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Themenwelten Berliner Morgenpost
Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung

Große Vielseitigkeit, großes Engagement

Zur Jubiläumsveranstaltung werden Monica Geingos und Bob Geldof für ihr Engagement gegen Aids mit dem Award der Gala geehrt

Monica Geingos ist eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen Namibias. OFFICE OF THE FIRST LADY

Der „World Without Aids Award“ wird zur Jubiläumsveranstaltung der First Lady von Namibia, Monica Geingos, und dem irischen Rockmusiker Bob Geldof verliehen. Die Deutsche Aids-Stiftung zeichnet mit diesem Preis Menschen aus, die sich wirkungsvoll im Kampf gegen HIV und Aids engagieren. Und obwohl die Biografien der diesjährigen Preisträger nicht unterschiedlicher sein könnten, eint beide eines: ihre ausgesprochene Vielseitigkeit und ihr soziales Engagement.

Monica Geingos – eine Stimme für Mädchen und Frauen

Den Auftritt als First Lady von Namibia meisterte Monica Geingos souverän: Wohlwissend, dass alle darauf warteten, ihr einen Kommentar zur Hochzeit mit dem 35 Jahre älteren Präsidenten Hage Geingob zu entlocken, verkündete sie nur, ihren Seelenverwandten gefunden zu haben. Und im Gegensatz zu anderen Frauen, die viel durchmachen müssten, hätte sie einzig diesen Altersunterschied zu tolerieren. Damit könne sie gut leben. Diese Souveränität zeichnete Monica Geingos bereits vor ihrem Leben als First Lady aus. Als Juristin war sie lange Geschäftsführerin von Namibias größtem privaten Aktienfonds und wurde für ihren „herausragenden Beitrag zur sozioökonomischen Entwicklung Namibias“ ausgezeichnet. Seit 2015 ist sie First Lady, betrachtet den Titel jedoch als „Amt der Ehe, nicht des Verdienstes“. Deshalb arbeite sie noch engagierter, um das Privileg im Dienste aller zu nutzen. In einem Land wie Namibia, das auch 28 Jahre nach der Unabhängigkeit noch mit großer Ungleichheit zu kämpfen hat und die fünfthöchste HIV-Rate der Welt aufweist, ist das besonders vonnöten. Fast jeder Namibier hat Bekannte, die mit HIV infiziert sind: Den fatalen Zusammenhang von Armut, schlechter Bildung und Anfälligkeit für die Krankheit kennen viele aus erster Hand. Insbesondere Mädchen und junge Frauen sind betroffen. Ihnen eine bessere Zukunft zu schaffen und sie aus der Hoffnungslosigkeit zu holen, motiviert Geingos zu kämpfen. Als First Lady kombiniert sie ihre Erfahrung als Unternehmerin mit dem Einsatz des Präsidenten gegen die Ungleichheit. Mit der One Economy Foundation initiierte sie zahlreiche Programme gegen Armut. Seit 2016 ist Geingos UN-AIDS-Sonderbeauftragte für junge Frauen und heranwachsende Mädchen. Sie fördert eine umfassende Sexualerziehung. Dafür hat sie eine Kampagne gestartet, in der Diskussionen über vormals tabuisierte Themen wie geschlechtsspezifische Gewalt, Sex oder Aids offen stattfinden. Die Fakten sprechen für sich: Trotz der noch immer hohen HIV-Rate im Land, konnte die HIV-Inzidenzrate bei Erwachsenen in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent gesenkt werden. Aufklärung und die Versorgung mit antiretroviralen Medikamenten haben Früchte getragen. „Wir sind auf dem schnellen Weg zu einer aidsfreien Generation. Wenn wir so fokussiert bleiben, bin ich zuversichtlich, dass wir dieses historische Ziel erreichen“, sagt Geingos. Ihr Blick in die Zukunft macht Mut. Und wenn einer Person das Erreichen dieses ambitionierte Ziels zuzutrauen ist, dann der First Lady von Namibia.

Sir Bob Geldof – Der ewige Kämpfer
Bob Geldof initiierte in den vergangenen drei Jahrzehnten zahlreiche BenefizAktionen wie Band Aid gegen die Hungersnot in Afrika. PA/ PHOTOSHOT
Bob Geldof initiierte in den vergangenen drei Jahrzehnten zahlreiche BenefizAktionen wie Band Aid gegen die Hungersnot in Afrika. PA/ PHOTOSHOT
„Ich habe immer nur das verfolgt, was ich für interessant oder notwendig hielt – und mich auf unbekannte Wege gewagt“, reflektiert Bob Geldof seine Karriere. Wer sich die Biografie des Iren anschaut, hegt daran keinen Zweifel. Bob Geldof ist weltweit für seine vielen Talente und Leidenschaften bekannt. Seine Karriere begann er als erfolgreicher Musiker, Schauspieler und Songwriter. Songs wie „Rat Trap“ und „I Don’t Like Mondays“ sind nach wie vor beliebte Ohrwürmer.

