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EXTRA - TRAUMHAUS 2019

Prima Klima

Die Wahl der Baustoffe hat später großen Einfluss auf die Wohngesundheit 

Holz ist als natürlicher Baustoff in der Regel schadstofffrei. FOTO: ISTOCK/JURE

MANUELA BLISSE 

Es ist eine gleichermaßen einfache wie weise Erkenntnis für Bauherren: „Nur wer gesund baut, kann später auch gesund wohnen“, weiß Christine Heidmann vom Ratgeberportal Aktion-pro-eigenheim.de. Da wir uns fast 90 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen aufhielten, sollten uns Innenräume besonders wichtig sein.

Das gilt vor allem, wenn Kinder im Haus wohnen. „Sie reagieren, genauso wie Allergiker oder Chemikaliensensitive, empfindlich auf Belastungen der Raumluft“, so die Expertin.

Hanf ist eine natürliche Dämm-Alternative zu Styropor. FOTO: PICTURE ALLIANCE/ ANDREA WARNECKE
Hanf ist eine natürliche Dämm-Alternative zu Styropor. FOTO: PICTURE ALLIANCE/ ANDREA WARNECKE
Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Hautausschläge, Asthma – die Liste durch Schadstoffe verursachte Krankheitssymptome ist lang. Schadstoffe dünsten aus Wänden und Böden aus und stecken in Möbeln.

Das Problem: Ist die Raumluft erst belastet, werden Ursachenforschung und Bereinigung zur schwierigen Detektivarbeit. Deshalb rät Heidmann künftigen Eigenheimbesitzern für ein wohngesundes Haus zur richtigen Baustoffwahl, damit Schadstoffe erst gar nicht ins Haus gelangen. Das bedeutet, sich selber um die Auswahl der Materialien und Baustoffe zu kümmern. Hilfreich ist auch eine baubegleitende Qualitätskontrolle. Der Berliner Architekt Berthold Manns verweist zudem darauf, dieses Thema auch bei der Suche nach dem Architekten in den Fokus zu stellen. Wie er, haben auch andere Hausplaner eine Zusatzausbildung als Baubiologe. Entsprechend setzt sich die Kette fort, es gibt geschulte Handwerker, die sich auf das Thema spezialisiert haben.

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Zertifikate beachten

Ein wohngesundes Haus lässt dem Bauherren dennoch alle Freiheiten, es gibt heute viele Alternativen etwa durch natürliche Baustoffe. „Kalk- oder Lehmbaustoffe, Pflanzenfasern, Natursteine, keramische Baustoffe und tierische Produkte wie Schafwolle wirken sich oft positiv auf das Raumklima aus“, sagt Heidmann, die aber einräumt, dass es dafür keine Garantie gäbe. Auch Naturstoffe könnten mit Schadstoffen belastet sein, wenn Naturbaustoffe beispielsweise mit Insektenschutzmitteln oder Holzschutzmitteln bearbeitet wurden. Daher sollte man als Bauherr auf zertifiziert wohngesunde, schadstoffgeprüfte und emissionsarme Baustoffe achten, und zwar vom Keller bis zum Dach. Prüfzeichen wie der „Blaue Engel“, „natureplus“ oder „EMICODE“ helfen dabei weiter.
Traditioneller Lehm wirkt angenehm und gesund auf das Raumklima. FOTO: ISTOCK/ANATOLIY SIZOV
Traditioneller Lehm wirkt angenehm und gesund auf das Raumklima. FOTO: ISTOCK/ANATOLIY SIZOV
Bei Wandfarben gelten Produkte auf Kalkbasis als besonders schadstoffarm. FOTO: / ISTOCK/VISIVASNC
Bei Wandfarben gelten Produkte auf Kalkbasis als besonders schadstoffarm. FOTO: / ISTOCK/VISIVASNC
Schadstoffe stecken in vielen Produkten. Kleber, Öle und Lacke können sich in Bodenbelägen finden, auch wenn der Markt inzwischen fast nur noch emissionsarme, gesundheitsverträgliche Produkte anbietet. Tipp der „Aktion pro Eigenheim“: ein Muster einige Tage neben dem Kopfkissen platzieren – so testet man die eigene Verträglichkeit.

Bei Putzen und Farben kommt es auf den Feuchtigkeits ausgleich zwischen der Luft im Raum, der Wandkonstruktion und eben den eingesetzten Putzen und Farben an. Produkte auf Kalkbasis, so Heidmann, könnten sogar Schadstoffe abbauen und gegen Schimmel wirken.
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Bei der Dämmung des Hauses geht es gleichermaßen um Wärmeschutz und Wohlfühlklima. Das ist allerdings eine Sache für den ausgewiesenen Fachmann. Als Bauherr sollte man ihm gegenüber ökologische Dämmmaterialien wie Holzfaser, Hanf, Flachs, Schafwolle, Seegras wie auch mineralische Dämmstoffe ansprechen.

Als Hauptbaustoff eignen sich aus der Perspektive der Wohngesundheit traditionelle Baustoffe wie Holz, Lehm, Ton und Gips sehr gut. Holz aus heimischer Forstwirtschaft ist schadstofffrei, ökologisch unbedenklich und reguliert als atmender Baustoff, wie im Übrigen auch Lehm oder Kalk, das Raumklima. „Das bedeutet nicht, dass man nur noch Blockhütten bauen sollte. Aber man kann die tragenden Teile, wie bei einem Fachwerkhaus gut zu sehen, aus Holz bauen lassen. Dabei ist es möglich, sein Traumhaus individuell zu planen und sogar den gesamten Rohbau vorfertigen zu lassen. Dieses Verfahren verkürzt die Bauzeit enorm“, so Experte Manns.
Realistisch bleiben

Da bei den meisten Bauprojekten das Budget begrenzt ist, gibt Berthold Manns privaten Bauherren jedoch noch einen Rat aus seiner jahrelangen Erfahrung mit an die Hand. „Natürlich kann man bis ins letzte Detail alles optimieren und den gesündesten Baustoff wählen. Das aber ist im Normalfall illusorisch. Ich rate zum einfachen und sinnvollen Prinzip: so viel wie nötig“, so der Architekt und Baubiologe.

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