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Karriere: Ausbildung & Studium 2019

App-gefahrene Studiengänge

Gestaltung und Programmierung von Smartphone-Applikationen haben Zukunft 

STOCK/LUCADP

PAULA HOHENDORF  

Über WhatsApp kommunizieren, schnell mal auf Instagram ein Foto hochladen, das Wetter über Windy checken, Musik über Spotify hören oder beim Joggen Puls und Kilometer messen – Applikationen (Apps) auf Smartphone, Tablet, PC und Smart-TV gehören mittlerweile dazu, um den Alltag bunter, informierter, spielerischer zu gestalten. Was von den Anwendern selbstverständlich mit wenig Fingerwischen genutzt und im App-Store mit Likes belohnt oder mit Dislikes bestraft wird, ist die Arbeit vieler Menschen, die am Design und an der Entwicklung einer App oft Monate sitzen, bis sie fehlerfrei läuft. Für die User ist es wichtig, dass eine App gut aussieht, einwandfrei funktioniert und bedienerfreundlich ist. An dieser Aufgabe arbeiten App-Designer und -Entwickler gemeinsam.
Für die Optik und Nutzerfreundlichkeit einer App sind Mediendesigner verantwortlich. Sie sind diejenigen, die die Ideen der Kunden umsetzen und die komplexen Inhalte verständlich machen. Sie bestimmen, welche App-Inhalte wann angezeigt werden, wie sie übersichtlich angeordnet werden und wie sie aussehen. Wer später im Kundenauftrag Apps oder mobile Webseiten konzipieren und gestalten möchte, kann dafür beispielsweise die Studiengänge Kommunikationsdesign, Grafikdesign oder Visuelle Kommunikation belegen. Die Universität der Künste (UdK) oder Hochschulen wie etwa die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und die Kunsthochschule Berlin-Weißensee (KHB) bieten diese Studiengänge an, aber auch private Hochschulen wie die Design Akademie oder die HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft.
Entwickler und Mediendesigner arbeiten für neue Apps Hand in Hand – oft monatelang. ISTOCKPHOTO/IJEAB
Entwickler und Mediendesigner arbeiten für neue Apps Hand in Hand – oft monatelang. ISTOCKPHOTO/IJEAB
Digitale Medien ist nur ein Studienschwerpunkt in dem breit aufgestellten Studiengang, in dem die künftigen Gestalter u. a. Typografie, Komposition und Bildsprache lernen. Die HMKW hat beispielsweise den Studiengang Dual Grafikdesign und Visuelle Kommunikation im Programm, der in vier Jahren sowohl zum IHK-Abschluss „Mediengestalter Digital und Print“ als auch zum Bachelor-Studienabschluss führt. Studieninhalte sind u. a. Illustration, Fotografie, Film, Motion Design, Grafikdesign im Raum sowie Web- und App-Design.

Die Programmierung der App übernehmen App-Entwickler, die sich auf diese Tätigkeit beispielsweise im Bachelor- und Masterstudiengang Medieninformatik an der Beuth Hochschule für Technik Berlin vorbereiten können. Hier erhalten die künftigen Fachkräfte eine umfassende Ausbildung in Informatik und digitalen Medien, die sie unter anderem dazu befähigt, später als Android-, iOS- und Windows-Phone-Entwickler oder auch als Entwickler für mobile Webanwendungen zu arbeiten.

„Wir wollen Absolventen kreieren, die in der Lage sind, mit Gestaltern zu kommunizieren, deswegen unterrichten wir auch Grundlagen des Screen Designs“, sagt Simone Strippgen, Professorin für Softwareentwicklung im Studiengang Medieninformatik. Gefragt sind technische Kompetenz und Kreativität, gelehrt werden unter anderem Programmiersprachen wie Java und JavaScript. „Wer die grundlegenden Konzepte einer Programmiersprache versteht, kann sich späterleichter eine neue Sprache aneignen“, sagt Strippgen.

„Wer die grundlegenden Konzepte einer Programmiersprache versteht, kann sich später leichter eine neue Sprache aneignen“

Simone Strippgen, Professorin für Softwareentwicklung

Deutschland hinkt in der Entwicklung hinterher

Von Anfang an entwickeln die Studierenden Software wie Apps, Desktop- und Webanwendungen. Sie lernen etwa, den Client-Teil einer App zu entwickeln, also jene Elemente, die auf dem Smartphone aktiv sind, wenn man beispielsweise über Whats-App eine Sprachnachricht eingibt. „Die Daten werden jedoch nicht auf dem Gerät gespeichert, der Client verbindet sich mit einem Server und tauscht Daten aus“, erklärt Strippgen. Im Studium werden die jungen Menschen fitgemacht für die Softwareentwicklung von sicheren Anwendungen, sowohl für den Server als auch für den Client, für Webanwendungen und Apps, die auf mobilen Geräten laufen.

Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind für Absolventen gut. Sie können sich später selbstständig machen oder eine Stelle in einer Agentur finden, die Apps entwickelt. Auch Unternehmen beschäftigen zunehmend eigene App-Designer und -Entwickler, um im Kundenservice zu punkten. Selbst für höhenverstellbare Tische und Stühle gibt es mittlerweile eine App, die den Anwender daran erinnert, die Sitzposition zu wechseln. Ortrun Meißner, systemische Beraterin im Karriereservice der Bildungsakademie Cimdata, spricht von „Wachstum, Wachstum, Wachstum“. „Global betrachtet jedoch hinken wir in Deutschland gegenüber unseren europäischen Nachbarn in der App-Entwicklung noch weit hinterher“, sagt sie. „Da ist noch Wachstumspotenzial drin.“

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