Mit seiner enormen Vielseitigkeit hat sich Geldof auch als Geschäftsmann etabliert und spricht als einflussreicher Redner über eine Vielzahl von globalen Problemen. Dabei nutzt er seine persönlichen Erfahrungen und Erfolge, um sein Publikum zu motivieren–und gerne auch mal zu provozieren.

Am bekanntesten ist Geldof wohl für seine Arbeit als unermüdlicher Philanthrop und Politaktivist. Als Reaktion auf einen BBC-Bericht über die Hungersnot in Äthiopien mobilisierte er 1984 die PopWelt unter dem Namen Band Aid. Zusammen spielten sie den Megahit „Do They Know It’s Christmas?“, der zur meistverkauften britischen Single aller Zeiten wurde. Ein Jahr später organisierte Geldof Live Aid, eines der größten Rockkonzerte der Geschichte. Mehr als 150 Millionen Pfund wurden für die Afrika-Hungerhilfe eingespielt. Nach weiteren zwei Jahrzehnten Wohltätigkeitsarbeit und Aktivismus folgten die weltweiten Live-8-Konzerte als Teil der Kampagne „Make Poverty History“. Mit der Konzertreihe zielte Geldof darauf ab, das Bewusstsein für die Notlage in Afrika – Armut, Hunger, Staatsverschuldung und HIV/Aids eingeschlossen - zu schärfen.

Bis heute hat Geldof auf diesem Weg eine ganze Generationen inspiriert. Doch sein Engagement sieht er noch nicht als beendet an. „Das Gefährliche ist jetzt – eine Generation später – zu glauben, dass wir fertig sind. Sind wir nicht“, sagt Geldof über die Aids-Epidemie. Er kämpft weiter und macht auf der globalen Bühne Druck: Unter anderem mahnt er, dass der globale Fonds zur Bekämpfung von Aids dringend mehr Geld benötige. Für sein karitatives Engagement wurde er bereits 1986 von der Queen zum Knight Commander ernannt und erhielt in den folgenden Jahren eine Reihe weiterer Auszeichnungen. Geldof freut sich darauf, für die Preisverleihung der Festliche Operngala nach Berlin zu kommen. Er betrachtet die Veranstaltung als wichtiges Ereignis, um HIV/Aids mehr ins Bewusstsein zu rücken. Und: Berlin findet er auch ziemlich „cool“.

Von afrikanischen Träumen und Hoffnungen

Im südlichen und östlichen Afrika ist die Deutsche Aids-Stiftung mit den Projekten Hope und Dream eine nachhaltige Partnerschaft im globalen Kampf gegen HIV/Aids eingegangen
In der Geburtsklinik im Tygerberg Hospital in Kapstadt: eine Mutter und ihr Baby zusammen mit einer HIV-Fachkraft von Hope. ULRICH HEIDE
In der Geburtsklinik im Tygerberg Hospital in Kapstadt: eine Mutter und ihr Baby zusammen mit einer HIV-Fachkraft von Hope. ULRICH HEIDE
Antje Waldschmidt

Das subsaharische Afrika – besonders das südliche Afrika – ist die am stärksten von HIV und Aids betroffene Region der Welt. 2017 waren 36,9 Millionen Menschen mit HIV infiziert, davon rund zwei Drittel in Afrika. Darum weitete die Deutsche Aids-Stiftung 2000 ihr Engagement international aus, dorthin, wo der Kampf gegen die tödliche Epidemie am dringendsten ist. In Südafrika fördert die Stiftung seit nunmehr 14 Jahren die Hilfsorganisation Hope, die sich in den Townships um Kapstadt um HIV-positive Kinder und ihre Familien kümmert. In Mosambik und Kenia hat die Stiftung die Organisation-Dream der ökumenischen Gemeinschaft Sant’Egidio als Partner.

Hope Kapstadt – Stärkung des Gesundheitswesens

Bei einer Bevölkerung von 57,7 Millionen leben in Südafrika rund 7,2 Millionen Menschen mit HIV/Aids – das macht Südafrika zum weltweit am stärksten von der Epidemie betroffenen Land. 2017 galten 1,3 Millionen Kinder als Aids-Waisen. Hinter diesen Zahlen steht unfassbares Leid: Wer kümmert sich um die erkrankte Familie? Wer übernimmt Verantwortung für die Kinder,wenn die Eltern sterben?

