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Professorin Jutta Rump zur Brückenteilzeit: seit 1. Januar 2019

Einmal Teilzeit, immer Teilzeit – damit soll nun Schluss sein. Für wen sich das neue Modell eignet

Manchmal scheinen die Uhren zu schnell zu ticken. FOTO: ISTOCK / SIPHOTOGRAPHY

Anke Dankers 

Mehr Zeit für Familie, Hobbys oder private Weiterbildung: Was klingt wie „Wünsch-dir-was“, soll mit der Brückenteilzeit Realität werden. Seit 1. Januar 2019 greift die neue Regelung, die der sogenannten Teilzeitfalle entgegenwirken soll. Arbeitnehmer können für ein bis fünf Jahre Teilzeit beantragen, danach kehren sie automatisch in ihre vorherige Arbeitszeit zurück. 

Für den Freiraum auf Zeit gelten jedoch einige Voraussetzungen. So haben beispielsweise nur Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als 45 Beschäftigten Anspruch auf Brückenteilzeit. In Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern muss nur ein Antrag pro 15 Beschäftigte bewilligt werden. Abgelehnt werden kann auch aus einem betrieblichen Grund. „Dieser liegt vor, wenn die Verringerung der Arbeitszeit die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßige Kosten entstehen“, sagt Thomas Beck von der Initiative Neue Qualität der Arbeit, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert wird.
Um wie viel Prozent die Arbeitszeit reduziert werden darf, ist nicht festgeschrieben. „Es gilt nicht nur für Vollzeitbeschäftigte“, erklärt Marta Böning, Juristin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Auch wenn ich 30 Stunden in der Woche arbeite, kann ich weiter reduzieren.“ Wer in befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigt ist, sollte nachrechnen, ob sich die Brückenteilzeit lohnt. Wichtig zu wissen: „Es gibt keine Lohnersatzleistungen in dieser Zeit.“ Mit dem Teilzeitrechner des BMAS können Interessierte prüfen, wie das ihre finanzielle Situation verändern würde.

Es hilft, die Beweggründe zu erklären

Weniger Geld, aber mehr Zeit – Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen hält die Brückenteilzeit für einen guten Weg, um „in Balance zu bleiben und unterschiedliche Lebenssituationen miteinander zu vereinbaren“. Menschen, die etwa familiäre Verpflichtungen hätten, könne das Modell mehr Planungssicherheit geben. Rump empfiehlt, die Pläne frühzeitig zu kommunizieren. Dabei könne es helfen, die Hintergründe zu erklären, auch wenn sie rechtlich irrelevant sind. „Das hat nichts mit Rechtfertigung zu tun, sondern mit Information und Verständnis. Man sollte mit Augenmaß daran gehen und signalisieren, dass man die Kollegen weiterhin unterstützt.

„Ich kann mir vorstellen, dass nicht wenige sagen, dass die Rückkehr in die Vollzeit sogar eine Entlastung ist“

Jutta Rump,
Professorin am IBE

„Zum Faulenzen werde die Brückenteilzeit in den seltensten Fällen genutzt, ist die Professorin überzeugt. „Ich kann mir vorstellen, dass nicht wenige sagen, dass die Rückkehr in die Vollzeit sogar eine Entlastung ist, weil sich die Stresssituation im privaten Bereich normalisiert hat.“

Wie sich die Brückenteilzeit in der Praxis entwickelt, werde sich zeigen, so Juristin Böning. „Wir haben noch keine Erfahrung mit dem Anspruch und insbesondere mit einer möglichen Ablehnung durch die Arbeitgeber.“

Nachrichten

UMFRAGE

Stress am Arbeitsplatz häufig Tabuthema

MÜNCHEN – Nur ein Drittel (34 Prozent) der Festangestellten kann mit Kollegen offen über mentales Wohlbefinden sprechen. Das ergab eine You-Gov-Umfrage im Auftrag des Berufsnetzwerks LinkedIn. Mit dem Arbeitgeber kann sich ein Viertel der Befragten offen über Stress austauschen. Verständnis für psychische Probleme am eigenen Arbeitsplatz sieht nur knapp jeder Fünfte (23 Prozent). dpa

UNFALLVERSICHERUNG

Schutz nur auf tatsächlichem Arbeitsweg

BERLIN – Wer den Arbeitsweg zu privaten Zwecken unterbricht, genießt im Falle eines Unfalls nicht den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Darauf weist Rechtsanwalt Swen Walentowski vom Deutschen Anwaltverein hin. Ein Umweg wegen privater Dinge – etwa um einen Brief einzuwerfen oder Brötchen zu holen – unterbreche den Arbeitsweg, so dass beim Unfall kein Arbeitsunfall vorliege. dpa

NEUER STUDIENGANG

Akademischer Einstieg in den Pflegeberuf

BERLIN – Ab dem Sommersemester 2020 bietet die Alice Salomon Hochschule in Berlin den Studiengang Pflege an. In acht Semestern erwerben Studierende den Bachelor of Science sowie die staatliche Anerkennung als Pflegefachfrau-/mann. Absolventen finden etwa Anstellung in Kliniken, Pflegeheimen oder im Qualitätsmanagement. Die Bewerbung für das Sommersemester ist bis 15. Januar möglich. dpa

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