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Themenwelten Berliner Morgenpost
Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung

Von Entwarnung kann noch keine Rede sein

Die 26. Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung mahnt trotz medizinischer Fortschritte zu weiterer Achtsamkeit im Umgang mit dem Virus

Alard von Rohr...

Patrick Wildermann 

„Nichts ist erledigt.“ Diesen Satz hat vor vielen Jahren der Berliner Plakatkünstler Klaus Staeck populär gemacht. Und leider hat er auch seine Gültigkeit, wenn es um den Kampf gegen Aids geht. „Viele denken ja heute, die Krankheit sei kein Thema mehr“, erklärt der Hotelier und Mäzen Alfred Weiss. Schließlich gebe es mittlerweile Medikamente, die den Ausbruch der HIV-Infektion entscheidend verzögern könnten. Aber das seien eben keine Allheilmittel. „Darüber wird zu wenig Aufklärung betrieben.“

„Die Beeinträchtigungen durch die Medikamente sind doch erheblich, man führt nicht das Leben eines gesunden Menschen“, warnt auch der ehemalige Direktor der Deutschen Oper und Staatssekretär Alard von Rohr. Er sieht die Gefahr, „dass gerade die Jugend beim Thema Aids zu sorglos geworden ist“. Dazu kommt ja, dass die teure Behandlung vor allem Menschen in den reichen westlichen Ländern vorbehalten bleibt. Weltweit aber gab es 2018 rund 37,9 Millionen HIV-Infizierte. In mehr als 50 Ländern hat die Zahl der Neuinfektionen zugenommen, vor allem in Osteuropa und Zentralasien  
...und Alfred Weiss haben 1994 die Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung ins Leben gerufen. FOTOS: HO; CHRISTIAN LITZMANN
...und Alfred Weiss haben 1994 die Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung ins Leben gerufen. FOTOS: HO; CHRISTIAN LITZMANN
Aus „DATA“ ging schließlich die Organisation „ONE“ hervor, deren Vorstand Jamie Drummond als Gründungsmitglied noch immer angehört. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen bei „ONE“ Protestaktionen, Petitionen und öffentliche Kampagnen, an denen sich in den vergangenen Jahren weltweit etwa 25 Millionen Menschen beteiligt haben. Zu den prominentesten Beispielen zählen „Armut ist sexistisch“ und „#StepUpTheFight“.

Zudem unterstützen „ONE“ und Jamie Drummond den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Gemeinsam mit anderen Organisationen wurde im Oktober 2019 so lange Druck aufgebaut, bis die beteiligten Regierungen einlenkten und ihren Etat um jeweils mindestens 15 Prozent anhoben. Mit dem Auslaufen der Millennium-Entwicklungsziele engagierte sich Drummond zudem bei der Ausarbeitung neuer UN-Nachhaltigkeitsziele, der sogenannten Sustainable Development Goals. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehören Rita Süssmuth (2014), Bill und Melinda Gates (2015) sowie Bob Geldof (2018).

"In zwei Tagen bauen wir die Oper komplett um und wieder zurück. Und sobald die Veranstaltung zu Ende ist, beginnen wir schon mit der Planung der nächsten Gala"

Alfred Weiss, Hotelier und Mäzen

Überhaupt ist die Operngala mit insgesamt mehr als 2000 Gästen in jeder Hinsicht ein Champions-League-Event – das reicht vom noblen Catering im gesamten Haus, das Spitzenkoch Markus Herbicht verantwortet (der schon Madonna, Angela Merkel und die thailändische Königsfamilie bewirtet hat), bis zum Aufgebot an internationalen Opern-Stars, die für den guten Zweck ohne Gage auftreten.

Alard von Rohr, seit Anbeginn künstlerischer Leiter, hat einmal mehr ein hochklassiges Programm aus klangvollen Namen und bemerkenswerten Nachwuchstalenten zusammengestellt. Ein bewährtes Konzept. „Heutige Stars wie Angel Blue, Klaus Florian Vogt oder Rolando Villazón sind zu Beginn ihrer Karriere bei der Operngala aufgetreten“, erzählt von Rohr.

Größen aus Politik, Wirtschaft und Kultur

In diesem Jahr singen – unter der musikalischen Leitung von John Fiore, begleitet vom Chor und Orchester der Deutschen Oper – unter anderem Nino Machaidze und Elena Stikhina, die rauschende Erfolge in Salzburg gefeiert haben; die aufstrebende Kristina Mkhitaryan, die nicht nur von Rohr „zu den derzeit besten Traviatas“ zählt; die vielversprechende Mezzosopranistin Emily D’Angelo; die Tenöre René Barbera und Stefano La Colla oder auch die preisüberhäufte Simone Kermes. Durchs Programm führt dabei zum nunmehr elften Mal als Moderator Max Raabe – er hat die Aufgabe vormals von Loriot übernommen und seinen ganz eigenen Stil gefunden.

Zur erwarteten Prominenz zählen auch in diesem Jahr wieder etliche Größen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Neben dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller werden etwa Victoria Swarovski, Andreas Bourani, Katja Riemann, Wotan Wilke Möhring, Gizem Emre, Valentina Pahde oder Riccardo Simonetti am roten Teppich erwartet.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird den „World Without Aids Award“ verleihen. Dieser geht in diesem Jahr an Jamie Drummond, der zusammen mit U2-Frontmann Bono die Entschuldungs-Initiative „Drop the Debt“ geführt hat und sich mit seiner Kampagne „ONE“ weiterhin dem Kampf gegen Armut und vermeidbare Krankheiten wie Aids widmet.

Die Erlöse der Gala fließen in Hilfsprojekte der Aids-Stiftung in Deutschland und im südlichen Afrika. In Berlin wird eine Wohn-Pflege-Einrichtung in der Reichenberger Straße unterstützt, in Kapstadt berät der lokale Partner HOPE HIV-positive Schwangere, ähnliche Projekte werden auch in Mosambik und Kenia gefördert.

Welch enormer organisatorischer Aufwand hinter der Gala mit ihrer Ballnacht bis in die Morgenstunden steht, das bekommen die Gäste und Stars natürlich nicht mit. „In zwei Tagen bauen wir die Oper komplett um und wieder zurück“, berichtet Alfred Weiss. „Und sobald die Veranstaltung zu Ende ist, beginnen wir schon mit der Planung der nächsten Gala.“ Auch hier gilt: Nichts ist erledigt.
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