Der deutsche Pfarrer Stefan Hippler kam 1997 nach Kapstadt und wollte nicht tatenlos zusehen, dass HIV den Tod bedeuten kann. Er wollte, ohne besserwisserisch zu sein, nachhaltig Hilfsarbeit entwickeln. 2001 gründete er das Projekt „Hope Cape Town“, um für mehr Mitmenschlichkeit zu sorgen. Seitdem nimmt sich Hope (HIV, Outreach, Prevention, Education) Betroffener an: mit kostenloser Betreuung von Aids-Kranken in 19 Township-Kliniken rund um Kapstadt und in der Kinderstation des Krankenhauses Tygerberg.

,,Die Hope-Kapstadt- ,Stiftung ist die richtige ,Antwort auf diese ,Gesundheitskrise. Ohne Unterstützung auch aus Deutschland wäre die Arbeit von Hope Cape Town nicht möglich. Wir sind dankbar für jeden Euro und jedes Engagement. Die Menschen in Afrika brauchen Ihre Hilfe

Stefan Hippler, Pfarrer und Gründer von Hope Cape Town

Die Stütze von Hope bilden die Gesundheitsarbeiterinnen: Sie arbeiten mit den Tageskliniken zusammen, machen Hausbesuche in den Gemeinden, wo sie zu HIV-Tests anregen und über die Mutter-Kind-Übertragung des Virus sowie Möglichkeiten zur Vorbeugung aufklären. Anfänglich waren sie freiwillige Helferinnen. Seit 2002 rekrutiert Hope vorrangig arbeitslose Frauen, bildet sie aus und setzt sie im Team ein. Das entlastet das Personal in den unterbesetzten Township-Kliniken. Hope füllt dadurch eine Lücke im staatlichen südafrikanischen Gesundheitssystem.

Die Deutsche Aids-Stiftung fördert Hope seit 2004 und gründete 2007 die Hope-Kapstadt-Stiftung als treuhänderische Stiftung, um die Aktivitäten noch wirkungsvoller zu unterstützen.

Dream Mosambik und Kenia bekämpfen das Virus 
Eine Dream-Mitarbeiterin auf Hausbesuch bei einen HIV-positiven Jungen und seiner Großmutter. SANT'EGIDIO
Eine Dream-Mitarbeiterin auf Hausbesuch bei einen HIV-positiven Jungen und seiner Großmutter. SANT'EGIDIO
Dream (Disease Relief through Excellent and Advanced Means) heißt das Projekt, das die Deutsche Aids-Stiftung seit 2005 in Mosambik unterstützt. Seit 2017 gehören auch drei Stationen in Kenia dazu. Die ehrenamtlich tätige Gemeinschaft Sant’ Egidio hat sich vor allem zum Ziel gesetzt, die Infektionsrate bei der Mutter-Kind-Übertragung drastisch zu reduzieren. Ein Blick auf die Statistik zeigt, warum: Von 30 Millionen Mosambikanern sind 2,1 Millionen mit dem Virus infiziert – mehrheitlich junge Frauen und Kinder. Die Gefahr, dass eine infizierte Frau das Virus auf ihr Kind überträgt, liegt bei etwa 40 Prozent. Bei Dream kommen hingegen 98 Prozent der Babys von zuvor behandelten Frauen HIV-negativ zur Welt.

Weitere Schwerpunkte von Dream sind die Verbesserung der Medikamentenlage sowie der Kampf gegen Mangelernährung. Insbesondere in den abgelegenen Gebieten Kenias ist Unterernährung ein großes Problem, das dazu beiträgt, dass die Medikamente gegen die Infektion kaum wirken.

Das Engagement von Dream zeigt, an wie vielen Fronten gegen das HI-Virus in Afrika gekämpft wird und dass sich die Organisation als starker lokaler Partner bewährt. So reisen nach Mosambik auch Patienten aus den Nachbarländern, die von den gut organisierten Zentren wissen, in denen sie Medikamente und kostenlose Untersuchungen erhalten. Das spricht für die Behandlungserfolge und gute Aufklärungsarbeit der Organisation. Es bleibt die Hoffnung, dass das auch zukünftig zu weniger Neuinfektionen führt, damit der Wunsch einer mit HIV nahezu uninfizierten Generation eines Tages Realität wird.

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