Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung

„Wir wollen, dass ein gesundes Leben gelingt“

Gesundheitliche Versorgung, Lebenshilfe und Gemeinschaftssinn – die Deutsche Aids-Stiftung fördert Projekte für Menschen mit Migrationshintergrund

Das Café Kuchus in Kreuzberg. FOTO: SCHWULENBERATUNG BERLIN

Christopher Wasmuth 

Menschen mit Migrationshintergrund stehen in Deutschland vor vielen Herausforderungen. Der gleichberechtigte Zugang zum Gesundheitssystem ist nicht immer gewährleistet. Oft stehen schlicht Sprachbarrieren im Weg. Aber es gebe auch sehr unterschiedliche Vorstellungen von sexueller Gesundheit, wie Kristel Degener, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung, betont. „Deshalb wollen wir zunächst Wissen vermitteln, und zwar möglichst niedrigschwellig.“ Die Stiftung fördert gezielt Initiativen und Projekte, die sich an Menschen mit Migrationshintergrund richten – und dabei über die gesundheitliche Versorgung von HIV-Patienten hinausgehen. „Man kann die Krankheit nicht für sich allein betrachten“, so Degener und ihr Vorstandskollege Florian Reuther. „Wir wollen einen Gesamtbeitrag zur Orientierung in unserer Gesellschaft und unserem Gesundheitswesen leisten. Und wir wollen, dass ein gesundes Leben gelingt.“

„Wir wollen, dass ein gesundes Leben gelingt“ Image 1
"Die Private Krankenversicherung hat sich bewusst dafür entschieden, über die Deutsche Aids-Stiftung Projekte zu fördern, die sich speziell an Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung richten. Denn sie kommen oft aus Ländern, in denen HIV tabuisiert wird. Präventions- und Hilfsangebote müssen daher besonders niedrigschwellig sein, um ihre Lebenswelten zu erreichen, sie zu informieren, zu beraten und zur Vorsorge zu motivieren."

Dr. Ralf Kantak, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e. V.

HIV und Aids sind besonders sensible Themen. Deshalb geht es in den Projekten zunächst darum, die Menschen miteinander zu vernetzen, Vertrauen zu schaffen – und Struktur in die Fülle von Angeboten zu bringen. Projekte der Deutschen Aids-Stiftung zur Förderung einer besseren gesundheitlichen Lebenswelt von Migranten unterstützt der Verband der Privaten Krankenversicherung. „Gerade Menschen mit Migrationshintergrund sind eher vorsichtig im Umgang mit staatlichen Institutionen“, so Degener. „Der erste Schritt ist also die Sprache.“
Dr. Kristel Degener und Dr. Florian Reuther, Vorstand der Deutschen Aids-Stiftung. FOTO: BARBARA FROMMANN
Dr. Kristel Degener und Dr. Florian Reuther, Vorstand der Deutschen Aids-Stiftung. FOTO: BARBARA FROMMANN
Die Stiftung fördert deswegen Dolmetscher für Beratungsstellen – legt aber auch Wert darauf, dass die Hilfe direkt aus den Communitys kommt. Am HIV-Center des Frankfurter Universitätsklinikums etwa, wo Patienten seit zehn Jahren zu ehrenamtlichen Helfern ausgebildet werden. „Helping Hand“ heißt das Projekt. Diese helfenden Hände stehen dann den neuen Patienten bei und begleiten sie zu Arztterminen. Annette Haberl, Ärztin am HIV-Center, erzählt, wie schwierig die Situation gerade für Frauen aus außereuropäischen Ländern sei.

Gute Therapiechancen

„Wenn wir beispielsweise im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge die Erstdiagnose stellen, sitzt der Schock tief“, so Haberl. Die Vorstellungen über die Krankheit seien oft nicht richtig, die Angst vor Stigmatisierung groß und die sprachlichen Hürden hoch. „Ich habe eigentlich nur gute Botschaften zu vermitteln“, sagt Haberl. Denn HIV sei schließlich gut therapierbar. „Aber oft erreiche ich die Patientinnen gar nicht richtig.“ Die „Helping Hand“-Ehrenamtlichen sind mit ihrer Vermittlung der Schlüssel zum Erfolg.

Auch die Berliner Kontakt- und Anlaufstelle für MigrantInnen ist ein Ort für Begegnungen. Das Projekt, kurz BeKAM, gibt es bereits seit 20 Jahren. „Ein geschützter Raum für Gespräche“, wie Thomas Sielaff von der Berliner Aids-Hilfe erklärt. Bei Be-KAM treffen sich HIV-positive Menschen, die erst seit Kurzem in Deutschland leben. Etwa 50 bis 60 Erwachsene und Kinder gehören dazu. „In der Gruppe kann es beispielsweise darum gehen, welche Erfahrungen man mit neuen Medikamenten und Therapien gemacht hat“, so Sielaff. Die BeKAM-Gruppe bietet Orientierung und die Möglichkeit des Austauschs. Fragen über den Aufenthalt in Deutschland stehen dabei genauso wie der Umgang mit dem Gesundheitswesen und HIV im Fokus.

