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Gute Perspektiven auch ohne Abschluss

In Zeiten des Fachkräftemangels buhlt die Wirtschaft um Hochschulabbrecher

Die IHK Berlin hat mit „your turn“ erste Ausbildungsgänge für Abbrecher auf 18 Monate reduziert, etwa den Immobilienkaufmann GETTY IMAGES

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Studieren ist heute so beliebt wie nie. Mittlerweile immatrikulieren sich 55 Prozent der Schulabgänger eines Jahrgangs an einer Universität oder Fachhochschule. Doch mit der Zahl der Studierenden steigt auch die Zahl der Studienabbrecher: Rund 28 Prozent aller Studentinnen und Studenten beendet das Studium vorzeitig. In manchen Fächern, beispielsweise Mathematik, sind es bis zu 50 Prozent, die den Abschluss nicht schaffen.

Mangelnde Motivation, Überforderung und Überlastung, Finanzprobleme oder schlicht Unzufriedenheit sind häufig die Gründe. Zumeist geht dem endgültigen Abbruch ein längerer Entscheidungsprozess voraus. Den muss und sollte man nicht alleine durchstehen. Es gibt kompetente Beratungen, die man frühzeitig nutzen sollte, um herauszufinden, ob ein Abbruch sinnvoll ist und welche Möglichkeiten einem anschließend offen stehen. Im Idealfall erfolgt die Beratungergebnisoffen. Angebote offerieren die Hochschulen selbst, aber auch die Agentur für Arbeit oder die Jugendberufsagenturen.

Bei der Suche nach der passenden Beratung hilft etwa die Internetseite www.queraufstiegberlin.de des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb), auf der hierfür ein „Beratungsnavigator“ zur Verfügung steht. Der lotst die Ratsuchenden anhand von fünf zentralen Fragestellungen zu passenden Beratungsangeboten und strukturierten Informationsquellen sowie mittels Schnellsuche zu geeigneten Anlaufstellen für eine persönliche Beratung. „Wir beraten also nicht selber, sondern machen Beratung auffindbar“, erläutert Andrea Mohoric vom Beratungsnetzwerk Queraufstieg Berlin.

Studienabbrecher müssen Arbeitslosigkeit nicht fürchten

Ist die Entscheidung gefallen, kann ein Studienabbruch aber auch ein neuer Anfang sein. Aussteiger sind auf dem Arbeitsmarkt durchaus gefragt. Die Arbeitslosenzahlen liegen bei Studienabbrechern prinzipiell nicht höher als bei erfolgreichen Hochschulabgängern. Zahlreiche Arbeitgeber sind durchaus offen für Bewerbungen von Studienabbrechern, teilweise werden sie von der Wirtschaft sogar umworben. Dies wird sich in Zeiten des sich verschärfenden Fachkräftemangels noch verstärken.

Vor diesem Hintergrund sind Studienaussteiger eine interessante Zielgruppe etwa für die duale Ausbildung. Studenten, die sich für einen Studienausstieg entscheiden, können aufgrund ihrer Fach- oder Hochschulreife und einem Mindestalter von 21 Jahren jede Berufsausbildung um bis zu zwölf Monate verkürzen.

Im Programm „your turn“ der IHK Berlin geht man in zwei kaufmännischen und zwei IT-Berufen noch einen Schritt weiter und rechnet zusätzlich Studienleistungen an. Mit der Anrechnung kann eine dreijährige Berufsausbildung auf 18 Monate verkürzt werden. Handwerkskammern wie die HWK Unterfranken bieten Maßnahmen wie das „Karriereprogramm Handwerk – vom Campus auf den Chefsessel“ an. Für Kandidaten, die sich nicht komplett von der Uni verabschieden möchten, ist so sogar ein Duales Studium mit paralleler Ausbildung in einem Handwerksbetrieb möglich.

Vom Bildungsministerium geförderte Karrierewege

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bemüht sich mit einigen Initiativen wie dem Programm „Jobstarter Plus“ um die Uni-Aussteiger. „Wir wollen Studienabbrecher signalisieren, dass es für sie berufliche Chancen gibt, die möglicherweise besser zu ihnen passen und am Ende sogar mehr Erfolg bringen können als akademische Karrierewege“, erklärt Dr. Marlene Lohkamp-Himmighofen vom BMBF. Eine vom Ministerium geförderte Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), die Anfang Juni der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, zeigt, dass ein halbes Jahr nach Verlassen der Hochschule 43 Prozent der Studienabbrecher eine Berufsausbildung aufgenommen haben und weitere 31 Prozent erwerbstätig sind. Das zeigt, dass es auch gute Perspektiven ohne Abschluss gibt.
www.queraufstieg-berlin.de

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