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Themenwelten Berliner Morgenpost
Kulturzeit - Herbst 2019

Berliner Philharmoniker unter Leitung Kirill Petrenkos

Kirill Petrenko legt als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker den Fokus auf Wiener Klassik und die klassische Moderne

Die Berliner Philharmoniker führten am Brandenburger Tor Beethovens neunte Sinfonie auf. FOTO: STEPHAN RABOLD

Martina Helmig  
  
Das Antrittskonzert war ein Ereignis der Superlative. Beethovens Opus magnum, die neunte Symphonie, stand auf dem Plan. „Seid umschlungen, Millionen“ – das galt wortwörtlich, denn Kirill Petrenko dirigierte nicht nur in der Philharmonie, sondern auch vor dem Brandenburger Tor.

Lange haben die Berliner Philharmoniker auf Kirill Petrenko gewartet. Vor mehr als vier Jahren haben sie ihn gewählt, dann mussten sie sich wegen seines Vertrags als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper gedulden. Vier Programme hat Petrenko seither mit den Philharmonikern einstudiert. Sie alle ließen aufhorchen. „Dieses Orchester hat eine Energiequelle in sich, die unglaublich ist. Ich als Dirigent muss damit richtig umgehen lernen“, sagte Petrenko auf der Jahrespressekonferenz der Philharmoniker. Nun ist er hier, und die Musiker sind voller Vorfreude. Der Russe ist der siebte Chefdirigent in der Geschichte des Orchesters. Noch pendelt er jedoch zwischen Berlin und München.
Koncerthaus Berlin
Petrenko gilt als zurückhaltender, leiser Maestro, der Plattenaufnahmen eher vernachlässigt. Bisher hat der 47-Jährige weniger als zehn CDs aufgenommen. Er scheut die Medien und gibt keine Interviews. Da unterscheidet er sich klar von seinem Vorgänger Sir Simon Rattle, dem Dirigenten mit Glamourfaktor.
Kirill Petrenko stammt aus dem sibirischen Omsk, einer Stadt, die nicht gerade für Musik bekannt ist, sondern als Verbannungsort. Dissidenten wie Fjodor Dostojewski ließ der Zar dort in Ketten legen. Petrenko hat eine Bilderbuchkarriere gemacht. Sein Vater arbeitete als Geiger und Dirigent, seine Mutter als Musikwissenschaftlerin. Mit elf Jahren debütierte Kirill Petrenko als Pianist mit den Omsker Symphonikern. 1990, mit 18 Jahren, siedelte er mit seiner Familie nach Österreich über und begann mit dem Dirigierstudium in Wien. Aufsehen erregte er 2001 in Meiningen mit Wagners „Ring des Nibelungen“, den er später auch in Bayreuth dirigierte. In Berlin kennt man ihn gut. Von 2002 bis 2007 war er Generalmusikdirektor der Komischen Oper. Überhaupt hat er sich bisher als Operndirigent einen Namen gemacht, nun muss er sich in das symphonische Repertoire hineinknien.
      
FOTO:STEPHAN RABOLD
FOTO:STEPHAN RABOLD
Kirill Petrenko kehrt nach seinem Engagement als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper nach Berlin zurück. FOTO: MONIKA RITTERSHAUS
Kirill Petrenko kehrt nach seinem Engagement als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper nach Berlin zurück. FOTO: MONIKA RITTERSHAUS
In Zukunft wird es bei den Berliner Philharmonikern wohl weniger zeitgenössische Musik, aber mehr Wiener Klassik, klassische Moderne und Opernrepertoire geben. Und natürlich das Kernrepertoire der Philharmoniker. Der Mahler-Tradition des Orchesters huldigt Petrenko mit den Aufführungen der vierten und sechsten Symphonie. In dieser Saison dirigiert er 39 Konzerte, drei Opernvorstellungen und zwei konzertante Opernaufführungen. Zu Beethovens 250. Geburtstag will er die „Missa solemnis“ und die Oper „Fidelio“ aufführen.

Das Beethoven-Jubiläum wird auch sonst im Mittelpunkt stehen, in der Jazz-Reihe und im Education-Programm ebenso wie beim zweitägigen Beethoven-Marathon. In seiner ersten Spielzeit wird der russische Dirigent mit den Philharmonikern auf Deutschland-Tournee gehen. 2020 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal. Aus diesem Anlass gibt Petrenko ein Konzert in Tel Aviv.
       
Während Sir Simon Rattles Neugier auf frisches Repertoire immer groß war, beschränkt sich Petrenko gern auf die großen Meisterwerke. Eher selten engagiert er sich für weniger bekannte Komponisten wie Josef Suk. Er pflegt ein konservativeres Musikverständnis. Petrenko sieht sich in der Kapellmeister-Tradition, als Handwerker, der hart und akkurat, mit Ernst und Hingabe arbeitet. Legendär ist seine präzise, detailverliebte und ständig fordernde Probenarbeit. Man darf gespannt sein, in welcher Weise er die Philharmoniker prägen wird. Selbstbewusst ist sein Wunsch: „Ich möchte meinen eigenen Klang, meine eigene philharmonische Welt kreieren.“
      

Termine

Philharmonie
Herbert-von-Karajan-Straße 1
Tiergarten
Tel.: 030/ 254 88-999
www.berliner-philharmoniker.de

Berliner Philharmoniker
unter Leitung Kirill Petrenkos
29.+30. Dezember, 20 Uhr, 31. Dezember, 17.15 Uhr
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