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Karriere: Ausbildung & Studium 2019

Kollege gesucht 

Die SHK-Innung braucht dringend Nachwuchs und wünscht sich mehr Frauen für den Hightech-Beruf

Wenn die Heizung richtig eingestellt ist, trägt das auch zum Umweltschutz bei. PA/RIEGG UND PARTNER

SIMONE JACOBIUS 

Die Auftragslage für das SHK-Handwerk ist gut, zu gut. Und sie offenbart eines: Es fehlt an Fachhandwerkern. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (SHK) hat deshalb in seinem Fachmagazin im November 2018 den Fachkräftemangel zum Brennpunktthema gemacht. Es zeigt auf, welches Potenzial in dem Beruf steckt, aber auch, wo sich etwas ändern muss – nämlich in der Bildungspolitik.

„Wir brauchen ein klares Bekenntnis zum Fachhandwerk. Denn ohne die SHK-Spezialisten von morgen lassen sich weder ambitionierte Klimaziele erreichen noch genügend Wohnraum schaffen, um Millionen Menschen auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen“, wird Frank Ebisch, Bereichsleiter Kommunikation im Zentralverband SHK, in dem Artikel zitiert.
 WGLi
Andreas Koch-Martin ist als Leiter des Kompetenzzentrums und stellvertretender Geschäftsführer der Innung in Berlin dicht dran am Geschehen: „Wir sind der absolute Engpassberuf im Handwerk und könnten locker 30 Prozent mehr einstellen.“ Etwa 410 junge Menschen absolvieren zurzeit die Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK, nur 1,3 Prozent davon sind Frauen. „Sie gehören aber immer zu den Besten, deswegen wäre es schön, wenn sich noch mehr Frauen den Beruf zutrauen würden“, sagt er. Ein Problem sei auch die hohe Abbrecherquote. Während im Bundesgebiet ein Viertel der Azubis aller Berufsgruppen ihre Ausbildung abbricht, sind es in Berlin 35 Prozent und in den Handwerksberufen sogar mehr als 40 Prozent. „Das wollen wir uns nicht länger angucken und entwickeln Strategien, um dagegen vorzugehen. Die Betriebe verlieren die Lust am Ausbilden, volkswirtschaftlich ist das nicht zu vertreten, und im Lebenslauf der Azubis macht sich das auch nicht gut“, zählt Koch-Martin die Gründe auf. Die begleitenden Gesellen stellen seiner Meinung nach eine wichtige Größe dar – sie sollen die Azubis nicht nur anleiten, sondern auch begeistern, sie motivieren und ihre Fragen klären. Ein Pilotprojekt in Tempelhof, wo sich Gesellen zum regelmäßigen Austausch treffen, zusammenarbeiten und netzwerken, könnte einen Umbruch bringen.
Große Heizungsanlagen oder komplizierte Bewässerungssysteme: Manchmal muss da auch gelötet werden. PA/CLAUDIA DRESCHER
Große Heizungsanlagen oder komplizierte Bewässerungssysteme: Manchmal muss da auch gelötet werden. PA/CLAUDIA DRESCHER
Eine andere Methode zur Nachwuchsgewinnung könnte das Berufsabitur innerhalb von vier Jahren sein, was die SHK-Innung als eine der ersten eingeführt hat. Damit könnten vor allem junge Frauen angesprochen werden. „Komplexe technische Systeme zu beherrschen ist inzwischen wichtiger, als eine Toilette vier Etagen hochschleppen zu können. Für Letzteres findet sich immer eine Lösung“, sagt Koch-Martin. Ansonsten ist die Innung auf allen Jobbörsen dabei und bietet Fortbildungen für die Mitarbeiter der Jobcenter an, die häufig keine Vorstellung von der Vielfältigkeit des Berufs haben.

Im Zeichen von Effizienz und Umweltschutz

Denn der Beruf ist spannend und hat Zukunft. Bis 2003 waren die Ausbildungen Heizungsbauer und Sanitärinstallateur noch getrennt. Inzwischen ist alles unter dem Begriff SHK-Anlagenmechaniker vereint. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung, in der komplexe Systeme erlernt werden müssen. „Mittlerweile handelt es sich um einen hochanspruchsvollen Beruf, der in den Hightech-Bereich geht und auch einen wichtigen Baustein zum Umweltschutz liefert“, so der Ausbildungsleiter. Es ist der Handwerksberuf, der bereits voll im digitalen Zeitalter angekommen ist. Koch-Martin kann sich vorstellen, dass bald die Hausbesitzer aus der Ferne mittels VR-Brille zur Selbstreparatur ihrer Heizung angeleitet werden. Auch das Handy spielt eine immer größere Rolle im Technikbereich, wenn man beispielsweise an Smarthomes denkt, wo alles von außerhalb gesteuert werden kann. Anlagenmechaniker sind zudem Fachleute in Sachen Gebäudesanierung, aber auch in der Effizienzsteigerung bei der Nutzung von Energie. Denn das SHK-Handwerk beschäftigt sich nicht nur mit tropfenden Wasserhähnen oder verstopften Toiletten. Klimaanlagen und komplizierte Heizungsanlagen gehören genauso dazu, wie die Fotovoltaik- oder Solaranlage auf dem Dach oder die Erdwärmepumpe im Garten. Aber auch die Konzeption und Gestaltung schöner Bäder gehört zum Aufgabenbereich dazu.


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