Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung

„Ich möchte meine Musikalität in den Dienst des Kampfes gegen Aids stellen“

Der italienische Dirigent Enrique Mazzola debütiert bei der Festlichen Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung

Enrique Mazzola bereitet das Programm der Festlichen Operngala vor. PA/VLADIMIR FEDORENKO

„Die Orchestermusiker haben mir immer wieder von dieser ganz besonderen Gala erzählt. Ich wollte unbedingt einmal dabei sein“, erklärt Enrique Mazzola. Seit etwa zehn Jahren dirigiert er regelmäßig an der Deutschen Oper Berlin, nun leitet der Italiener erstmals das musikalische Programm der Festlichen Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung. Es ist überhaupt das erste Mal, dass er ein Benefizkonzert dirigiert. „Ich möchte meine Musikalität in den Dienst des Kampfes gegen Aids stellen. Ich finde es aufregend und schön, dass ich für so eine wichtige Aufgabe nützlich sein kann“, sagt der Musikdirektor des Orchestre National d’Île de France.

In Berlin ist er immer wieder gern. Der Dirigent, der sich besonders für das italienische und französische Repertoire einsetzt, hat einige Zeit an der Spree gelebt und hier viele Freunde gewonnen. An der Deutschen Oper dirigierte er besonders häufig Rossini und Meyerbeer. Seit dem Beginn dieser Spielzeit ist er Erster Ständiger Gastdirigent an der Bismarckstraße. Das bedeutet, dass er in den kommenden Jahren mit mindestens einem Projekt pro Saison präsent sein wird. Im Dezember und Januar leitet er die Premiere und eine Aufführungsserie von Jacques Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“.

Ein Galaprogramm findet Enrique Mazzola schwieriger zu dirigieren als einen normalen Konzert- oder Opernabend, denn er muss sich in kürzester Zeit auf eine Vielzahl an musikalischen Stilen und Sängern einstellen. „Bei einer Gala muss man für jede Arie eine eigene Stimmung finden“, meint der in Barcelona geborene Italiener. Mit Olga Peretyatko hat er vor sechs Jahren die CD „Arabesque“ aufgenommen. Den anderen Solisten der Operngala begegnet er zum ersten Mal.

Eine Herausforderung ist es, jedes Jahr wieder erstklassige Sänger zu finden. Die großen Namen haben volle Terminkalender, schließlich planen die Opernhäuser drei, vier Jahre im Voraus. Alard von Rohr, der Mitbegründer und künstlerische Leiter der Operngala, findet immer wieder hochkarätige Stimmen. Aus seiner Zeit als Direktor der Deutschen Oper Berlin hat er ein sehr gutes Netzwerk und erfährt, welche Sänger gerade besonders interessant sind. Größen wie Simone Kermes, Sonya Yoncheva, Klaus Florian Vogt und Rolando Villazón hat er für die Operngala schon entdeckt, bevor sie zu Weltstars wurden. Mit dem Thema Aids stößt er immer auf offene Ohren bei den Künstlern. Natürlich hilft es auch, dass die Festliche Operngala inzwischen international bekannt ist und ein beachtliches Prestige hat.


Über das Konzertprogramm möchten Alard von Rohr und der Dirigent Enrique Mazzola noch nicht allzu viel verraten. Zum Auftakt spielt das Orchester der Deutschen Oper Franz von Suppés Ouvertüre zur Operette „Leichte Kavallerie“. Der Opernchor singt den Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“. Berühmte Arien, Duette und Ensembles von Donizetti, Bellini, Verdi und Puccini stehen auf dem Plan. Aber auch ein paar Spezialitäten sind dabei. „Es wird eine gute Mischung, auch in meinen symphonischen Programmen kombiniere ich gern Standardwerke mit Raritäten“, erklärt Enrique Mazzola. Besonders freut er sich auf eine selten gesungene Arie von Rossini.

Das Konzert ist das Herzstück des Galaprogramms, aber es ist natürlich längst nicht alles. Musiker aus dem Opernorchester begrüßen vorher die Gäste im Foyer mit einer Fanfare. Nach dem Empfang nehmen die Besucher ihre Plätze im Saal ein. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird zum Jubiläum, also der 25. Ausgabe der Festlichen Operngala eine Ansprache halten. Dann wird wie in jedem Jahr der „World Without Aids Award“ verliehen. Er geht diesmal an Monica Geingos, die First Lady von Namibia, die sich nicht nur gegen die Armut in ihrem Land einsetzt, sondern auch mit Projekten für Mädchen und junge Frauen gegen Aids kämpft. Der zweite Preisträger ist der irische Musiker Sir Bob Geldof, der sich mit seinen „Band Aid“-Projekten seit Jahrzehnten gegen Hunger und Aids in Afrika engagiert.

Wenn das Konzert mit den internationalen Opernstars, Chor und Orchester der Deutschen Oper und Max Raabe als Moderator vorüber ist, beginnt der kulinarische Teil der Veranstaltung. Auf der Hinterbühne finden sich die Gäste des gesetzten Dinners ein. Alle anderen lassen sich an den Buffets in den Foyers verwöhnen. Der Spitzenkoch Markus Herbicht, der für die Popikone Madonna und die thailändische Königsfamilie gekocht hat, feiert diesmal sein eigenes kleines Operngala-Jubiläum. Er ist schon zum zehnten Mal für die Gourmetgerichte verantwortlich. Im vergangenen Jahr hat er die Gaumen unter anderem mit Wildwasserlachs, rosa Filet vom Wiesenkalb und gesottenem Hummer verwöhnt. Auf das Jubiläumsmenü darf man gespannt sein.

