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Universal Design an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Barrierefrei von Anfang an: Universal Design heißt, Produkte, Gebäude und Dienstleistungen für alle Menschen zu entwickeln

Die Museumsinsel als Bronzemodell. Die Informationen sind auch in Brailleschrift notiert und können ertastet werden. FOTO: PA/ANDREA WARNECKE

Integra GmbH
Christopher Wasmuth

Bereits mit einem Gipsbein oder einem Kinderwagen stößt man vor einer Treppe an seine Grenzen. Hinweisschilder können verwirrend sein – erst recht, wenn man seine Brille vergessen hat. Es gehört nicht viel dazu, um im Alltag eingeschränkt zu werden. „Wir bauen permanent Barrieren, die nicht nötig wären“, erklärt Katrin Hinz, Dekanin des Fachbereichs Gestaltung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Es gibt viele Mauern – und ein Mittel, sie niederzureißen, heißt Universal Design: eine Methode, um Produkte zu entwickeln, die möglichst niemanden von vornherein ausschließen. Über die Begriffe ließe sich streiten: Universal Design heißt es an der HTW, dort gehört die Methode „zur DNA der Ausbildung“, so Hinz. Auch in der 2008 in Kraft getretenen Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen wird der Begriff verwendet. In der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ist hingegen die Rede von „Design for all“, also Design für alle. Der gemeinsame Gedanke dahinter ist wie das Design selbst: möglichst einfach.

Das Konzept geht auf den US-Architekten Ronald Mace zurück. Ein Produkt soll intuitiv und mit hoher Fehlertoleranz bedienbar sein, wenig körperlichen Aufwand erfordern und auf möglichst viele Weisen wahrnehmbar sein. „Niederkomplex“ nennt Katrin Hinz das. Die Produkte sollen unterschiedlichste Bedürfnisse miteinbeziehen und für alle Menschen gleichermaßen – ohne Assistenz, ohne Anpassung – funktionieren.
Das bedeutet an vielen Orten erst einmal: mehr Platz. Platz, um sich bequem mit einem Rollstuhl oder einem Kinderwagen bewegen zu können etwa. Das bedeutet, Zugänge einfacher zu gestalten. Die steile Treppe beim Einstieg in die Straßenbahn gehört der Vergangenheit an. Das bedeutet auch, Informationen auf verschiedene Weisen zu transportieren: als Text. Zum Hören und zum Tasten. Das bedeutet Flexibilität, etwa mit höhenverstellbaren Waschbecken und Toiletten. Aber vor allem bedeutet es, Produkte von vornherein so zu gestalten, dass sie universell anwendbar sind: Statt Scheren speziell für Links- und Rechtshänder lieber eine Variante, die allen gleich gut in der Hand liegt!
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