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Bachelor & Master und duale Studiengänge

Studiengang Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin (HfM)

Führende Opernregisseure haben ihr Handwerk an der Musikhochschule Berlin gelernt. Die bildet ab dem Wintersemester 2019 auch Dramaturgen für Musiktheater aus

„Neue Szenen IV“: so der Titel des Opern-Triptychons an der Deutschen Oper Berlin, das die Studierenden des Masterstudiengangs Musiktheaterregie inszeniert haben. FOTO: MAX ZERRAHN

Dagmar Trüpschuch 

Es ist der Tag der Opernpremiere von „Neue Szenen IV“ an der Deutschen Oper Berlin. Inszeniert, gesungen und gespielt wird die Uraufführung von Studierenden der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin (HfM). Seit Oktober 2018 haben die Sänger und Sängerinnen sowie das Orchester der HfM geprobt, drei Studierende des Masterstudiengangs Musiktheaterregie haben für das Opern-Triptychon jeweils ein Stück inszeniert. Eine große Herausforderung für die angehenden Regisseure und Regisseurinnen. „Sie müssen sich das Stück vorher aneignen“, sagt Claus Unzen, Leiter des Studiengangs Regie an der HfM Hanns Eisler. „Sie müssen sich den Inhalt erarbeiten, recherchieren, in welchem Kontext er angesiedelt ist, und sich dann überlegen, wie die Sänger und Sängerinnen den Inhalt gut rüberbringen können.“

Den Studiengang Musiktheaterregie gibt es an der HfM seit 1953, seit 1993 setzt sich Claus Unzen für die praxisnahe Ausbildung der Studierenden in Zusammenarbeit mit internationalen Opernhäusern ein. „Ich achte sehr darauf, dass meine Studierenden möglichst auch in dem Beruf arbeiten und damit Geld verdienen können“, sagt er. „Nicht wenige unserer Absolventen, die ich in den Jahren hier mit ausgebildet habe, nehmen heute leitende Positionen ein.“ Auch die Uraufführung „Neue Szenen“ in der Tischlerei an der Deutschen Oper Berlin hat er vor acht Jahren initiiert und betreut sie immer noch. Studierende können nicht früh genug damit anfangen, sich einen Namen in der Musikwelt zu machen. Eine öffentliche Aufführung trägt dazu bei.
Es ist ein kleiner, erlesener Studiengang mit insgesamt 18 Studierenden aus aller Welt, zwölf von ihnen im Bachelorstudiengang Regie und sechs Studierende im Masterstudiengang Musiktheaterregie. Regiestudierende müssen umfassende musikalische Kenntnisse schon mit zur Aufnahmeprüfung bringen. An der HfM lernen sie dann, eine Oper von A bis Z zu inszenieren, Projekte eigenständig zu entwickeln, damit sie später auch in der freien Szene Fuß fassen können. Neben dem Hauptfach Regie, in dem sie die handwerklichen Grundlagen lernen, nehmen die Regiestudierenden auch Unterricht in Schauspiel und Szenischem Sprechen, erlernen Grundlagen im Umgang mit Videoaufzeichnungen; aber auch Theorie wie Operngeschichte sowie Kostüm- und Bühnenbild in Geschichte und Gegenwart werden gelehrt.

Dramaturgen und Regisseure im Team

Claus Unzen von der HfM setzt sich für eine praxisnahe Ausbildung ein. FOTO: ERNST FESSELER
Claus Unzen von der HfM setzt sich für eine praxisnahe Ausbildung ein. FOTO: ERNST FESSELER
Ab dem Wintersemester 2019/20 bietet die HfM den neuen Studienzweig Produktionsdramaturgie für Musiktheater an. Die Studierenden können entscheiden, ob sie sich innerhalb des Studiengangs Musiktheaterregie auf Regie oder Dramaturgie spezialisieren wollen. „Wir realisieren manchmal 16 Produktionen im Jahr, da kam bei den Studierenden der Wunsch auf, mit Dramaturgen zusammenarbeiten zu können. Diese Dramaturgen bilden wir jetzt selbst aus“, begründet Unzen die Entscheidung, diesen Studienzweig einzuführen. Dramaturgen begleiten eine Opernproduktion vom Anfang bis zum Ende, sind schon bei den Proben dabei. Dadurch, dass sie nicht selber inszenieren, bewahren sie den Blick von außen und sind wichtige Gesprächspartner der Regisseure. An vielen Opernhäusern sind sie zudem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und gestalten die Programmhefte. „Jeder interpretiert die Tätigkeit des Dramaturgen anders“, sagt Unzen. Die Ausbildung an der HfM konzentriert sich jedoch auf die musikalisch-szenischen Facetten des Berufs. „Mir geht es um die inhaltliche Arbeit“, sagt Unzen, der den Ruf der Zeit gehört hat. „Dieser Zweig gewinnt in Opernhäusern zunehmend an Bedeutung“, sagt er.

Bewerber sollten einen Bachelorabschluss beispielsweise in Philosophie oder Musikwissenschaften vorweisen können und musikalisches Talent haben, denn auch Regie und Dramaturgie sind musikalische Studiengänge.

Gemeinsam mit dem Regisseur arbeitet der Dramaturg daran, dass die Inszenierung die Wirkung erzielt, die der Regisseur angedacht hatte. Beide reflektieren die Inszenierung auf Augenhöhe, um ein gutes Ergebnis zu produzieren. „Man braucht Auseinandersetzung für den kreativen Prozess“, sagt Unzen. Die von der HfM ausgebildeten Dramaturgen werden später eine Opernproduktion komplett begleiten können. Sie begleiten schon während ihres Studiums die Proben an der HfM, bereiten sie vor, werten sie aus und durchlaufen ein Praktikum bei einem Kooperationspartner – zurzeit die Staatsoper, die Deutsche Oper und die Bayreuther Festspiele. „Wir wollen den Beruf vorantreiben“, sagt Claus Unzen. „Und ich hoffe, dass künftig Regisseure und Dramaturgen im Team auftreten.“

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