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Themenwelten Berliner Morgenpost
Karriere: Ausbildung & Studium 2019

Tickt die noch richtig?

Uhrmacher lernen in drei Jahren alles, was sie über Bau und Reparatur von Zeitmessern wissen müssen

Ausbilder Wolfgang Mayer (l.) unterrichtet Uhrmacherlehrling Jonas Küblbeck. Voraussetzung für den Job sind handwerkliches Geschick und Verständnis für Technik. FOTOS: ARMIN WEIGEL/DPA-TMN (2)

VON SABINE MEUTER

Die Uhr tickt nicht mehr. Aber woran liegt es? Dieser Frage geht Jonas Küblbeck nahezu täglich nach. Der 20-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Uhrmacher bei der Firma Damasko in Regensburg. Inzwischen hat er Routine darin, die unterschiedlichsten Uhren in ihre Einzelteile zu zerlegen, um herauszufinden, warum sie stehen geblieben sind. Das Tüfteln mit Lupe und Mini-Werkzeugen an teils winzigen Bestandteilen gefällt Küblbeck. „Es ist toll, ohne den neuesten Schnickschnack etwas mit den Händen zu schaffen.“

Nachdem Küblbeck den Fehler in einer Uhr behoben hat, muss er sie reinigen, wieder zusammensetzen und schließlich justieren. Bei älteren Exemplaren fertigen Uhrmacher Einzelteile wie Zeiger, Hebel oder Federn mitunter noch selbst an.

Häufig kommen aber auch industriell vorgefertigte Elemente zum Einsatz. Die Reparatur von Uhren, die mehrere Hundert Jahre alt sind, gehört ebenso zum Alltag wie der Umgang mit digitalen Modellen.

„Ein gutes technisches Verständnis für die Zusammenhänge innerhalb eines Uhrwerks und handwerkliches Geschick sind für den Beruf unabdingbar“, sagt Albert Fischer vom Zentralverband für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik mit Sitz in Königstein im Taunus. Auch Fingerspitzengefühl ist wichtig im Umgang mit den Bestandteilen der Uhr, die meist nur wenige Millimeter groß sind.

Absolventen jeder Schulart wählen diese Ausbildung

Die meisten Ausbildungsbetriebe und Vollzeitschulen erwarten mindestens einen qualifizierten Hauptschulabschluss. Der Beruf ist aber auch bei Abiturienten relativ beliebt. Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit besitzen zwischen 41 und 49 Prozent der Auszubildenden die Hochschulreife.

Bewerber müssen Geduld mitbringen: Oft dauert es, den Fehler in einem defekten Uhrwerk zu finden. Es kann an einer leeren Batterie oder an einem beschädigten Zahnrad liegen. „Die Suche nach dem Fehler ist immer spannend“, erzählt Küblbeck.
Die Ausbildung zum Uhrmacher wird sowohl von Reparaturwerkstätten als auch in der industriellen Herstellung von Uhren angeboten. Im Handwerk fällt – im Gegensatz zur Industrie – kein Schichtdienst an. Ein Nachteil des Berufs: Das Jobangebot ist begrenzt. Ausgelernte Uhrmacher müssen unter Umständen in eine andere Stadt ziehen.

Was aber nicht heißt, dass die Aussichten in ihrer Gesamtheit schlecht wären. Im Gegenteil: Uhrmacher würden inzwischen weltweit gesucht, sagt Albert Fischer. Das wird sich nach seiner Einschätzung bei allem technischen Fortschritt auch in absehbarer Zeit nicht ändern. „Es wird definitiv immer einen sehr großen Markt an Groß- und Kleinuhren geben, teilweise bereits über Generationen weitervererbt, die repariert oder gewartet werden müssen.“ Derzeit beginnen laut Fischer bundesweit pro Jahr etwa 100 Jugendliche eine Ausbildung zum Uhrmacher.

Zwei Modelle: dual oder an einer Berufsfachschule
Die Arbeit als Uhrmacher erfordert viel Fingerspitzengefühl
Die Arbeit als Uhrmacher erfordert viel Fingerspitzengefühl
Die Ausbildung zum Uhrmacher dauert drei Jahre. Sie kann dual absolviert werden, also in Lehrbetrieb und Berufsschule. Andererseits können Interessierte den Beruf aber auch in Vollzeit an einer Uhrmacherschule erlernen. In Berlin und Potsdam gibt es allerdings keine. Die nächstgelegene befindet sich im sächsischen Glashütte. Die Uhrmacher-Innung der Region Berlin-Frankfurt/Oder-Potsdam veröffentlicht online eine Liste der Schulen, die in Deutschland die Ausbildung anbieten (uhrmacher-innung.de).

Die Ausbildung vermittelt den angehenden Fachleuten, wie sie Uhren auf ihre Ganggenauigkeit oder Wasserdichtheit prüfen, und wie sie nach dem Zerlegen einer Uhr Lager- und Reibungsstellen kontrollieren. Vor dem Zusammensetzen müssen sie die Einzelteile schmieren. Während im Handwerk und in Servicecentern vor allem Reparaturen im Fokus stehen, geht es in der Industrie um die Serienfertigung von Uhren.

Als Beispiele für die Vergütung gibt die Bundesagentur für Arbeit im ersten Lehrjahr in der Industrie rund 1040 Euro an, im dritten Jahr etwa 1200 Euro. Das Ausbildungsgehalt kann aber auch deutlich darunterliegen. In der vollschulischen Ausbildung erhält der Lehrling keine Vergütung. Allerdings fällt in der Regel auch kein Schulgeld an. Nach der Ausbildung beträgt das vom Zentralverband empfohlene Einstiegsgehalt im Handwerk mindestens 2050 Euro brutto.

Wer weiterkommen will, kann die Prüfung zum Uhrmachermeister ablegen. Dann besteht die Möglichkeit, sich mit einem eigenen Betrieb selbstständig zu machen. Alternativ kann ein Meister Werkstattleiter oder Geschäftsführer werden. Jonas Küblbeck, der vor der Ausbildung das Abitur gemacht hat, könnte auch studieren. Maschinenbau wäre eine Option. Zunächst will er aber im Uhrmacherhandwerk Erfahrungen sammeln. Davon profitiert auch sein Großvater. „Als ich seine alte Standuhr wieder zum Laufen gebracht habe, hat ihn das wahnsinnig gefreut“, erzählt Küblbeck.

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