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Karriere: Ausbildung & Studium 2019

„Die Entwicklung von KI ist rasant“

Künstliche Intelligenz hilft vor allem in monotonen und gefährlichen Jobs 

ISTOCK/PHONLAMAIPHOTO

CHRISTINE PERSITZKY 

Künstliche Intelligenz ist ein Megatrend, der zahlreiche Chancen für künftige Berufsbilder bietet. Doch wie qualifiziert man sich für diese Jobs? Ein Gespräch mit Sven Schmeier, dem stellvertretenden Leiter des Forschungsbereiches Sprachtechnologie am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Berliner Morgenpost: Wie viele Menschen arbeiten heute bereits im Bereich künstliche Intelligenz (KI)? Wie sieht es speziell in Berlin aus?

Sven Schmeier: Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass „die KI“ im Prinzip nur ein Sammelbegriff für eine Vielzahl an unterschiedlichen Methoden und Technologien ist, sich also aus enorm vielen Einzeldisziplinen zusammensetzt. Da das Feld KI so weitläufig ist und die Entwicklung so rasant vonstattengeht, ist es auch schwer zu sagen, wie viele Menschen in KI-Bereichen bereits tätig sind. KI-Jobs sind mittlerweile sowohl in der Forschung als auch in Unternehmen zu finden. Laut einer im vergangenen Jahr von der Technologiestiftung Berlin herausgegebenen Studie zur KI befinden sich zwar nur 28 Prozent der deutschen KI-Unternehmen in Berlin-Brandenburg, allerdings wurden zwischen 2012 und 2017 fast 50 Prozent der KI-Startups hier gegründet. Die 223 KI-Unternehmen in der Region beschäftigen laut dieser Studie immerhin fast 5000 Mitarbeiter.

Also ist KI doch kein „Jobkiller“?

Die Angst vor dem „Jobkiller“ KI ist in der Öffentlichkeitsarbeit am DFKI eine der Top-Fragen. Fakt ist, dass sich der Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung bereits im Wandel befindet. Es gibt immer mehr Jobs, in denen KI eine Rolle spielt. Wenn man sich allerdings heute umschaut, fehlt es überall an Fachkräften. Es wird nicht weniger Arbeitsplätze geben, sondern andere.
Taruk

Welche Jobs werden entstehen?

Keiner kann so genau in die Zukunft schauen. Es ist aber damit zu rechnen, dass vor allem monotone und für den Menschen gefährliche Jobs zunehmend von KI-Systemen übernommen werden, deren Hauptaufgabe es ist, dem Menschen assistierend zur Seite zu stehen. Im Gegenzug werden immer mehr Fachleute gesucht, die sich mit diesen Systemen auskennen, sie reparieren und weiterentwickeln und Mitarbeiter schulen können. Weiterbildungen und Umschulungen werden noch mehr in den Fokus rücken – wir müssen uns zunehmend mit den Technologien vertraut machen, nicht zuletzt, um die Angst davor zu verlieren. Und wir müssen kleine und mittelständische Unternehmen bei der Entwicklung mitnehmen, da sie zentraler Angelpunkt der deutschen Wirtschaft sind.

Wie kann ich mich für diese Jobs qualifizieren?

Da es derzeit in Deutschland noch etwas an Studiengängen mangelt, die sich allgemein auf KI fokussieren, sollten Interessenten bereit sein, sich – unter Umständen sogar autodidaktisch – in Richtung eines geeigneten, konkreten KI-Forschungsschwerpunktes zu qualifizieren. Es muss kein Informatik-Studium sein. Wer sich schon frühzeitig für ein bestimmtes Feld der KI interessiert, sollte sich informieren, mit welchem Studiengang dafür die besten Voraussetzungen geschaffen werden. Viele Wissenschaftler, die beispielsweise im Forschungsbereich Sprachtechnologie am DFKI Berlin arbeiten, sind Linguisten oder kommen direkt aus dem Studiengang Computerlinguistik, der Informatik mit Sprachwissenschaft verbindet. Wer sich in Berlin für datenbasierte Systeme und die Analyse von Massendaten interessiert, studiert idealerweise am Institut für Softwaretechnik und Theoretische Informatik der Technischen Universität Berlin. Auch an der Freien Universität Berlin gibt es ein Institut für Informatik, welches sich in bestimmte grundlegende Fachrichtungen gliedert, unter anderem Machine Learning und Robotik.
Dr. Sven Schmeier, DFKI, Bereich Sprachtechnologie HO
Dr. Sven Schmeier, DFKI, Bereich Sprachtechnologie HO
Gibt es auch entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten?

Es gibt einige Einrichtungen, die eine spezielle berufsbegleitende Weiterbildung im KI-Bereich anbieten. Beispielsweise die Qualifizierung zum KI-Manager an der Bitkom Akademie. Dieser erste berufsbegleitende Zertifikatslehrgang dieser Art vermittelt „Die Entwicklung von KI ist rasant“ Künstliche Intelligenz hilft vor allem in monotonen und gefährlichen Jobs wichtige Grundlagen der KI und richtet sich allgemein an Entscheidungsträger in Unternehmen, auch ohne Informatik-Vorkenntnisse.


Haben Quereinsteigereine Chance?

Im Prinzip führen zurzeit sehr viele Wege zur KI, und man kann sich aus den unterschiedlichsten Bereichen heraus weiterbilden. Am DFKI arbeiten beispielsweise in einigen Forschungsbereichen und in der Unternehmenskommunikation einige Quereinsteiger, die aus natur- oder geisteswissenschaftlichen Studienfächern kommen oder auch BWL studiert haben.

Was sollte man für die Arbeit in diesem Bereich sonst noch mitbringen an Kenntnissen, Fähigkeiten oder persönlichen Eigenschaften?

Wir am DFKI suchen vor allem Leute, die sich für das Thema KI und für neue Technologien begeistern und die motiviert sind, sich in diesem Feld weiterzubilden und an der rasanten Entwicklung zu beteiligen. Neugier und die Bereitschaft, mal „über den Tellerrand hinauszublicken“ sind, zumindest für die Arbeit in der Forschung, ebenso von Vorteil wie Teamgeist, Flexibilität und Engagement.


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