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Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung

„Reich mir die Hand, mein Leben“

Das musikalische Programm der Festlichen Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung hat Italien als Schwerpunkt

Moderator Max Raabe wurde von seinem Vorgänger Loriot ausgesucht und eingearbeitet. FOTO: BETTINA STÖSS

Ronald Klein 

Am 22. November erscheint das „MTV Unplugged“-Album des Schellack-Charmeurs Max Raabe. Für einen Künstler gleicht dieses Format einem Ritterschlag. Der Berliner steht damit in einer Reihe mit prominenten Vorgängern wie Paul McCartney, Eric Clapton, Jimmy Page und Robert Plant (Led Zeppelin) sowie Nirvana. Doch trotz aller Promotion-Termine ist ein Datum in Raabes Kalender rot markiert und nicht verhandelbar: der 2. November und somit die Moderation der Festlichen Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung. Bereits zum elften Mal führt Raabe mit seiner eleganten Bühnenpräsenz und seinem feinsinnigen Humor durch den Abend. Zugute kommt ihm dabei sein Hintergrundwissen, das er sich unter anderem während seines Gesangsstudiums aneignete, das er als staatlich geprüfter Bariton abschloss. So fällt es ihm leicht, die Hintergründe zu den Werken der Gala mit Fakten und kurzweiligen Anekdoten zu erläutern.
Das Orchester der Deutschen Oper Berlin begleitet das Charity-Event seit der ersten Ausgabe 1994. FOTO: BETTINA STÖSS
Das Orchester der Deutschen Oper Berlin begleitet das Charity-Event seit der ersten Ausgabe 1994. FOTO: BETTINA STÖSS
Noch länger als Raabe ist das Orchester der Deutschen Oper Berlin wichtiger Bestandteil des Charity-Events. Das Ensemble eröffnet seit 1994 die Festliche Operngala mit einem instrumentalen Werk, in diesem Jahr mit der „Polonaise“ aus dem dritten Akt von Pjotr Tschaikowskys 1879 uraufgeführter Oper „Eugen Onegin“. Darauf folgt ein Mozart-Doppel. Andrea Mastroni und Kristina Mkhitaryan singen das Duett „Là ci darem la mano“ (deutscher Titel: „Reich mir die Hand, mein Leben“) aus „Don Giovanni“ (1787). Dass die Titelfigur quasi den Prototyp des großen Verführers darstellt, kann vernachlässigt werden. Stattdessen hat das Reichen der Hand Symbolgehalt, denn darum geht es bei der Gala – Künstler und Publikum reichen eine helfende Hand, die Erlöse des Abends gehen an Projekte, die an HIV und Aids Erkrankte unterstützen.

Nach Mastronis Arie „Oh, wie will ich triumphieren“ aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ markiert Antonio Polis Interpretation von „Oh fede negar potessi… Quando le sere al placido“ aus Giuseppe Verdis „Luisa Miller“ den Übergang zum programmatischen Schwerpunkt des Abends: der italienischen Oper des 19. Jahrhunderts. Auszüge aus weiteren großen Verdi-Werken wie „La Traviata“, „La forza del destino“ und „Il trovatore“ werden beispielsweise dem Grandseigneur des Belcanto gegenübergestellt: Von Gioachino Rossini erklingt eine Arie aus „La Cenerentola“, gesungen vom Shooting-Star Emily D’Angelo.

Das restliche Programm lässt kaum Wünsche offen: Amilcare Ponchielli ist mit „La Gioconda“ vertreten, Vincenzo Bellini mit Auszügen aus zwei Werken: „I Puritani“ und „La Sonnambula“. Den Programmschwerpunkt runden Giacomo Puccini („Tosca“) und Gaetano Donizetti („La fille du regiment“) ab.

Zwischendurch wird in eine andere Ära entführt: Simone Kermes ist eine der versiertesten Barockinterpretinnen. Die Sopranistin hat den Mut, den etablierten Musikbetrieb zu kritisieren. Statt künstlerische Kompromisse einzugehen, nimmt sie lieber selbst die Organisation von Konzerten in die Hand. Der Festlichen Operngala hingegen ist sie seit vielen Jahren verbunden, so tritt die sympathische Berlinerin bereits zum fünften Mal für das Charity-Event auf und singt „Son qual nave ch’agitat“ aus Riccardo Broschis Oper „Artaserse“ (1734). Der italienische Barockkomponist war einer der Ersten, der Pietro Metastasios Libretto um Intrigen am persischen Hof vertonte. Der Stoff war im Italien des 18. Jahrhunderts äußerst beliebt. Knapp 90 Musiktheater basieren auf Metastasios Text. Der Abend klingt mit dem zeitgenössischen Lied „Con te partirò“ von Francesco Satori aus. Bekannt wurde dieses in der englischen Fassung als „Time to Say Goodbye“, gesungen von Sarah Brightman und Andrea Bocelli. Die Interpretationen sämtlicher Solisten versprechen in jedem Fall Gänsehautmomente.
  

Auf der Bühne 2019

René Barbera

FOTO:ANNA BARBERA
FOTO:ANNA BARBERA
Nach seiner Gesangsausbildung im Opernstudio der Lyric Opera of Chicago war der Tenor auf den bedeutendsten Opernbühnen der USA sowie am Teatro Massimo in Palermo, Teatro dell’Opera in Rom, an der Opéra national de Paris und beim Rossini Opera Festival in Pesaro zu erleben. An der Deutschen Oper sang er zuletzt die Partie des Edgardo in Donizettis „Lucia di Lammermoor“ und des Elvino in Bellinis „La sonnambula“.

Vasilisa Berzhanskaya

FOTO: FAINBERG
FOTO: FAINBERG
Die russische Mezzosopranistin debütierte 2017 bei den Salzburger Festspielen. Seit der darauf folgenden Spielzeit wirkt die 25-Jährige als Ensemble-Solistin an der Deutschen Oper. Derzeit ist sie hier als Rosina in Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ und als Fenena in „Nabucco“ von Verdi zu erleben.

Emily D’Angelo

FOTO: PROMO
FOTO: PROMO
Die junge kanadische Mezzosopranistin kann auf zahlreiche Auszeichnungen zurückblicken: 2016 war sie Gewinnerin der Metropolitan Opera National Council Auditions, ein Jahr später wurde D’Angelo beim internationalen Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“ mit dem zweiten Preis ausgezeichnet und war Preisträgerin der Gerda Lissner International Competition. In dieser Spielzeit ist sie in Opernhäusern in Santa Fe, Wien und Toronto zu erleben. Ihr Repertoire reicht von Händel über Rossini bis Mozart.

Andrei Danilov

FOTO: PROMO
FOTO: PROMO
Warum soll ein Apfel nicht einmal weit vom Stamm fallen, dachte sich der Sohn eines Sängerpaares, belegte Linguistik-Kurse und ließ sich zum Dolmetscher ausbilden. Ganz ohne Musik ging es aber doch nicht – in Irkutsk studierte Danilov schließlich Gesang. Seit dieser Spielzeit gehört der Tenor zum Ensemble der Deutschen Oper, wo er beispielsweise in Mozarts „Zauberflöte“, Verdis „La Traviata“ und „Otello“ sowie Donizettis „Lucia di Lammermoor“ singt.
 
 
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