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Themenwelten Berliner Morgenpost
Jobmesse Berlin 2017

Mit dem Smartphone zum neuen Job

Videobasierte Karriere-Tools ergänzen die klassischen Wege der Bewerbung

Video-Bewerbungsgespräche liegen im Trend. Die App Kliber bringt Firmen und Bewerber übers Smartphone zusammen PA/DPA THEMENDIENST/CHRISTIN KLOSE; KLIBER (2)

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Das Smartphone ist längst zum alltagstauglichen Allroundwerkzeug avanciert: Über verschiedene Apps lassen sich Lebensmittel bestellen und Bankgeschäfte abwickeln, das nächste Date verabreden und Freundschaften selbst nach Übersee pflegen. Jetzt können Apps und interaktive Smartphone-Tools auch die Jobsuche erleichtern. Zwei davon können Besucher auf der Jobmesse Berlin live erleben.

Noch in der Testphase ist das virtuelle Jobinterview, das Bewerbungscoach Sven Emmrich auf der Jobmesse präsentiert (Stand 105). Bewerber stecken ihr Smartphone in eine Cardboard genannte Handy-Halterung, die sie sich wie eine Taucherbrille vor die Augen schnallen. Schon sitzen sie in einem virtuellen Besprechungsraum mit einem Personalleiter, der klassische Jobinterviewfragen stellt. Zum Beispiel: „Warum haben Sie sich ausgerechnet bei uns beworben?“ Durch die 360-Grad-Videotechnik fühlt man sich tatsächlich ein bisschen in einen anderen Ort versetzt und der Personalchef schaut den Bewerber streng an. Für Sven Emmrich ist das ein gutes Training für Jobsucher: „Wenn man diese Fragen ein paar mal im virtuellen Interview beantwortet hat, kann man sie auch im echten Gespräch souverän meistern.“

Die App bietet Firmen und Bewerbern eine Plattform

Anders funktioniert Kliber, eine ebenfalls videobasierte Plattform aus Luxemburg, die eine Bewerbung per Smartphone ermöglicht. Wer bisher auf Jobsuche ging, erstellte zumeist aufwendig eine Mappe, was nicht nur kostspielig ist, sondern oft auch zu herben Enttäuschungen führt – etwa, wenn erst Wochen später eine Absage eintrudelt und überhaupt nicht erst die Chance bestand, sich über das Anschreiben hinaus mit dem Arbeitgeber in Verbindung zu setzen. „Mit Kliber macht die Jobsuche und das Bewerben wieder Spaß“, verspricht hingegen Nathalie Dondelinger-Hoffmann, Gründerin und CEO von Kliber.


„Mit Kliber macht die Jobsuche und das Bewerben wieder Spaß“

Nathalie Dondelinger-Hoffmann, Gründerin und Geschäftsführerin von Kliber

Wer auf der Suche nach einem Job ist, meldet sich zunächst kostenlos an. Kostenpflichtig sind nur Firmenaccounts. Anschließend wird – wie man es schon von Karriereportalen wie Xing oder LinkedIn kennt – ein Profil erstellt. Dieses enthält neben einem Porträtbild und den Kontaktdaten auch die Möglichkeit, in Kurzform etwas zur eigenen Bildung und bisherigen beruflichen Stationen zu sagen, persönliche Fähigkeiten („Skills“) aufzulisten sowie bis zu drei Alleinstellungsmerkmale zu benennen. Zudem können Dokumente angehängt werden, etwa ein ausführlicher Lebenslauf oder Arbeitszeugnisse. Das eigene Profil kann entweder nur mit bestimmten Unternehmen geteilt oder gleich komplett öffentlich zugänglich gemacht werden.

„Unsere App bietet Jobsuchenden die Möglichkeit, sich deutlich persönlicher vorzustellen als es bisher der Fall war“, sagt Dondelinger- Hoffmann. „Dadurch verschwinden sie nicht in der anonymen Bewerbermasse.“ Damit meint die Appgründerin vor allem das, was die App im Kern ausmacht: ihr Videotool. „Jobsuchende können mit unserer neusten Version ein Videoprofil aufnehmen, in dem sie sich potenziellen Arbeitgebern vorstellen.“ Das kann mit der Handykamera geschehen. Kliber bietet auf der Jobmesse Berlin aber auch die Möglichkeit, mithilfe eines Videoteams ein professionelles Kurzporträt anzufertigen.

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Vier Fragen in jeweils 20 Sekunden beantworten

Zudem können sich Jobsuchende mit einem schnellen Videointerview auf Stellenanzeigen bewerben. Kliber hat festgelegt, dass Firmen pro Stelle insgesamt vier Fragen formulieren dürfen, die Bewerber in 20 Sekunden beantworten müssen. Im Fall einer in Bangkok angesiedelten Pizzeria, die neue Küchenmitarbeiter sucht, klingt das zum Beispiel so: „Warum sollten wir Sie nehmen? Was ist Ihre Vorstellung von italienischer Küche? Was tun Sie, wenn Ihnen ein Gericht unbekannt ist? Welche Arbeiten in der Küche bereiten Ihnen die größte Freude?“ Überzeugen die Antworten den Arbeitgeber, kann der Kontakt intensiviert, ein Videogespräch initiiert und schließlich – falls überhaupt noch nötig – ein Vorstellungsgespräch arrangiert werden.

Nicht alle Unternehmen sind auf die Bewerbung per Smartphone eingestellt. Die App kann aber eine Ergänzung zu klassischen Verfahren sein, schließlich müssen sich Arbeitgeber ohnehin Gedanken machen, wie sie die Generation Smartphone erreichen. „Wir werben mit Social-Media-Kampagnen, warum sollten wir Jobsuchenden nicht die Möglichkeit einräumen, sich mit neuen Medien bei uns zu bewerben?“, fragt etwa Petra Reetz, Pressesprecherin der BVG.

Gleichzeitig gibt sie zu: „Bislang gibt es bei uns diese Möglichkeit noch nicht, aber wir arbeiten daran.“ Man merkt, dass Reetz eine Freundin der neuen Medien ist. „Was nutzt es mir, wenn 20 aufgeregte Menschen vor mir sitzen? Dann ist es mir doch lieber, wenn jemand in der gewohnten Umgebung entspannt ist und sein gesamtes Potenzial entfalten kann.“ Noch ein Vorteil der Videobewerbung: sie überbrückt Entfernungen. Ohne Reisekosten können sich Bewerber und Unternehmen heute schon im Vorfeld ausgiebig „beschnuppern“.

Bisher sind bei Kliber vor allem luxemburgische Unternehmen vertreten. Auch die Nutzerzahlen sind bei dem jungen Startup noch gering. Doch Kliber wächst und launcht die App nicht nur in Deutschland, sondern parallel hierzu auch in Frankreich. Perspektivisch soll ein globaler Markt erschlossen werden, da heutige Stellenbewerber weltweit auf die Jobsuche gehen. Kliber verschließt sich übrigens nicht gegenüber anderen Netzwerken, sondern erlaubt das Verlinken mit Angeboten wie „LinkedIn“. Ob sich das auszahlt, wird erst in einigen Monaten ersichtlich sein. Doch dass es die Zukunft ist, daran glaubt nicht nur Appgründerin Dondelinger-Hoffmann.

Kliber präsentiert sich auf der Jobmesse Berlin an Stand 88. Das Virtuelle Vorstellungsgespräch kann am Sonntag, 8.10., ab 15.15 an Stand 105 getestet werden.


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