von Verstellsystemen für Sitze, Technik für Türen und Heckklappen, Elektromotoren und Antrieben, sind in der Hauptstadt engagiert. „Brose wurde 1908 in Berlin als Handelshaus für Automobilzubehör gegründet. Seit 2008 sind wir wieder dort vertreten. Das Werk in der Hauptstadt erwarb Brose im Rahmen der Akquisition von Siemens VDO“, erläutert Pressesprecher Christian Hößbacher.

Derzeit sind rund 200 Mitarbeiter bei Brose in Moabit angestellt, die über zwei Millionen Antriebe und Systeme zur Motorkühlung produzieren. Das Unternehmen beliefert damit nahezu alle namhaften Autohersteller. Außerdem hat das Familienunternehmen sein Know-how auf das E-Bike übertragen: Brose-Ingenieure haben ein innovatives Antriebssystem für Elektrofahrräder konzipiert, das seit 2014 in Berlin produziert wird. Der Zulieferer plant, den Umsatz mit den Pedelec-Antrieben innerhalb der nächsten zwei Jahre zu verdoppeln. Um dies zu ermöglichen, hat Brose erst kürzlich eine „Millioneninvestition“ in die Erhöhung der Fertigungskapazitäten getätigt.

Seit Ende 2012 entwickelt, produziert und montiert Weber Motor im neuen Werk in Bernau bei Berlin komplette Motoren und Antriebe. Ab dem Frühjahr 2014 hat auch Weber Automotive Produktionskapazitäten am Brandenburger Standort aufgebaut und bearbeitet hier für verschiedene Hersteller und Zulieferer beispielsweise Zylinderkurbelgehäuse und andere Motoren- und Getriebeteile. Insgesamt hat das Unternehmen bereits rund 30 Millionen Euro in modernste Fertigungstechnologie und neue Arbeitsplätze an dem noch jungen Standort investiert. In den nächsten Jahren sollen noch weitere 50 Millionen Euro nach Brandenburg fließen.

"Wir gehen von einem kontinuierlich steigenden Personalbedarf aus und suchen hauptsächlich Softwareentwickler und Marketingspezialisten"

Nana Ofosu, Leiterin Human Resources bei Vimcar

„Aktuell beschäftigen wir rund 200 Mitarbeiter in Bernau und bilden mittlerweile auch an diesem Standort aus – Mechatroniker, Maschinen- und Anlagenführer – , da es, wie überall in Deutschland, ein Thema ist, Fachkräfte zu gewinnen“, erklärt Carmen Amann, Assistant Manager bei Weber Automotive. Der Standort sei von langfristiger, strategischer Bedeutung.

Zulieferer leiden unter Fachkräftemangel

Dass der Fachkräftemangel auch in der Zuliefererbranche durchschlägt, kann man an einigen Zahlen des IHK-Fachkräftemonitors ablesen, der Angebot und Nachfrage bei bestimmten Berufen ausweist. So klafft etwa bei den Ingenieuren der Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik (hohe Qualifikation) eine Lücke von 11,5 Prozent zwischen Angebot und Nachfrage. Und auch bei den Ingenieuren für Maschinen- und Fahrzeugbau tut sich eine Lücke von 8,9 Prozent auf. Allerdings ist die Tendenz fallend.

Generell geht jedoch der Trend in der Branche verstärkt in Richtung Digitalisierung. Daher suchen alle Marktteilnehmer vor allem Softwareentwickler – und das nicht erst seitdem Volkswagen 2016 an der Spree sein VW Digital:Lab eröffnet hat. Zumal die etablierten Unternehmen gerade in Berlin zunehmend mit Start-ups und jungen Unternehmen der Digitalbranche konkurrieren.

Ein Beispiel ist das 2013 gegründete Unternehmen Vimcar, das ein elektronisches Fahrtenbuch entwickelt und sich auf Flottenmanagement spezialisiert hat. Am Kreuzberger Standort sind derzeit 95 Mitarbeiter beschäftigt, vor zwei Jahren waren es erst 45. „Wir gehen von einem kontinuierlich steigenden Personalbedarf aus und suchen hauptsächlich Softwareentwickler und Marketingspezialisten“, erläutert Nana Ofosu, Leiterin Human Resources bei Vimcar. Dabei werde es immer schwerer, die Stellen adäquat zu besetzen, zumal die Besonderheit des Produkts in Marketing, Vertrieb und Kundensupport deutschsprachige Mitarbeiter verlange.

Attraktivität der Stadt lockt Bewerber

„Bei Deutsch und Englisch ausgeschriebenen Stellen für ‚Business Intelligence‘ kommen aber auch über 150 Bewerbungen“, erklärt die Personalleiterin, die sowohl noch klassisch auf Messen und Veranstaltungen wie auch in Social Media und ähnlichen digitalen Kanälen nach Mitarbeitern sucht. Dabei helfe ihr auch, so die Personalerin, die Attraktivität Berlins als Metropole mit einem hohen Ausstoß motivierter Studienabgänger – auch wenn viele dann Berlin nur als temporären Wohnort und den Job als Lebensabschnittsstelle sähen.

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