Bei konkreten Herausforderungen steht die Berliner Aids-Hilfe mit einer Beratung zur Verfügung. Psychosoziale sowie sozial- und aufenthaltsrechtliche Fragen können dann in verschiedenen Sprachen geklärt werden.

Die Menschen, die in der Be-KAM-Gruppe aktiv sind, haben die Anträge bei den Behörden oft schon gestellt. Ganz anders hingegen ist es im Berliner Café Kuchus. Stephan Jäkel von der Schwulenberatung Berlin sagt: „In 90 Prozent der Fälle finden die LGBTI*-Geflüchteten zunächst uns, erst danach den behördlichen Zugang zum Asylsystem.“ Seine Zielgruppe, so Jäkel, sei besonders verwundbar. Oft seien die Menschen nicht nur vor Kriegen geflohen, sondern auch vor Diskriminierung durch Familie, Nachbarn und den Staat.

Umfassende Betreuung

„Wir haben es mit jahrelanger komplexer Traumatisierung zu tun – und den entsprechenden Folgeerkrankungen.“ Das Café Kuchus hat zwei Nachmittage in der Woche geöffnet und richtet sich ausschließlich an queere Geflüchtete. Ein mehrsprachiges und multiprofessionelles Team unterstützt die Geflüchteten zu Beginn vor allem in Fragen des Aufenthaltsstatus und Zugangs zu gesundheitlicher Grundversorgung. Neben psychischer Stabilisierung findet auch eine Vermittlung in anonyme HIV-Beratungs- und Testangebote statt. „Wir bieten einen Anker in der Berliner Versorgungsbürokratie“, so Jäkel. Dabei kritisiert er, dass die Asylgesetzgebung weiter verschärft wird: „Das führt dazu, dass die Menschen viel länger in Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben müssen. Obwohl gerade unsere Zielgruppe eigentlich eine gute Bleibeperspektive hat.“
  

Andrea Mastroni

FOTO: N. GARZETTI
FOTO: N. GARZETTI
Andrea Mastroni ließ sich an der Klarinette ausbilden, bevor er den Entschluss fasste, seine Stimme als Instrument zu nutzen. In seinem Repertoire zeigt sich der Sänger äußerst facettenreich. Er fühlt sich im Barock ebenso zu Hause wie in der Wiener Klassik und der Romantik und der italienischen Oper des 19. Jahrhunderts.

Kristina Mkhitaryan

FOTO: D. GULEDANI
FOTO: D. GULEDANI
Ausgebildet wurde die Sopranistin am Gnessin-Konservatorium in Moskau. In Barrie Koskys „Carmen“-Inszenierung am Royal Opera House Covent Garden sang sie die Micaela. An der Deutschen Oper begeisterte die 32-Jährige im vergangenen Jahr als Violetta in „La Traviata“.

Simone Piazzola

FOTO: V. SANTIAGO
FOTO: V. SANTIAGO
Der Italiener zählt zu den führenden Interpreten der italienischen Oper des 19. Jahrhunderts. In Berlin stand er zuletzt als Ford in Verdis „Falstaff“ auf der Bühne der Staatsoper Unter den Linden. An der Deutschen Oper verkörperte er Lord Enrico Ashton in Donizettis „Lucia di Lammermoor“.

Antonio Poli

FOTO:C.SCHNEIDER
FOTO:C.SCHNEIDER
Die Teilnahme am „Young Singers Project“ der Salzburger Festspiele und der Gewinn des Belvedere-Wettbewerbs in Wien bedeuteten 2010 den Durchbruch des Italieners, dessen Interpretation des Alfredo in „La Traviata“ vor zwei Jahren an der Deutschen Oper zu Begeisterungsstürmen führte.

Elena Stikhina

FOTO:D.RABOVSKY
FOTO:D.RABOVSKY
Ob an der Pariser Opéra, der Metropolitan Opera in New York oder bei den Salzburger Festspielen: Die Russin ist eine der führenden Sängerinnen im lyrischen Spinto-Fach. An der Staatsoper Unter den Linden verzauberte sie als Titelpartie in „Tosca“ das Publikum – ebenso an der Deutschen Oper als Senta in „Der fliegende Holländer“.
 
 
Weitere Artikel