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Themenwelten Berliner Morgenpost
Karriere: Ausbildung & Studium 2019

„Eigentlich ist es der tollste Job der Welt“

Mehr als 30 Studiengänge zum Thema Umwelt gibt es, aber auch Quereinsteiger haben bei den NGOs eine Chance

Die Trockenheit in diesem Jahr machte den Landwirten sehr zu schaffen. PA/HAUKE-CHRISTIAN DITTRICH

CHRISTINE PERSITZKY  

Umweltaktivisten im Hambacher Forst, internationale Klimaverhandlungen in Kattowitz, gehäufte Wetterextreme mit wochenlangen Hitzeperioden oder winterlichem Schneechaos – der Klimawandel und seine Begleiterscheinungen waren in der öffentlichen Wahrnehmung lange nicht so präsent wie heute. Wer nicht nur im Privatleben etwas für den Klimaschutz tun, sondern das Thema zum Beruf machen möchte, hat im Raum Berlin-Brandenburg viele Möglichkeiten.

Mehr als 30 Bachelor- und Master-Studiengänge zu den Themen Umwelt, globaler Wandel, Nachhaltigkeit oder regenerative Energien bieten die Universitäten und Fachhochschulen in und um Berlin an. Die Schwerpunkte sind sehr unterschiedlich – sich vorab über Studieninhalte zu informieren und sich die eigenen Ziele klarzumachen, lohnt sich daher.
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Die Technische Universität Berlin bietet den Bachelor- und Master-Studiengang Technischer Umweltschutz an. Verfahren, Methoden und Strategien, mit denen sich Umweltschäden, Umweltrisiken und Umweltbelastungen erkennen, beurteilen und vermeiden lassen, stehen im Fokus dieses naturwissenschaftlich und mathematisch geprägten Ingenieurstudiums.

Umfassende Kenntnisse im Management natürlicher Ressourcen unter den Bedingungen des globalen Wandels vermittelt der Master-Studiengang Global Change Management an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Wie lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels oder des Verlustes der Artenvielfalt abmildern? Wie könnte die Anpassung an diese weltweiten Veränderungen aussehen? Dies sind Fragen, mit denen sich die Studierenden in vier Semestern beschäftigen.

Im Rahmen des Politikwissenschaftsstudiums an der Freien Universität Berlin kann man auch Lehrveranstaltungen des Forschungszentrums für Umweltpolitik (FFU) besuchen.
Im Sommer die Dürre, im Winter die Schneemassen.ISTOCKPHOTO/SNOWFLOCK
Im Sommer die Dürre, im Winter die Schneemassen.ISTOCKPHOTO/SNOWFLOCK
Im internationalen, englischsprachigen Master-Studiengang Global Change Geography der Humboldt-Universität dagegen stehen der globale Wandel und seine Auswirkungen auf das Mensch-Umwelt-System im Vordergrund. „Wir arbeiten mit einem sehr quantitativen Ansatz“, erklärt Studienberater Sebastian van der Linden. „Man muss sich schon gerne mit Zahlen, Daten und Modellen beschäftigen, um hier zu studieren.“

Fachstudium für Einstieg bei NGO nicht zwingend

Jobs im ThemenfeldKlimawandel bieten Behörden, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Institutionen. Vor allem NGOs, also Nicht-Regierungs-Organisationen, sind als Arbeitgeber beliebt. Ein spezifisches Fachstudium ist nicht immer zwingende Voraussetzung für den Einstieg. „Es gibt nicht den einen Studiengang, der einen dafür prädestiniert“, sagt Eva Schmid, Teamleiterin Deutsche und Europäische Klimapolitik bei Germanwatch. Unter ihren Kollegen seien Geografen, Sozialwissenschaftler, Volkswirtschaftler oder Politologen, auch vereinzelt Juristen und Naturwissenschaftler. Wichtig seien die Softskills, die man für die politische Advocacy-Arbeit, die Lobbyarbeit für das Gemeinwohl, brauche: ein Gespür für Diplomatie beispielsweise, auch Neugierde, die Fähigkeit zu selbstständigem Arbeiten und Netzwerken. Aber auch Einfühlungsvermögen für das Gegenüber: „Man muss in seinen Belangen überzeugen, und dazu muss man sie so aufbereiten, dass die anderen sie auch verstehen“, erklärt Schmid. „Dafür ist es eigentlich egal, ob man Jura, BWL oder was anderes studiert hat.“

Auch Sebastian Scholz, Teamleiter Energie und Klima beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) ist überzeugt, dass viele Wege ins Berufsfeld Klimaschutz führen können. „Bewerber auf eine Stelle sollten die geforderte Fachexpertise mitbringen, idealerweise auch Erfahrung und ein Netzwerk“, so Scholz. „NGOs brauchen Leute, die alles können“, also mit den Medien umgehen, gleichzeitig fachlich versiert und sehr flexibel sein. Und sie sollten eine hohe intrinsische Motivation mitbringen. Man brauche allerdings auch eine gewisse Frustrationstoleranz: „Es gibt ja immer wieder Rückschläge in umweltpolitischen Themen, und damit muss man umgehen können – und trotzdem weitermachen.“ Dennochwolle er niemanden entmutigen, so Scholz, sondern eher zu noch mehr Engagement aufrufen: „Eigentlich ist es der tollste Job der Welt, den man haben kann.“

Mehr Infos

Grüne Jobbörsen im Internet (z.B. greenjobs.de) listen nicht nur freie Stellen für Weltverbesserer auf, sondern geben auch Hinweise auf sinnvolle oder benötigte Qualifikationen. Einen Überblick über „grüne“ Stellenmärkte gibt Utopia: https://utopia.de/ratgeber/gruene-jobs/

Oft gibt es mehr als 100 Bewerber pro Stelle

Mehr als 100 Bewerbungen auf eine ausgeschriebene Stelle sind weder bei Schmid noch bei Scholz eine Seltenheit. Neben der fachlichen Qualifikation lässt sich mit bewiesenem Interesse an den Themen punkten. Ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr, ein beim Bundestag absolviertes Praktikum, ehrenamtliches Engagement bei einem Umweltverband – Stationen wie diese erhöhen die Chancen der Bewerber. Aber auch eigenwillige, ungewöhnliche Lebenswege seien interessant, findet Eva Schmid, etwa eine Tätigkeit bei einem Industrieverband oder in einem Unternehmen, das im Fokus der NGO steht: „Wenn man damit Erfahrung hat, wie die Institutionen ticken, die man beeinflussen will, kann das von Vorteil sein.“

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