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Themenwelten Berliner Morgenpost
Festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung

„Eine Freude für das Publikum und die Künstler“

Stardirigent John Fiore ist von Berlin begeistert. Nun gibt er sein Debüt bei der Festlichen Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung

Der US-Amerikaner John Fiore stand oft am Pult der Deutschen Oper. FOTO: JOCHEN QUAST

Ronald Klein 

Der Terminkalender ist prall gefüllt. In den vergangenen Monaten dirigierte John Fiore unter anderem „Madame Butterfly“ in Santa Fe, „Carmen“ in Genf, „Tosca“ in Seoul und „Eugen Onegin“ in Stockholm. Ähnlich geht es in den kommenden Monaten weiter. John Fiore arbeitet interkontinental, das Taxi und die Flughafen-Lounge hat er zum Büro umfunktioniert. Als Alard von Rohr und sein Team anfragten, ob er sich vorstellen könne, die diesjährige musikalische Leitung der Festlichen Operngala zu übernehmen, zögerte er trotz der zahlreichen Verpflichtungen keinen Augenblick. „Die Einladung bedeutet eine absolute Ehre für mich“, sagt der US-Amerikaner. Es sei ihm eine Herzensangelegenheit, sich für die Aids-Stiftung zu engagieren, denn die Krankheit verschwinde langsam aus dem öffentlichen Bewusstsein. Aber das Virus sei nach wie vor präsent. „Natürlich habe ich die Hoffnung, dass eines Tages HIV und Aids geheilt werden können, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“ Und deswegen sei es umso wichtiger, Erkrankte zu unterstützen.

Die Solisten lieben die italienischen Arien

Für viele Dirigenten bedeuten Gala-Veranstaltungen eine Herausforderung, denn sie müssen sich auf eine Vielzahl an Solisten und musikalischen Stilen einstellen. Fiore macht dies alles andere als nervös: „Ein bunter Abend bedeutet in erster Linie Freude für das Publikum und ebenso für die Künstler. Das Programm muss auf die Solisten zugeschnitten sein – und sie lieben es, italienische Arien und Duette zu singen.“

"Es ist ein Privileg, hier arbeiten zu dürfen. Eine Stadt mit drei Opernhäusern, wo gibt es das schon? It’s my kind of town"

John Fiore, Dirigent

Denn: Anders als bei den Aufführungen aus dem regulären Spielplan hat sein Team aus rund 130 Beleuchtern, Requisiteuren, Ton-, Bühnen- und Maschinentechnikern keine zwölf Monate Vorbereitungszeit. „Ab Donnerstag arbeiten wir rund um die Uhr“, erzählt Arsand. Die Gala ist, wenn man so will, ein erheblicher Störfaktor im Regelbetrieb. „Das liegt auch daran, dass wir nicht nur die Pulte für das Gala-Orchester, das Bühnenbild für die Haupt- und Nebenbühnen aufbauen, sondern sie später auch innerhalb einer Stunde zurückbauen und mit Tischen für die Gäste bestücken müssen“, erläutert Arsand. Trotz der notwendigen Geschwindigkeit geht es dabei auch um die Liebe zum Detail. Während Aufgänge und Foyers schon vorher auf Hochglanz gebracht und mit Blumengestecken geschmückt wurden, erhalten die Festtafeln ihren letzten Schliff erst in der knappen Stunde zwischen Aufführung und Fest. Das Sicherheitskonzept allein ist eine Herausforderung, die manch einen zur Verzweiflung treiben könnte. Denn in dem ganzen Chaos, zwischen Schiebekulissen, Orchesterproben und technischen Installationen für Videoprojektionen und die Lichtregie, müssen Fluchtwege und Notausgänge stets frei und gesichert bleiben. Darüber wacht die Bauaufsichtsbehörde gemeinsam mit der Feuerwehr - und beide können ihre Erlaubnis für die Veranstaltung auch kurzfristig verweigern, wenn Arsands vielköpfiges Team es nicht schafft, deren vielfältige und strenge Richtlinien rechtzeitig umzusetzen. Arsand ist seit zwölf Jahren Technischer Direktor, entsprechend routiniert kann er an den Ausnahmezustand herangehen. Abgesagt wurde die Gala im Vorfeld noch nie. „Aber wir haben nicht viel Zeit, um die Mängel zu beseitigen.“ Am Abend selbst werden 14 Feuerwehrleute vor Ort sein, um im schlimmsten Fall sofort eingreifen zu können. Dass es dazu gar nicht erst kommt, dafür sorgt auch die Polizei Berlin, mit der sich Arsand bei mehreren Treffen ausführlich berät. „Sind besonders prominente Gäste geladen, wie zum Beispiel der Bundespräsident, dann sucht vor der Gala eine Hundestaffel das Haus nach Sprengstoff ab.“ Überhaupt ist die Oper am Tag der Gala abgeriegelt. Nur registrierte Gäste und ausgewiesene Mitarbeiter erhalten noch Zutritt zum Gebäude.

