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Themenwelten Berliner Morgenpost
Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung

Gemeinsam im Kampf gegen das Virus

Die Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung findet zum 25. Mal statt

EVA OERTWIG/SCHROEWIG; ISTOCK/CHALUK

Während Sie diesen Artikel lesen, werden zehn Menschen an Aids sterben. Eine Million Tote fordert die heimtückische Immunschwäche-Krankheit jedes Jahr. Aids zählt zu den weltweit gravierendsten Pandemien und ist noch immer nicht heilbar. Es gibt lebensverlängernde Medikamente, aber ein normales Leben kann ein Betroffener nicht führen.

„In manchen Ländern sind die Medikamente gar nicht bezahlbar“, sagt Alfred Weiss. „Die Pharmaindustrie setzt die Preise so hoch an, dass es sich in Afrika niemand leisten kann. In Osteuropa ist die Situation auch schlimmer, als man glaubt, in Russland darf man über Aids gar nicht sprechen.“ Der Hotelier Alfred Weiss leitet gemeinsam mit dem ehemaligen Operndirektor und Kulturstaatssekretär Alard von Rohr die Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung. Sie findet am 3. November zum 25. Mal statt. Ein stolzes Jubiläum, das mit einem hochkarätig besetzten Konzert und einer rauschenden Ballnacht gefeiert wird.
Alard von Rohr und Alfred Weiss riefen die Festliche Operngala ins Leben.
Alard von Rohr und Alfred Weiss riefen die Festliche Operngala ins Leben.
PRIVAT, CHRISTIAN LIETZMANN
PRIVAT, CHRISTIAN LIETZMANN
Längst gehört das jährliche Fest in der Deutschen Oper Berlin zu den wichtigsten Charity-Events der Republik. „Tue Gutes und habe Freude daran“ lautete von Anfang an das Motto. Am erfolgreichen Konzept der Operngala haben die Veranstalter nie etwas verändert. Aus aller Welt kommen die Gesangsstars in Berlin zusammen. Auf der Bühne stehen diesmal Dmitry Belosselskiy, Martin Muehle, Venera Gimadieva, Xabier Anduaga, Julia Lezhneva, Alexey Markov, Elena Maximova, Francesco Meli, Maria Mudryak und Olga Peretyatko.

Der Italiener Enrique Mazzola, der gerade Erster Ständiger Gastdirigent der Deutschen Oper Berlin geworden ist, dirigiert Chor und Orchester des Opernhauses. Max Raabe führt wie immer auf launige Art mit seinen „notwendigen Bemerkungen zu dramatischen Musikbeispielen“ durchs Programm. Die Künstler gehören zu den wichtigsten Sponsoren der Festlichen Operngala. Sie alle treten ohne Gage auf. Vor dem Konzert amüsieren sie die knapp 2000 Gäste beim Empfang mit einer Fanfare. Auf der Bühne begrüßt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Besucher. Wie jedes Jahr wird der „World Without Aids Award“ verliehen, diesmal an Namibias First Lady Monica Geingos und den irischen Musiker und politischen Aktivisten Sir Bob Geldof.

Markus Herbicht zeichnet für den kulinarischen Genuss verantwortlich. PROMO
Markus Herbicht zeichnet für den kulinarischen Genuss verantwortlich. PROMO
Markus Herbicht verwöhnt mit seiner Gourmetküche die Gäste, und die Tombola verspricht stattliche Gewinne, während diverse Bands im ganzen Haus bis zum Morgengrauen zum Tanz aufspielen. Jedes Jahr sind viele Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur unter den Gästen. Diesmal haben sich unter anderem Andreas Bourani, Clemens Schick, Wotan Wilke Möhring, Lisa Martinek, Ursula Karven, Victoria Swarovski und Paulina Swarovski angekündigt. „Es ist beeindruckend, wenn sich 800 Leute auf der Tanzfläche bewegen. Wir sind beide schon bis 5 Uhr morgens dageblieben“, sagt Alard von Rohr, und der Co-Veranstalter Alfred Weiss stimmt zu. 65 Hostessen betreuen die Gäste. Alle feiern für einen guten Zweck. Die Mischung aus Hochkultur und ausgelassener Party ist einzigartig.

Die Audi AG präsentiert die Operngala, auch MAC Cosmetics und der Verband der Privaten Krankenversicherung gehören zu den wichtigsten Sponsoren. „Wir haben das Glück, dass wir ungewöhnlich viele Großsponsoren haben. Das Programm muss stimmen, die Qualität muss hoch sein. Sonst findet man die Sponsoren nicht und auch nicht die Zuschauer“, erklärt Alfred Weiss. Die Operngala trägt einen wesentlichen Teil zum Gesamtetat der Deutschen Aids-Stiftung bei. Mehr als sieben Millionen Euro sind seit der ersten Gala von 1994 schon in die Kasse geflossen.

Mit den Erlösen der 25. Operngala finanziert die Deutsche Aids-Stiftung Hilfsprojekte in Deutschland und Afrika. Ein Teil geht an das Wohnheim für Menschen mit HIV und Aids in der Reichenberger Straße in Berlin. Dort sind die Appartements gemäß der speziellen Pflegebedürfnisse eingerichtet. Ein anderer Teil fließt in drei Gesundheitszentren in Kenia, um die medizinische Versorgung der Aids-Patienten zu verbessern. Im südafrikanischen Kapstadt sorgen die Gelder dafür, dass die Beratung für HIV-positive Schwangere intensiviert werden kann. Die Familien sollen auch nach der Entlassung der Mütter aus dem Krankenhaus weiter begleitet werden.

