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Extra Neubauprojekte 2019

Europacity und Bauprojekte wie Cube Berlin auf dem Washingtonplatz

Rund um die Heidestraße sind die ersten Büro- und Wohnhäuser vollendet, andere stehen kurz davor oder werden bereits vermarktet. Bei wieder anderen wird bald der Grundstein gelegt. Ein Überblick

Auffällige Architektur: „Cube Berlin“ auf dem Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof. GROTH GRUPPE (3)

Max Müller 

Es ist gar nicht so einfach, ein Bauprojekt der Superlative wie jenes rund um den Berliner Hauptbahnhof zu verstehen. Schon gar nicht angesichts der Vielzahl von Investoren, Projektentwickler, Architektenbüros, Bauunternehmen und Vermarkter, die hier agieren. Und das Gelände zwischen dem Spandauer Schifffahrtskanal im Osten, der Perleberger Straße im Norden, dem Fritz-Schloß-Park im Westen und dem Spreebogen im Süden ist so groß wie 90 Fußballfelder. Bereits seit einigen Jahren entsteht hier die sogenannte „Europacity“, zu der im weiteren Sinne auch die Bauprojekte an der Lehrter Straße sowie jene südlich des Hauptbahnhofs gehören. Um zu verstehen, welche Fortschritte die einzelnen Vorhaben machen, hilft es, zunächst die Projekt-Strukturen zu unterscheiden.
Nikolas Ensemble
Zu Beginn war CA Immo die größte Grundstückseigentümerin in der „Europacity“. Als solche realisierte sie seit 2012 mehrere Büro- und Hotelgebäude, etwa den „Tour Total“, einen 69 Meter hohen Büroturm, der nach dem Hauptmieter, dem französischen Mineralölunternehmen Total, benannt ist. In die Hotelbauten südlich des Hauptbahnhofes zogen seit 2013 nach und nach namhafte Ketten wie Intercity, Meininger oder Steigenberger. In ihrer Schlichtheit machten sie nicht unbedingt Lust auf den weiteren Fortschritt des Entwicklungsgebietes.

„Im Quartier Mittenmang in der Lehrter Straße gehen die Bauarbeiten weiter gut voran.“

Doreen Freder, Groth Gruppe

Doch inzwischen finden sich hier auch bessere Beispiele: Architektonisch erwähnenswert ist vor allem das Projekt „Cube Berlin“, das über eine gläserne Fassade verfügt, durch die sich geometrische Muster ziehen, und die nach Aussage der Architekten wie eine „gigantische moderne Skulptur“ anmutet. Der 2017 begonnene 100-Millionen-Euro-Bau soll Ende des Jahres eröffnen.

Auffällige Architektur: „Cube Berlin“ auf dem Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof. GROTH GRUPPE (3)
Auffällige Architektur: „Cube Berlin“ auf dem Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof. GROTH GRUPPE (3)
Die Flächen östlich der Heidestraße hat CA Immo hingegen größtenteils veräußert, unter anderem an Investoren wie 50 Hertz, Ernst Basler und Partner oder die Groth Gruppe. Auch das Hamburger Familienunternehmen Richard Ditting erwarb 2015 vier Baufelder, auf denen derzeit die „Budapester Höfe“ errichtet werden. Während die nördlich liegenden 204 Wohnungen bereits fertiggestellt und größtenteils vermietet sind, wurde im August vergangenen Jahres mit der Vermarktung des sogenannten „Prager Karrees“ begonnen, das aus drei fünf- bis siebengeschossigen Blöcken besteht, in denen Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen zu einem Preis zwischen 850 und 2250 Euro vermietet werden.

Westlich der Heidestraße entwickelt die Taurecon Real Estate Consulting GmbH auf 85.000 Quadratmetern das sogenannte „Quartier Heidestraße“ mit Gewerbe- und Einzelhandelsflächen sowie 920 Wohnungen, von denen ein Viertel gefördert werden, so dass deren Mietpreise zwischen 6,50 und acht Euro je Quadratmeter liegen sollen. Im Herbst ist das Richtfest für den Bau „QH Core“ geplant. In dem Gebäudeensemble findet sich neben Wohnungen und Büros auch ein Nahversorgungszentrum. Parallel hierzu wird am 1. März der Grundstein für das Projekt „QH Spring“ gelegt. Dort wird nicht nur eine Kita mit 130 Plätzen errichtet, sondern auch das Gros der geförderten Wohnungen. 215 der 258 Wohnungen werden nach Fertigstellung preisgebunden vermietet.

Stadt und Land
„Im Quartier Mittenmang in der Lehrter Straße gehen die Bauarbeiten weiterhin gut voran“, sagt Doreen Freder von der Groth Gruppe. „Ende vergangenen Jahres wurden 307 Wohnungen des ersten Bauabschnittes übergeben und die ersten rund 600 Bewohner sind bereits in das Quartier gezogen. Auch die Arbeiten im zweiten Bauabschnitt verlaufen planmäßig“, sagt sie. Ende des Jahres soll dieser abgeschlossen sein. Eine Besonderheit des Projekts ist der „Fritz Tower“, ein Turm, der sich aus sogenannten Mikroapartments zusammensetzt. Das sind Ein- und Zweizimmerwohnungen mit einer maximalen Größe von 51 Quadratmetern, die zumeist möbliert an Auszubildende, Studierende oder Geschäftsleute vermietet werden. Diese Mikroapartments sind in der Regel in der Hand von Privatpersonen, welche sie in Zeiten schlechter Kapitalerträge und zinsgünstiger Kredite als vielversprechende Anlage erworben haben. Obwohl sich der „Fritz Tower“ noch im Bau befindet – mittlerweile ist die 13. Etage erreicht – sind bereits alle 266 Mikroapartments verkauft.
„Fritz Tower“: Luxuriöser Mikrowohnraum für Studis, Azubis und Geschäftsleute.
„Fritz Tower“: Luxuriöser Mikrowohnraum für Studis, Azubis und Geschäftsleute.
Auch das Land Berlin ist in der „Europacity“ aktiv. In erster Linie natürlich bei der Gestaltung des öffentlichen Raums. Zuletzt ließ das Land die Heidestraße sanieren und bepflanzen. Die 1,4 Kilometer lange Uferpromenade entlang des Spandauer Schifffahrtskanals soll künftig das „Rückgrat der Europacity“ bilden und Touristen anlocken. Zudem entsteht ein 10.000 Quadratmeter großer Platz, der nach dem Blindenwerkstatt-Betreiber Otto Weidt benannt werden soll, der seine jüdischen Angestellten während der Schoah beschützte. Am bereits sanierten Nordhafen auf der anderen Seite der Europacity wird klar, wie der öffentliche Raum der „Europacity“ gestaltet wird.

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