Biografie

John Fiore entstammt einer New Yorker Musikerfamilie. Bereits mit 14 Jahren wirkte er als Korrepetitor und Pianist bei den jährlichen Richard-Wagner-Festspielen in Seattle. Später assistierte er unter anderem Zubin Mehta, Daniel Barenboim und Leonard Bernstein. Als Dirigent debütierte er 1986 mit „Faust“ in San Francisco.
 

Samuel Dale Johnson

FOTO:J.HOLTHAUS
FOTO:J.HOLTHAUS
Nach Abschluss seines Studiums an der Queensland Conservatorium Griffith University in Brisbane gewann der Australier zahlreiche Förderpreise und Stipendien, so wirkte er 2016/17 als Stipendiat des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin. Nach einem Jahr Vorstellungspause kehrt er an das Haus in der Bismarckstraße zurück und übernimmt Bariton-Rollen, beispielsweise in „Tosca“ oder „Turandot“.

Simone Kermes

FOTO: PROMO
FOTO: PROMO
Die Berliner Sopranistin verbindet eine beeindruckende Bühnenpräsenz mit stimmlicher Präzision. Bei der Festlichen Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung wirkte Simone Kermes bereits mehrfach mit. Ohnehin zeichnet sich die Künstlerin durch Engagement und ihre Haltung aus. In der Vergangenheit kritisierte sie den Marketing-Druck in der klassischen Musik – sie gründete also ihre eigene Agentur und mit Amici Veneziani sogar ein eigenes Orchester.

Stefano La Colla

FOTO: PROMO
FOTO: PROMO
Der italienische Tenor erlebte 2015 seinen Durchbruch an der Mailänder Scala als Calaf in Puccinis „Turandot“, danach profilierte er sich unter anderem in Wien, Berlin, Rom, Chicago und Pittsburgh vor allem als Verdi-Interpret. Er verkörperte beispielsweise Ismaele („Nabucco“), Riccardo („Un ballo in maschera“), Manrico („Il trovatore“), Álvaro („La forza del destino“) und Radamès („Aida) – in dieser Rolle wird er auch im Frühjahr 2020 auf der Bühne der Deutschen Oper stehen.

Nino Machaidze

FOTO:P. TAORMINA 
FOTO:P. TAORMINA 
Bereits in Hamburg begeisterte die Absolventin der Akademie der Mailänder Scala als Titelpartie in Verdis „Luisa Miller“ nach Schillers bürgerlichem Trauerspiel „Kabale und Liebe“. Den Erfolg wiederholte die aus Tiflis in Georgien stammende Sopranistin bei den Salzburger Festspielen. „Die Opernwelt umarmt einen neuen Stern“, kommentierte ein Kritiker in diesem Jahr das Phänomen, dass die 35-Jährige in jedem Rollendebüt sofort brilliert.
 
 
 
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