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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: Neubauprojekte

Ein Dach über dem Kopf

In Berlin werden mehr Dachausbauten genehmigt. Auch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften prüfen, wo sich die Aufstockung in ihrem Bestand lohnt

Der Ausbau von Dachgeschossen hat, wie hier in Schöneberg, wieder an Bedeutung gewonnen. FOTO: BILDAGENTURONLINE/SCHOENING/PA

Max Müller 

Die Zahl der Bauanträge in der deutschen Hauptstadt geht zurück. Zwischen Januar und Juni zählte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 1825 Anträge für Bauvorhaben, was einem Rückgang von 4,8 Prozent gemessen am Vorjahr entspricht. Insgesamt 11.364 Wohnungen sollen hierbei entstehen. Etwas abgemildert wird diese Negativentwicklung dadurch, dass es zwar bei Neubauten einen spürbaren Rückgang gibt, auf der anderen Seite hingegen ein deutliches Plus bei Vorhaben, bei denen bestehende Immobilien umgebaut werden.

Darunter fallen etwa Dachgeschossausbauten. 1392 Wohnungen sollen auf diese Weise dem Markt künftig zugeführt werden. Dass es mit den Aufstockungen wieder vorwärts geht, dürfte vornehmlich dem Umdenken der Landespolitik geschuldet sein. 2017 noch bremste der Senat den privaten Dachausbau erfolgreich aus. Durch neue Richtlinien, unter anderem zum Beschnitt von Straßenbäumen, der eine wichtige Grundlage für den Brandschutz darstellt, konnten vor allem private Investoren ihre Projekte nicht realisieren. Die Anträge für den Dachausbau gingen zurück.
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Im Folgejahr ruderte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zurück und kündigte an, den Dachausbau auch durch private Träger wieder zu erleichtern, was sich nun auch in den Zahlen widerspiegelt. Zugleich sagte sie gegenüber dem RBB, dass der „Dachgeschossausbau ein sehr begrenztes Potenzial“ habe, wobei sie vor allem den baulichen Aufwand sowie die Belastung der Nachbarn als Hauptgründe hierfür anführte.

Teure Penthouses

Experten sehen das anders. Zwar mangelt es an exakten Daten, geschätzt wird allerdings, dass in den kommenden Jahren bis zu 100.000 neue Wohnungen durch Aufstockung in Berlin entstehen könnten. Eine im Jahr 2016 veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) kam zu dem Ergebnis, dass Dachausbauten durchaus den Markt entlasten können. Allerdings entstehen in luftigen Höhen auch zumeist Wohnungen, die im höheren Preissegment ab neun Euro je Quadratmeter (kalt) anzusiedeln sind.

Der Ausbau kann auch für die Bestandsmieter finanzielle Folgekosten bringen: Wird etwa ein Fahrstuhl eingebaut, tragen sie zumindest teilweise die Modernisierungskosten. Zudem steigen langfristig die Nebenkosten für Wartung und Betrieb. Dazu kommt die Belastung in der Bauphase durch das Einrüsten des Hauses sowie etwaigen Baulärm. Der Ausbau selbst ist, etwa bei Gründerzeitbauten mit einem Dachgeschossrohling, nicht weiter schwierig. Nur bei einem Ausbau um mehrere Etagen ist die Gebäudestatik zu prüfen. Ansonsten können Steigleitungen zumeist problemlos verlängert werden. Für Dämmung ist der Aufwand hingegen etwa größer.

Längst haben auch die städtischen Wohnungsgesellschaften das Thema auch für sich entdeckt. Die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) hat in den vergangenen Jahren mehrere Dachausbauten in ihrem Bestand realisiert. So etwa im Hugenottenviertel, wo neun Mietwohnungen entstanden, oder im Ensemble Friedrichsgracht, wo insgesamt 25 Wohnungen mit 58 bis 114 Quadratmetern Wohnfläche realisiert wurden.

Schwieriger war es da im sogenannten Quartier Osthafen in Friedrichshain. Dort plante die Wohnungsbaugesellschaft die klassischen, viergeschossigen Plattenbauten aus DDR-Zeiten um bis zu drei Etagen auszubauen. Doch viele Mieter äußerten sich im Bürgerbeteiligungsverfahren besorgt. Mittlerweile wurde ein Kompromiss erzielt. Das Vorhaben soll nun vorangetrieben werden.
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