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Themenwelten Berliner Morgenpost
Karriere: Ausbildung & Studium 2019

Und was kommt nun?

Viele junge Menschen haben nach dem Schulabschluss noch keine Idee, was sie machen sollen: Studium oder Ausbildung, chillen oder jobben? Ein Coach kann helfen

Schule fertig – und nun? Aus den vielen Möglichkeiten zu wählen, ist für manche nicht ganz einfach.. DPA/ZEITGEIST IMAGES

SIMONE JACOBIUS 

Die Schulzeit neigt sich dem Ende zu, ein neuer Lebensabschnitt steht bevor. Doch statt sich zu freuen, sind viele Schüler ratlos. Sie haben keine Idee, was sie mit dem Schulabschluss in der Tasche machen sollen: ein Studium, eine Ausbildung oder doch lieber eine Auszeit oder ein soziales Jahr? Immerhin soll die Entscheidung ja das künftige Leben bestimmen …
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Schon allein an deutschen Hochschulen und Universitäten werden 16.000 unterschiedliche Studiengänge angeboten. Dazu kommen noch mehrere Tausend unterschiedliche Berufsausbildungen. Da ist die Qual der Wahl enorm. „Von der Vielfalt, die es heute gibt, kennen die Schüler nur einen Bruchteil. An den Schulen wird die Berufsvorbereitung immer noch zu wenig vermittelt“, weiß Bärbel Engelmann, die Berufs- und Studienberatungen anbietet und als Coach arbeitet. Außerdem käme hinzu, dass in vielen Fächern schlichtweg der Praxisbezug fehle.
Bärbel Engelmann rät auf jeden Fall davon ab, nach der Schulzeit nur die Füße hochzulegen. Das ginge für eine begrenzte Zeit nach der Prüfung, vielleicht ein Vierteljahr und für besonders gestresste junge Menschen auch ein halbes Jahr. Aber dann sollte eine Entscheidung gefällt werden, sonst käme man aus dem Lernen heraus. „Jeder muss ganz individuell für sich herausfinden, welcher Weg bis zur Entscheidung für Job oder Studium der richtige ist: Praktika, Jobben, Auslandsaufenthalt oder Freiwilliges Jahr“, rät sie. Gerade ein Auslandsaufenthalt würde die jungen Menschen selbstständiger und oft entscheidungsfreudiger machen, meint sie, „ganz zu schweigen von den Fremdsprachenkenntnissen, die immer wichtiger werden“.

„An den Schulen wird die Berufsvorbereitung immer noch zu wenig vermittelt“

Bärbel Engelmann, Berufs- und Studienberatung

Die meisten Jugendlichen, die zu ihr kommen, sind Abiturienten. „Ich sage ihnen immer, es ist keine Entscheidung fürs Leben, die sie treffen müssen. Sie stellen mit ihrer Entscheidung nur die Weichen für die nächsten Jahre. Das nimmt etwas Druck raus“, sagt die Coachin. Es gäbe genügend Möglichkeiten abseits von Abitur und Studium. „Man kann heutzutage jederzeit umsatteln, als Quereinsteiger woanders reinrutschen oder auf dem zweiten Bildungsweg einen Abschluss nachholen.“ Sie weiß, wovon sie spricht, hat sie doch selbst zuerst eine Ausbildung gemacht, bevor sie ein BWL-Studium und später noch die Ausbildung zum Coach absolviert hat.

Bärbel Engelmann erarbeitet ein Profil der Klienten, das ihre Stärken, Schwächen und Neigungen widerspiegelt. Abgefragt wird neben Noten und Schulabschluss auch, was ihnen an der Schule Spaß gemacht hat, welche Wünsche sie haben. „Ich versuche, herauszukitzeln, wofür die Schüler sich interessieren. Denn das ist wichtiger als ihre Fähigkeiten. Nur wer Interesse am künftigen Beruf hat, macht die Ausbildung auch zu Ende“,weiß sie aus Erfahrung. Für die Stärken- und Schwächen-Analyse sollen die Klienten mit Eltern, Verwandten, Freunden und Bekannten reden –wo sehen andere die Stärken oder welche Defizite erkennen sie. Alles zusammen bildet für die Coach in die Grundlage für eine ausführliche Auswertung. Daraus leitet sie dann zehn konkrete Vorschläge ab.

Tipps

 Bärbel Engelmann hat drei wichtige Tipps für Schulabgänger:

1. Fang kein Studium an, bevor du den Beruf nicht mindestens einmal praktisch ausprobiert hast. Die meisten „Unbedarften“ brechen das Studium sonst spätestens nach drei Semestern ab. Die Zahl der Studienabbrecher liegt übrigens bei etwa 25 Prozent.

2. Setz dich intensiv mit allen Themen rund um deine Berufs-/Studienwahl auseinander.

3. Lerne, zu differenzieren: Wenn du in einem Praktikum schlechte Erfahrungen aufgrund unsympathischer Kollegen gemacht hast, ist das eine Erfahrung. Nicht gleich auf alle anwenden. Bei einem anderen Arbeitgeber kann der gleiche Job vielleicht richtig Spaß machen.
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