Während sich die Teller füllen, ist die After-Show-Party schon in vollem Gange. Auf der Hauptbühne spielt wie schon oft die Chris Genteman Group zum Tanz auf. Zwischen „It’s Raining Men“ und „Uptown Funk“ haben sie alles im Repertoire, was in die Beine geht. Die Band Munique um die Sängerin Vanessa Ekpenyong und den Sänger und Multiinstrumentalisten Tommy Reeve ist in jedem Musikgenre ob Pop, Rock, Hip-Hop oder House heimisch. Der Sänger und Keyboarder Winnie Appel bringt das Foyer in Stimmung. Der Entertainer ist seit der ersten Operngala dabei. Neben seiner Band bringt er den senegalesischen Perkussionisten Paa’pa Re mit auf die Bühne, der schon leidenschaftlich trommelte, bevor er laufen lernte.

Kurz vor Mitternacht beginnt die Tombola. Da sind Fluggutscheine im Wert von 10.000 Euro, eine wertvolle Acrylmalerei, eine Luxusreise nach Dubai, eine Kreuzfahrt entlang der italienischen Mittelmeerküste, ein exklusiver Kochkurs mit Markus Herbicht und 23 weitere Preise zu gewinnen. Der Hauptpreis ist ein neuer Audi A1 Sportback. Auch die Erlöse der Tombola gehen an die Deutsche Aids-Stiftung. Während die glücklichen Gewinner ihre Preise abholen, sind alle anderen schon wieder auf dem Tanzparkett. Das Partyvolk in Abendgarderobe wird so schnell nicht müde. Bis fünf Uhr früh amüsieren sich die Gäste beim „Tanz in den Morgen“.

Venera Gimadieva

LENA FAINBERG
LENA FAINBERG
Ihre Ausbildung genoss sie an den Konservatorien von Kazan und Sankt Petersburg. Am dortigen Opernhaus erhielt Venera Gimadieva, die mittlerweile zu den gefragtesten Koloratursopranistinnen der Welt zählt, auch ihre erste Rolle. 2014 wurde sie mit dem „Golden Mask Award“ für ihre Amina in Bellinis „La Sonnambula“ am Bolschoi-Theater ausgezeichnet – neben Violetta in „La Traviata“ eine ihrer Paraderollen. Der Deutschen Oper bleibt sie erhalten: Im kommenden Jahr ist sie hier in einer Neuproduktion von „La Sonnambula“ unter Jossi Wielers Regie zu sehen.

Xabier Anduaga

PROMO
PROMO
Der lyrische Tenor aus Spanien ist der jüngste Sänger unter den diesjährigen Solisten. Geboren 1995, hat Xabier Anduaga sein Operndebüt 2016 in der Rolle des Cavalier Belfiore in „Il Viaggio a Reims“ gegeben – eine Rolle, in der er auch ein Jahr darauf am Teatro Filarmonico di Verona brillieren konnte. Den Conte d’Almaviva aus der Oper „Il barbiere di Siviglia“ sang er unter anderem schon im Sankt Petersburger Michailowski-Theater. Nach Gesangspartien in Basel und Budapest freut er sich auf den Auftritt bei der Festlichen Operngala, der zugleich sein Deutschland-Debüt ist.

Elena Maximova

JURI BOGOMAZ
JURI BOGOMAZ
Die Mezzosopranistin, ausgebildet am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium, hat sich mit Gastspielen an der Scala und an der Metropolitan Opera einen Namen gemacht. An ihr Debüt an der Wiener Staatsoper 2012 als Carmen schlossen sich zahlreiche weitere Erfolge an. So rettete sie, noch während sie als Eboli auf der Bühne stand, als Einspringerin in der Partie der Marfa eine Produktion von Mussorgskis „Chowanschtschina“. In der Zukunft ist Elena Maximova nicht nur weiter in Wien eingeplant, sondern wird auch an der Staatsoper Berlin zu sehen sein.

Martin Muehle

SIMON PAULY
SIMON PAULY
Aufgewachsen in Porto Alegre, ausgebildet an der Musikhochschule Lübeck, ist der Deutsch-Brasilianer mit dem weichen Klang seiner Stimme nicht nur zu einem der führenden Spinto-Tenöre Südamerikas aufgestiegen. In der aktuellen Saison kehrt er als Calaf in Giacomo Puccinis „Turandot“ nach Köln zurück und gibt in Seattle sein USA-Debüt mit „Il Trovatore“ von Giuseppe Verdi. Auch an der Deutschen Oper ist er kein Unbekannter: Hier begeisterte er 2017 in der Titelrolle in Giordanos musikalischem Drama „Andrea Chénier“.

Dmitry Belosselskiy

SERJ LONGRAY
SERJ LONGRAY
Bevor er im Januar im Konzerthaus Berlin die Symphonie Nr. 13 von Schostakowitsch interpretiert, können die Berliner Dmitry Belosselskiy bei der Operngala erleben. Der Absolvent der Moskauer Gnessin-Akademie beeindruckte als Bass an der Metropolitan Opera, an der Mailänder Scala und der Staatsoper Unter den Linden. Höhepunkt der vergangenen Spielzeit war eine Neuproduktion von Verdis „Don Carlo“ an der Opéra National de Paris. Aktuell bereitet er sich auf seine Rückkehr nach New York vor, wo er in „Aida“, „Siegfried“ und „Das Rheingold“ zu hören sein wird.
Weitere Artikel