Die Berliner Aids-Gala hat wesentlich dazu beigetragen, das Thema Aids zu enttabuisieren. Früher galt es als Randgruppenproblem von Homosexuellen und Drogenabhängigen. Am Anfang winkten auch die Sponsoren ab, wenn es um Aids ging. Doch der Erfolg gab der Festlichen Operngala schnell recht. Auch mit regelmäßigen Fernsehübertragungen und DVD-Veröffentlichungen lenkte sie die gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf die Krankheit. Darin sieht Alard von Rohr einen wesentlichen Verdienst des Charity-Events: „Als wir anfingen, wollte keiner etwas mit dem Thema zu tun haben.Wir haben es in die Mitte der Gesellschaft geholt.“

Deutsche Aids-Stiftung

Seit 1987 engagiert sich die Deutsche AIDS-Stiftung für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit HIV und Aids. Bisher half sie Betroffenen in Not individuell und über Projektförderungen mit 44 Millionen Euro. Dabei wirkt sie über Deutschland hinaus, vor allem mit Hilfsprojekten im südlichen Afrika.

aids-stiftung.de

Ein persönliches Jubiläum

Max Raabe führt zum zehnten Mal durch den festlichen Abend
Max Raabe MAJID MOUSSAVI
Max Raabe MAJID MOUSSAVI
Martina Helmig 

Elegantes Äußeres, unterkühlter Gesichtsausdruck, die Augenbraue skeptisch hochgezogen, Nostalgieschmelz in der Stimme – so kennt und liebt ihn das Publikum. Max Raabe hat sich dem noblen Schellackcharme und doppelbödigen Sarkasmus der alten Schlager verschrieben. Das ganze Jahr über ist er mit seinem Palastorchester zwischen Berlin, New York und Tokio unterwegs. Nur im November, da unternimmt er immer einen Ausflug in die Opernwelt. Auch diesmal moderiert der Gesangsstar mit dem näselnden Timbre wieder die Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung.

Mit seinen „notwendigen Bemerkungen zu dramatischen Musikbeispielen“ bringt er das Publikum in der Deutschen Oper regelmäßig zum Schmunzeln. Die Irrungen und Wirrungen der Opernlibretti humoristisch aufs Korn zu nehmen, macht ihm diebische Freude. Mit seinem Engagement möchte er die Deutsche Aids-Stiftung in ihrem Kampf gegen die tödliche Krankheit unterstützen. Besonders schlimm findet er es, dass in Entwicklungsländern Kinder mit Aids auf die Welt kommen, weil die Mütter sich infiziert haben. Die afrikanischen Projekte der Stiftung interessieren ihn besonders.

In diesem Jahr feiert Max Raabe ein Jubiläum. Zum zehnten Mal erklärt er, was sich Verdi und Puccini wirklich bei ihren Meisterwerken gedacht haben. In den ersten Jahren hat Loriot die Operngala moderiert. Raabe trat in große Fußstapfen, doch sein Vorgänger hat den smarten Entertainer mit ausgewählt. In der ersten Zeit arbeitete Raabe mit Loriot gemeinsam an den Texten. Bei den Treffen und Telefongesprächen hat Max Raabe viel gelernt. Auch in den Moderationen der Konzerte mit seinem Palastorchester hat er Loriots Tipps immer berücksichtigt.

Eigentlich ist Raabe ein Experte für alte Schlager wie „Mein kleiner, grüner Kaktus“ oder „Isabella von Kastilien“. An der Unterhaltungsmusik der Zeit zwischen 1927 und 1933 schätzt er den hintergründigen Witz, die geschliffene Wortwtahl und die raffinierten Akkordfolgen. Aber auch zur klassischen Musik und zur Oper hat er eine intensive Beziehung, und zwar schon seit seiner Kindheit.

Max Raabe aus dem westfälischen Lünen ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. In seiner Jugend hat er Baumhütten und Seifenkisten gebaut. Früh hatte er aber schon ein besonderes Faible für Stil, Schick und altes, humoristisches Liedgut. Im Plattenschrank seines Vaters fand er eine Schellackplatte mit Schlagern. Gleichzeitig entwickelte sich seine Liebe zur klassischen Musik. Die ersten Gesangsübungen unternahm er im Kinderkirchenchor seiner Heimatstadt. Dietrich Fischer-Dieskau war sein großes Vorbild. Die Lieder von Schubert und Schumann hatten es ihm angetan. Als Teenager hörte er auch viel Wagner. Sein Salonorchester gründete er mit zwölf Kommilitonen während des Gesangsstudiums. Der Durchbruch kam mit seinem ersten eigenen Titel: „Kein Schwein ruft mich an“. Seitdem ist der Erfolgsfaden niemals abgerissen.

Sein Gesangsstudium beendete Max Raabe trotzdem und darf sich seither „staatlich geprüfter Bariton“ nennen. Der Salonlöwe unternimmt gern Ausflüge in andere Genres. Er sang den Mackie Messer in der „Dreigroschenoper“. Seine Kurt-Weill-CD wurde mit dem Echo-Klassik-Preis ausgezeichnet. Er trat in Filmen wie „Der bewegte Mann“, „Charlys Tante“ und „Invincible“ auf. In seiner Freizeit hört er zu Hause gern Kammermusik, zurzeit vor allem die Geigerin Julia Fischer. Und natürlich geht der Wahl-Berliner auch außerhalb der Galasaison immer gern in die Vorstellungen der Deutschen Oper. 

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