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Jobmesse Berlin 2017

Wie Eltern helfen können

Ab der siebten Klasse sind Gespräche über die Zukunft sinnvoll. Praktika und Messebesuche sind empfehlenswert

Eltern sind wichtige Ansprechpartner bei der Berufswahl ISTOCK

Wenn das Kind vor dem Übergang ins Berufsleben steht, beginnt auch für Eltern eine spannende Zeit. Viele möchten ihr Kind unterstützen und beraten, merken aber alsbald, dass das gar nicht so leicht ist. Denn Berufsausbildungen, die zu ihrer Zeit noch weit verbreitet waren, gibt es plötzlich nicht mehr. Dafür steht im Internet eine Fülle an Informationen bereit, die nicht nur die Jugendlichen, sondern auch ihre Eltern überfordert. Was also tun?

„Eltern sind aus unserer Sicht unendlich wichtig bei der Berufswahl, weil sie den Kindern den Rücken decken und beistehen können“, sagt Fin Mohaupt, Leiter der Aus- und Weiterbildungsberatung der Handelskammer Hamburg. „Sie sollten dafür Sorge tragen, dass ihr Kind eine Berufsorientierung macht.“ Jedoch glaubt der Experte: „Sie sind aber völlig ungeeignet, die Entscheidung für einen Ausbildungsberuf zu treffen.“ Die Gründe hierfür sind vielfältig: „Eltern greifen auf ein Wissen zurück, das in der Regel mindestens 20 Jahre alt ist“, sagt Mohaupt. „Die große Palette der Ausbildungsberufe kennen die meisten schlichtweg gar nicht.“ Darüber hinaus seien Eltern häufig noch sehr fixiert auf ein Studium: „Aber während das Studium gerade in der Generation der Eltern noch ein Garant für einen Job war, ist das heute nicht mehr so“, sagt Mohaupt und fügt hinzu: „Natürlich verstehe ich, dass alle Eltern nur das Beste für ihr Kind wollen. Aber manchmal ist das eben auch die duale Berufsausbildung, das gilt für Hauptschüler und Abiturienten gleichermaßen.“

Klaus Weber ist beim Bundesinstitut für Berufsbildung unter anderem verantwortlich für Berufsorientierung und rät Eltern, statt konkreter Handlungsempfehlungen regelmäßig und ausführlich mit ihren Kindern zu sprechen und herauszufinden, wie sich die Kinder ihre berufliche Zukunft vorstellen.

Dabei hilft es, Fragen zu stellen: „Was kannst du besonders gut?“ „Welche Berufe interessieren dich?“ „Welche Interessen hast du?“ Und: „Wie kann ich dir bei der Orientierung helfen?“. Gemeinsam und partnerschaftlich an das Thema heranzugehen sei viel wertvoller, als Druck auszuüben, meint der Experte.

Doch wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Wenn es nach Weber geht, könnten Eltern damit durchaus früh beginnen, etwa wenn das Kind in der siebten Klasse sei. „Das Kind soll sich erst einmal ein Bild davon machen, was es selber an Fähigkeiten und Interessen mitbringt, und Berufe kennenlernen“, sagt er. In der achten Klasse könnte es dann ein erstes Praktikum absolvieren. „Auch hier geht es erst einmal darum, Erfahrungen zu sammeln, und nicht darum, dass ihm der Beruf gleich so gut gefällt, dass es ihn später auch tatsächlich ergreift“, sagt Weber. Praktika hält der Experte in dieser Zeit für besonders wichtig.

Helfen kann auch ein Messebesuch, etwa ab einem Jahr vor dem Schulabschluss, sagt Fin Mohaupt. Den Messebesuch könnten die Eltern gut mit ihren Kindern im Gespräch vorbereiten: „Was möchtest du dort erreichen?“ „Mit welchen Leuten möchtest du reden?“ „Was erwartest du überhaupt?“ Für den eigentlichen Besuch empfiehlt Mohaupt den Eltern Zurückhaltung, sie sollten ihre Kinder allein an die Stände schicken.

Und noch etwas möchte der Experte Eltern und Kindern mit auf den Weg geben: „Es geht um den Start ins Arbeitsleben, um das Erlernen eines Berufs. Und nicht darum, sich mit 16 für einen Beruf zu entscheiden, den man bis 67 machen möchte.“

Hilfe aus dem Netz

Schulabgänger ziehen bei der Berufsorientierung heute das Internet zurate. Auch Eltern sollten das Angebot kennen. Ein Überblick über wichtige Plattformen:
planet-beruf.de/eltern
berufsorientierungsprogramm.de
jba-berlin.de
abi.de/eltern
arbeits-abc.de
ausbildung-total.de
berlin-braucht-dich.de

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