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Themenwelten Berliner Morgenpost
Karriere: Ausbildung & Studium 2019

Rechte und Regeln in der Probezeit

Zwischen Lehrling und Betrieb muss die Testphase ein bis vier Monate dauern

In der Probezeit lernen sich Arbeitgeber und neuer Mitarbeiter erst einmal kennen. Wird gekündigt, liegt es selten an der Qualifikation, sondern eher daran, dass der Kollege nicht gut ins Team passt. FOTO: GABBERT/DPA-TMN

VON PAULINE SICKMANN

Nach einem langen Bewerbungsverfahren hat sich der Arbeitgeber endlich entschieden. Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben, und der erste Arbeitstag steht an. Doch sicher ist der neue Job auch dann noch nicht. Denn am Anfang steht meistens eine Probezeit. „Sie ist ein Instrument für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, um sich besser kennenzulernen“, erklärt Britta Beate Schön, Rechtsexpertin des Verbraucherportals Finanztip.

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Probezeit allerdings nicht. Und wenn es sie gibt, ist auch die Dauer nicht festgelegt, sondern kann individuell vereinbart werden, wie Schön erklärt. In der Regel wird eine Probezeit von sechs Monaten angesetzt, nicht länger. Denn nach einem halben Jahr im neuen Job können sich Arbeitnehmer auf das Kündigungsschutzgesetz berufen.

Eine Ausnahme stellen hierbei die Ausbildungsverhältnisse dar. Zwischen Lehrbetrieb und Lehrling muss die Probezeit mindestens einen Monat lang sein. Die Höchstdauer sind vier Monate.

Wird eine Probezeit zwischen Betrieb und Mitarbeiter vereinbart, verkürzt diese für den festgelegten Zeitraum die Kündigungsfrist für beide Seiten auf zwei Wochen, erklärt Christian Michels, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Eine Verlängerung der Probezeit über die sechs Monate hinaus ist auch im Krankheitsfall nicht erlaubt. Wenn allerdings eine kürzere Probezeit vereinbart wurde, kann sie auf bis zu sechs Monate verlängert werden.

Wer gerade einen neuen Job begonnen hat, will in der Probezeit nicht unbedingt krank werden. Falls das aber doch passiert, muss sich der Arbeitnehmer auch in der Probezeit unverzüglich krank melden und gegebenenfalls ein Attest vom Arzt vorlegen. Er bekommt trotzdem Geld: Ab dem zweiten Monat im neuen Job gilt die Entgeltfortzahlung. „In den ersten vier Wochen springt die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein“, erklärt Britta Schön.
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Viele glauben fälschlich, es gibt eine Urlaubssperre

Auch Urlaub dürfen Arbeitnehmer während der Probezeit nehmen. „Viele haben noch in den Köpfen, dass in der Probezeit eine Urlaubssperre gilt“, sagt Schön. Das stimmt aber nicht. Zwar haben Mitarbeiter nicht sofort den vollen Jahresurlaub zur Verfügung. Aber: In den ersten sechs Monaten erwerben Beschäftigte pro Monat ein Zwölftel ihres Jahresurlaubs, und den dürfen sie auch nehmen. „Arbeitgeber sind heute froh, wenn Mitarbeiter in der Probezeit ein paar Tage Urlaub nehmen“, sagt Schön. Denn sonst staue sich der gesamte Urlaub im Rest des Jahres.

Eine Besonderheit in der Probezeit: Wird einem Arbeitnehmer während der ersten sechs Monate des Arbeitsverhältnisses gekündigt, benötigt der Arbeitgeber keinen Kündigungsgrund, erklärt Arbeitsrechtler Christian Michels. Denn das Kündigungsschutzgesetz greift erst, wenn ein Mitarbeiter mindestens sechs Monate beschäftigt ist. „Erst nach Ablauf dieser Zeit muss ein Arbeitgeber, der in einem Betrieb mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt, einen Kündigungsgrund haben.“ Diese Regelung gilt auch, wenn keine Probezeit vereinbart wurde.

In speziellen Situationen genießen Arbeitnehmer aber einen besonderen Kündigungsschutz schon vor Ablauf der sechs Monate. So besteht zum Beispiel bei einer Schwangerschaft ein Kündigungsverbot seitens des Arbeitgebers bereits ab dem ersten Tag der Beschäftigung. „Die Schwangere muss aber den Arbeitgeber von der Schwangerschaft unverzüglich informieren und eine Kündigungsschutzklage einreichen“, erklärt der Anwalt.
Christian Michels ist Rechtsanwalt. FOTO: TANJA NITZKE
Christian Michels ist Rechtsanwalt. FOTO: TANJA NITZKE
Wer glaubt, dass ihm in der Probezeit zu Unrecht gekündigt wurde, kann dagegen gerichtlich vorgehen. So könne schon eine falsche Unterschrift oder eine fehlerhafte Betriebsratsanhörung die Kündigung unwirksam machen, sagt Christian Michels. „Bei allen Kündigungen ist vor allem schnelles Handeln das A und O, denn es laufen sehr kurze Fristen.“ Wird eine Kündigung beispielsweise nicht innerhalb von drei Wochen nach dem Zugang gerichtlich angegriffen, gilt sie in den meisten Fällen als wirksam, und der Arbeitsplatz ist verloren.

Was für einen guten Einstieg entscheidend ist

Wird einem Arbeitnehmer während der Probezeit gekündigt, liegt das häufig nicht an seinen fachlichen Qualitäten, meint Karriereberaterin Doris Brenner. „Die können im Vorstellungsgespräch gut überprüft werden.“ Aber ob jemand auch menschlich zum Unternehmen passt, stelle sich erst nach einiger Zeit heraus. Deshalb rät sie, den Fokus während der Probezeit nicht nur auf das Fachliche zu legen, sondern sich vor allem gut in das Team zu integrieren. „In der Probezeit sollte man offen auf andere zugehen und sich selbst als neues Teammitglied verstehen“, sagt sie. Dazu gehöre, die Bereitschaft zu zeigen, den Arbeitsalltag aktiv mitzugestalten. Das gehe bereits vor dem ersten Tag im neuen Job. So könne man Vorgesetzten beispielsweise anbieten, schon vor Beginn des Arbeitsverhältnisses zu einer wichtigen Sitzung zu kommen. Oder der Neue bittet darum, schon vorab fürs Intranet freigeschaltet zu werden. „Je deutlicher man das sagt, desto eher bekommt der Arbeitgeber das mit“, sagt Brenner. Und das macht einen guten Eindruck.

Hilfreich sei es außerdem, ab dem ersten Tag im neuen Job eine Art Logbuch zu führen. „Am Abend kann man dann den Tag noch einmal Revue passieren lassen, sich die Namen von Kollegen, Merkhilfen oder Fragen notieren“, empfiehlt die Karriereberaterin. Das sei ein schöner Tagesabschluss und zeige einem die Fortschritte, die man bereits gemacht hat.

Auch mögliche Verbesserungsideen könne man in dem Logbuch notieren und nach einiger Zeit im neuen Job ansprechen. Denn für die ersten Wochen gilt laut Doris Brenner: „Klappe halten, Ohren auf.“

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