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Extra Neubauprojekte 2019

Wohnungsknappheit in Berlin und Bedarf von Neubauprojekten

Der Zuzug nach Berlin reißt nicht ab. Trotz neuer Konzepte fehlen Wohnungen – vor allem bezahlbare

Am Alexanderplatz entstehen neue Wohnungen. Stadtweit sind es aber zu wenige. PA/CHRISTOPH SOEDER

Theresia Baldus 

In Berlin drehen sich vielerorts die Baukräne. Doch die Bautätigkeit reicht nicht aus, um die Wohnungsknappheit zu beseitigen. 20.000 Wohnungen sollten jährlich eigentlich in Berlin errichtet werden. Die Zahl wurde nie erreicht. Laut Statistikamt Berlin-Brandenburg waren es bei der bislang letzten Erhebung 2017 knapp 15.700 Neubauten. In den Jahren davor waren es noch weniger. Angesichts von knapp 40.000 Menschen, um die Berlins Bevölkerung jährlich wächst, ist das nicht ausreichend, damit alle adäquaten, bezahlbaren Wohnraum finden können.

Die Wohnungsknappheit in Berlin hat besorgniserregende Ausmaße angenommen. „Mittlerweile dürften etwa 80.000 Wohnungen fehlen“, sagt David Eberhart, Pressesprecher des BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. Die Folgen sind explodierende Preise. Der Quadratmeterpreis für Kaufimmobilien in den Innenstadtbezirken ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 130 Prozent gestiegen. Die Mieten gehen ebenfalls durch die Decke.
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Es wird viel diskutiert, wie man das Problem des fehlenden und zu teuren Wohnraums beheben könnte. Die Weiterentwicklung der Mietpreisbremse ist im Gespräch. Selbst über Enteignungen denken manche Politiker nach, um denMietanstieg zu begrenzen. Dabei gibt es nur ein wirklich probates Mittel, um die Wohnungsknappheit zu beenden oder zumindest zu mildern und die Preise stabil zu halten: „Es muss mehr gebaut werden“, sagt Eberhart.

Dass die Bautätigkeit anzieht, zeigt die offizielle Statistik: So wurden 2017 gut 24.700 Baugenehmigungen erteilt, zum Stichtag November 2018 waren es laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen knapp 20.500. Zum Vergleich: 2012 waren es nicht einmal 10.000. Dennoch ist fraglich, ob das genügt. Der Berliner Senat geht schließlich davon aus, dass bis 2021 etwa 100.000 Wohnungen zusätzlich gebraucht werden.

Gleichzeitig rückt er aber von den vor rund zwei Jahren beschlossenen Maßnahmen ab. So steht in der Kooperationsvereinbarung „Leistbare Mieten, Wohnungsneubau und soziale Wohnraumversorgung“ von 2017, dass die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen bis 2021 30.000 neue Wohnungen bauen. Jetzt teilt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen auf Anfrage mit, dass die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften „in diesem Jahr 4942“ Wohnungen und „20.000 in den nächsten Jahren“ errichten werden. Das sind vor allem schlechte Nachrichten für Mieter mit geringerem Einkommen. Denn die Landeseigenen sind in erster Linie für den geförderten und damit günstigsten Wohnraum zuständig.

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