Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Handball-WM 2019

„Im Angriff mische ich mich nicht ein“

Oliver Roggisch, Teammanager der Handball-Nationalmannschaft. FOTO: GOLLNOW/PA

Berlin - Mehr als 200 Länderspiele hat Oliver Roggisch (40) für die Handball-Nationalmannschaft gemacht, war Kapitän, holte 2007 den Weltmeistertitel im eigenen Land. Im Interview mit Christian Höb spricht der DHB-Teammanager über seine Rolle auf der Bank, die Chancen bei der WM und das Berliner Publikum.

Herr Roggisch, Sie haben mal erzählt, dass Sie bei Frisch Auf Göppingen Ihren neuen Trainer Christian Fitzek nicht erkannt haben, als der neben Ihnen saß. Geht es den deutschen Nationalspielern auch so, wenn Sie als Teammanager mit auf der Bank sitzen?

Oliver Roggisch: (lacht) Damals war klar, dass Christian Fitzek und ich beide frisch nach Göppingen kommen, er als Trainer, ich als Spieler. Den Vertrag hatten wir schon unterschrieben, wir waren aber noch nicht da tätig. Wir haben uns beide als Gäste ein Bundesligaspiel der Mannschaft angeschaut. Mein Papa saß zwischen uns, ich habe Christian Fitzek nicht erkannt. Was die Nationalelf angeht: Ich glaube schon, dass jeder weiß, wer da mit auf der Bank sitzt. Mit einigen Jungs habe ich ja noch zusammen gespielt.

Was ist Ihre Rolle während eines Spiels?

Ich pushe die Mannschaft oder bin der Ruhepol, wenn es stressig wird. Ich achte darauf, dass nicht falsch gewechselt wird. Es schadet nicht, wenn da noch einer zusätzlich aufpasst. Ich habe keine Coaching-Aufgabe, dafür gibt es Chef- und Co-Trainer. Ich bin eher ein Ansprechpartner.

Nehmen Sie sich einen Spieler zur Seite? Oder kommen die auf Sie zu?

Beides. Ich werde hauptsächlich angesprochen, wenn es um Abwehraufgaben geht. Im Angriff mische ich mich nicht ein, das können die anderen Trainer besser. Wenn ich sehe, da funktioniert was nicht in der Abwehr, dann rede ich mit.

Sie sind als Aktiver für Ihre knallharte Spielweise bekannt gewesen. Gibt es einen Profi in der Nationalelf, bei dem Sie denken: Der spielt wie ich?

Ich erkenne mich manchmal bei Patrick Wiencek wieder. Von der Art und Weise, wie er eine Mannschaft pushen kann und in jedem Spiel brennt. Ähnlich ist das bei Wiencek und Finn Lemke, was die Art angeht, wie die beiden die Abwehrarbeit leben und Spaß daran haben.

Sie waren beim Titelgewinn 2007 im eigenen Land dabei, die WM ging als Wintermärchen in die Geschichte ein. Was trauen Sie der Mannschaft bei dieser WM zu?

Sehr, sehr viel. Ich weiß aber, wie es im internationalen Geschäft ist. Viel mehr Teams können oben mitspielen. Die Skandinavier sind immer stark, Frankreich und Kroatien hast du immer dabei, Spanien auch. Wenn alles passt, ist mit uns zu rechnen. Vor allem im eigenen Land. Ich weiß, wie motivierend das sein kann und was man für eine Euphorie auslösen wird.

Deutschland spielt seine WM-Vorrunde in Berlin. Sie kennen Berlin als Handball-Standort aus Ihrer aktiven Zeit als Spieler und Ihrer derzeitigen Tätigkeit als Sportlicher Leiter bei den Löwen. Was macht Berlin als Handball-Standort aus?

Das Berliner Publikum ist sportinteressiert, das liegt natürlich auch an den Füchsen. Für uns als Nationalmannschaft ist es einfach, nach Berlin zu fahren, da wir die Füchse- und die Nationalmannschaft-Fans in der Halle haben.

Wird Ihr Sohn während der WM mit einem „Roggisch“-Trikot herumlaufen?

Er trägt auch mal ein Roggisch-Trikot, aber sein Favorit ist derzeit Mikael Appelgren (Torwart der Rhein-Neckar-Löwen und Schwedens Nationalkeeper, Anmerkung d. Red.). Momentan ist er im Torwart-Fieber, läuft ständig mit Appelgren-Trikot herum. Er wird sicher ein Deutschland-Trikot bekommen. Aber was er anzieht, entscheidet er.
Weitere Artikel