Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Herbst 2019

Show „Break the Tango“ im Admiralspalast in Berlin-Mitte

Bei der Show „Break the Tango“ treffen lateinamerikanischer Tanz und ausdrucksstarker Streetdance aufeinander

Die Show avancierte in den vergangenen drei Jahren zu einem Welterfolg. FOTOS: RENÉ TANNER (2)

Martin Dassinnies  

Popkultur lebt von der Verschmelzung, vom Eklektizismus, dem Vermischen unterschiedlicher Stilrichtungen. Sie sucht ihre Inspiration in der Andersartigkeit von Dingen – und häufig in den Gegensätzen. Das zeigt sich in der Geschichte der Pop- und Rockmusik ebenso wie in den bildenden Künsten, im Theater, im Kino und im Tanz.

In der Show „Break the Tango“, die vor drei Jahren in Zürich ihre Premiere feierte, kombiniert der argentinische Choreograf German Cornejo unterschiedliche Ausprägungen des Tangos mit Elementen aus dem Streetdance.
Reservix
Schon seit seiner Kindheit hat Cornejo eine innige Beziehung zum Tango. „Meine Liebe zu diesem Tanz entdeckte ich im Alter von zehn Jahren“, sagt der Choreograf. „Meine Familie tanzte früher Tango bei Familientreffen. Die Magie der Verbindung zwischen den Körpern ist beim Tango für mich geradezu magisch. Wie zwei Menschen während des Tanzes verbunden werden können und sich ohne zu zögern wie eine Person bewegen, das hat mich von Anfang an in den Bann gezogen.“

Die Idee, Tango und Streetdance zu vermischen, entstand vor einigen Jahren in Zürich, als Cornejo dort mit einer anderen Show tourte und dem Produzenten Darko Soolfrank begegnete. Einige Treffen und Workshops später stand das Konzept fest: Die moderne Auslegung des Tangos – Musiker greifen dabei zum Beispiel auf Stilelemente des experimentellen House, Trip Hop und Drum ’n’ Bass zurück – lässt genügend Raum für weitere Einflüsse und Stilbrüche. „Nach einem Workshop in Argentinien beschlossen wir, das Projekt noch weiter auszubauen, einschließlich eines weiteren Tanzstils: Breakdance.“
           
Zwei Welten in einer packenden Symbiose Image 1
Cornejo und Soolfrank holten „Buz“ Meier, einen Breakdance-Choreografen aus Zürich, ins Team. „Break the Tango“ war geboren und entwickelte sich in den folgenden Monaten zu einer Performance, die visuelle Effekte, Licht- und Videoprojektionen mit Live-Musik und schweißtreibenden Choreografien verbindet. „Eine perfekte Balance zwischen beiden Tanzstilen zu finden, war kompliziert“, erzählt Cornejo rückblickend. „Da es sich bei Tango um einen Tanz mit starken Wurzeln handelt, ist die Grenze sehr fragil und dünn. Die Choreografie hätte leicht in Ausdruckslosigkeit versinken können.“ Was an den Anforderungen liegen mag, die der Breakdance mit sich bringt.

Technische Perfektion

Dessen Ursprünge liegen nicht wie beim Tango in der Geselligkeit und dem ausgelassenen Zusammensein von Menschen, sondern auf der Straße. Anfang der 70er-Jahre entwickelte sich in New York die Hip-Hop-Kultur. Vor allem im südlichen Teil des Stadtteils Bronx lebten viele Menschen unterschiedlicher Herkunft, oftmals ohne Arbeit und arm. Gerade den jungen Afroamerikanern bot das B-Boying, wie der Tanzstil in den 70-er- und frühen 80er-Jahren genannt wurde, eine Alternative zur Gewalt der städtischen Straßengangs. Entsprechend rau war der Breakdance. In seiner heutigen Form verlangt er den Tänzern vor allem akrobatische Höchstleistungen ab.

„Break the Tango“ führt beides zusammen: „Ich sehe es als eine Erweiterung beider Tänze“, sagt Cornejo. „Beide Stile sind kulturelle Phänomene und haben sich im Laufe der Jahre verändert, weil sich die Gesellschaft verändert hat. Heute haben wir die Möglichkeit, uns auf eine Weise auszudrücken, die vor einiger Zeit noch nicht möglich war. ,Break the Tango‘ ist eine Mischung aus zwei verschiedenen Welten und zeigt, wie feurig, explosiv und fesselnd die Kombination von Tango und Street sein kann.“

Vielleicht verwundert es deshalb nicht sonderlich, dass sich German Cornejo noch sehr genau an die erste Aufführung erinnern kann. Zu Beginn der Show herrschte absolute Stille. Auf Cornejo wirkte es so, als würde das Publikum jede einzelne Bewegung der Tänzer analysieren. „Aber dieser Moment dauerte nicht lange: Bevor wir mit dem ersten Song fertig waren, klatschten die Zuschauer stürmisch zum Beat!“
       

Termine

Admiralspalast
Friedrichstraße 101
Mitte
Tel: 030/22 50 70 00
www.admiralspalast.theater

Break The Tango
19.–24. November
Weitere Artikel